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Konzeption „Prävention legaler Drogen“

Vorlagentyp: B

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 07.12.2012, B 540

Betreff: Konzeption "Prävention legaler Drogen" Vorgang: l. Beschl. d. Stv.-V. vom 06.09.2012, § 1960 - E 99/10 GRÜNE, l. B 282/12 - Zwischenbericht: Die Entwicklung einer Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen", mit der das Drogenreferat mit dem Stadtverordnetenbeschluss zum E 99/2010 (§ 7831 vom 25.3.2010) beauftragt wurde, ist eine kontinuierliche Aufgabe, die das Ziel hat, möglichst sämtliche Zielgruppen mit präventiven Maßnahmen zu erreichen. In den folgenden Bereichen fanden Weiterentwicklungen statt:

  1. Monitoring System Drogentrend (MoSyD) Die neuen Ergebnisse des Monitoring System Drogentrends 2011 liegen vor. Damit bildet die MoSyD-Studie, die jährlich 1.500 15- bis 18-jährige Frankfurter Schülerinnen und Schüler befragt, mittlerweile einen Zeitraum von zehn Jahren ab und zeigt, wie sich die Jugendgeneration zum Jahrtausendbeginn von der heutigen mit Blick auf ihren Drogenkonsum und ihr Freizeitverhalten unterscheidet. Insgesamt betrachtet ist der Konsum der legalen Substanzen Tabak und Alkohol seit 2002 signifikant zurückgegangen und die Zahl der Abstinenten hat zugenommen. Gleichzeitig sind riskante und intensive Konsummuster vor allem bei Alkohol immer noch weit verbreitet. Zudem sind neue Phänomene aufgetaucht: übermäßiges Computerspielen gehört dazu, das Shisha-Rauchen und die "Legal Highs". Damit ist im Grunde auch eine der wichtigsten Veränderungen seit 2002 angesprochen: Die Jugendlichen sind heute mit anderen und subtileren Risiken konfrontiert als vor zehn Jahren. Alles ist für jeden über das Internet mit einem Mausklick mühelos zugänglich. Jugendliche müssen heute deshalb schon sehr früh lernen, Risiken zu erkennen und einzuschätzen und eigenverantwortlich mit ihnen umzugehen. Dafür brauchen sie Wissen und Handlungskompetenzen, wie Risiko- und Medienkompetenz. Und sie müssen selbstbewusst genug sein, um auch mal Nein sagen zu können, wenn sie sich gegenüber Gruppendruck behaupten wollen. Nicht zuletzt müssen sie sich gut selbst einschätzen können, damit sie wissen, wie weit sie gehen können und wo die eigenen Grenzen liegen. Eine weitere positive Entwicklung im Zehnjahresverlauf ist, dass das Einstiegsalter seit Beginn der Studie bei Tabak von 12,7 auf 13,5 Jahre und bei Alkohol von 12,7 auf 13,4 Jahre signifikant angestiegen ist. Das heißt, dass Jugendliche heute später mit psychoaktiven Substanzen in Berührung kommen als vor zehn Jahren, denn in der Regel sind Tabak oder Alkohol die ersten Substanzen, die Jugendliche ausprobieren. Trotzdem gibt es weiterhin Handlungsbedarf, denn viele Jugendliche beginnen immer noch wesentlich früher mit dem Tabak- und Alkoholkonsum als es das Jugendschutzgesetz vorgibt.

  2. Alkohol Bei den im Rahmen der MoSyD-Studie befragten Jugendlichen zeigt sich für das Jahr 2011 ein leichter Anstieg für den aktuellen Alkoholkonsum und für die Trunkenheit im letzten Monat nach einem Rückgang im Vorjahr. So haben im zurückliegenden Monat 68 Prozent Alkohol getrunken (2010: 65 Prozent) und 46 Prozent waren in diesem Zeitraum mindestens einmal betrunken (2010: 43 Prozent). Alkohol ist nach wie vor die am weitesten verbreitete Droge unter Frankfurter Jugendlichen. Die MoSyD-Studie legt einen Schwerpunkt auf die Auswertung riskanter Konsumformen, die aktuell in ähnlich hohem Umfang wie im Vorjahr praktiziert werden: insgesamt 21 Prozent konsumieren riskant bzw. intensiv Alkohol (2010: 22 Prozent). Wie im Vorjahr haben auch 2011 41 Prozent mindestens einmal im Leben so viel getrunken, dass es ihnen körperlich sehr schlecht ging oder dass sie bewusstlos waren ("Komatrinken"), bei sieben Prozent war dies auch im Vormonat der Fall (2010: acht Prozent). Im vergangenen Jahr gaben sechs Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler an, bei einer durchschnittlichen Konsumgelegenheit mehr als 15 Gläser zu trinken, also z. B. mehr als drei Liter Bier. Hochgerechnet auf die Frankfurter Bevölkerungszahlen entspräche dies ca. 1.300 Jugendlichen dieser Altersgruppe. Die Gruppe, die häufig Alkohol trinkt, hier mindestens 20 Mal im Monat, entspräche mit vier Prozent knapp 900 Jugendlichen in Frankfurt. Um dem riskanten und intensiven Alkoholkonsum Jugendlicher wirksam zu begegnen, wurden folgende Maßnahmen entwickelt bzw. weiterentwickelt: HaLT reaktiv Wie der Magistrat bereits in seinem Bericht B 44 beschrieben hat, ist es ein Ziel des reaktiven Bausteins, möglichst viele Krankenhäuser mit maßgeblichen Fallzahlen für eine Kooperation zu gewinnen. Mittlerweile wird das Projekt HaLT in fünf Krankenhäusern angeboten: - Uniklinik - Klinikum Höchst - Bürgerhospital - Hospital zum Heiligen Geist - Elisabethenkrankenhaus Die Einbindung mehrerer Krankenhäuser in das Projekt und die seit Februar 2012 eingerichtete Rufbereitschaft am Wochenende haben zu einer Ausweitung der Fallzahlen geführt: So führten die Mitarbeiter der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz im Zeitraum Januar bis Oktober 2012 bereits 34 Brückengespräche mit Jugendlichen und 18 Elterngespräche. Bei einem gemeinsamen Termin mit dem Amt für Gesundheit informierten das Drogenreferat und die Beratungsstelle Am Merianplatz die Branddirektion (Rettungsdienstträger, Leitstelle, FIRN) und die Betriebsleiter der Hilfsorganisationen über den aktuellen Umsetzungsstand des Projektes. Zusammen mit den projektbeteiligten Krankenhäusern fand zudem ein Austausch über die Weiterentwicklung des Projektes statt. HaLT proaktiv: Alice gibt HaLT Im September 2012 ist die Umsetzung des proaktiven Bausteins des Projektes HaLT gestartet. Das Projekt wird durch den Träger Basis e.V. umgesetzt, mit der Schulung von Peers in den Bereichen Alkoholwirkung, Risiken, Gesprächsführung, Deesklationstraining, Verhalten in Notfallsituationen wurde begonnen. Da sich immer wieder zeigt, dass gerade Jugendliche für Hinweise von Angehörigen ihrer Peergroup (etwa gleichaltrige Personen und/oder Personen mit Bezug zu den entsprechenden Jugendszenen) zugänglich sind, werden Peers eingesetzt, die Jugendliche mit Trinkabsicht im öffentlichen Raum ansprechen, etwa auf Plätzen, in Parks und auf Straßenfesten. Die Gespräche sollen den Jugendlichen Impulse geben, die zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten führen sollen. Grundsätzliches Ziel der Interventionen ist es, auf einen mündigen, kontrollierten und möglichst risikoarmen Konsum hinzuwirken. Voll nüchtern! Mit Unterstützung von Honorarkräften, die das Drogenreferat und die Geschäftsstelle des Präventionsrates geschult haben, wird die Akquise von Kiosken im Rahmen der Jugendschutzkampagne "voll nüchtern!" weiter fortgesetzt. Bisher konnten 34 Kioske für eine Unterstützung der Kampagne gewonnen werden, die auf der Homepage der Kampagne www.vollnüchtern.de aufgelistet sind. Sie unterstützen die Kampagne durch Anbringen des Aufklebers und fragen Jugendliche nach ihrem Ausweis, um das Jugendschutzgesetz einzuhalten.

  3. Mischkonsum Alkohol - illegale Drogen Die Bundesdrogenbeauftragte hatte Anfang Oktober 2012 das Drogenreferat und weitere 30 Expertinnen und Experten zu einem Fachgespräch zur "Prävention des Mischkonsums von Alkohol und illegalen Drogen im Nachtleben" ins Bundesgesundheitsministerium eingeladen. Die Experten waren sich einig, dass im Partysetting Mischkonsum von Alkohol und anderen Drogen die Regel ist und dass es hier nicht um Hilfen bei Abhängigkeit sondern um Früherkennung von riskantem Verhalten geht. Dazu ist es notwendig, die Schwellen durch online-Angebote weiter zu senken. Diskutiert wurden auch neue Konzepte wie "Safer-Clubbing" und "online-Streetwork". Zu dem Fachgespräch waren allein fünf Experten aus Frankfurt aus unterschiedlichen Bereichen der Drogenhilfe geladen. Frankfurt wurde für seine innovative und vorbildliche Arbeit in diesem Bereich gewürdigt.

  4. Medikamente Die Kampagne "Check, wer fährt!", die sich an Fahrschüler und junge Autofahrer wendet, war bisher auf die Risiken von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr ausgerichtet. Seit Herbst 2011 wurde die Kampagne mit den folgenden Maßnahmen um das Thema Medikamente erweitert: - Ausführliche Informationen zu Medikamenten im Straßenverkehr sind auf der Webseite der Kampagne "Check, wer fährt!" veröffentlicht und werden kontinuierlich aktualisiert. - In der aktuellen

  5. Ausgabe der Broschüre zur Kampagne ist das Thema eingepflegt.

  6. Research Chemicals - "Legal Highs" Im Internet werden ständig neue Räuchermischungen und andere "Legal Highs" angeboten. Dennoch ist ihr Konsum unter Jugendlichen, die nicht die Hauptkonsumentengruppe sind, leicht rückläufig. Die Konsumerfahrung ist von neun Prozent in 2010 auf sieben Prozent in 2011 zurückgegangen. Nur ein Prozent der Jugendlichen hat Räuchermischungen oder "Legal Highs" häufiger genommen. Nach wie vor greifen die meisten jugendlichen und erwachsenen Drogenkonsumierenden lieber auf die gängigen illegalen Substanzen zurück, u.a. begründet mit der Unerforschtheit der Substanzen und dem damit verbundenen Risiko und ihren Nebenwirkungen. Zum Abschluss des zweijährigen EU-Projekts "Spice and synthetic Cannabinoids" (Spice I), an dem das Drogenreferat als Associate Partner mitarbeitet, wurden die Ergebnisse auf einer internationalen Spice-Konferenz im September 2012 in Frankfurt der Fachöffentlichkeit vorgestellt: - Die identifizierten synthetischen Cannabinoide sind teilweise gesundheitsgefährdender als Cannabis. Sie haben stärkere Nebenwirkungen und es besteht die Gefahr der Überdosierung, da die Potenz der Cannabinoide sehr unterschiedlich ist und die in den Produkten enthaltene Menge unklar ist. Es ist mittlerweile zu einigen Notfällen gekommen und es gibt die Vermutung, dass einige Todesfälle in Verbindung mit dem Konsum von Räuchermischungen stehen. - Die toxikologische Analyse ergab im Zelltest teilweise genverändernde und krebsauslösende Wirkungen. - Das Spice-Phänomen ist bis zum jetzigen Zeitpunkt mit Blick auf die Konsumentenzahlen nicht als akutes Problem einzuschätzen, es besteht aber eine potenzielle gesundheitliche Gefahr für die Konsumenten. - Das eigentlich Neue an Spice ist die Digitalisierung des Drogenmarktes, die an die Prävention neue Anforderungen stellt. - In Ländern, in denen Cannabis entkriminalisiert ist, wie in der Schweiz, den Niederlanden und Spanien, spielen cannabinoidhaltige Räuchermischungen kaum eine Rolle. Die Prävention in Frankfurt, die mit MoSyD und den frühzeitigen Maßnahmen und digitalen Angeboten (Webseite und Online-Streetwork) einmalig in Deutschland ist, wurde als vorbildlich hervorgehoben. Die Universität Freiburg hat die Fortsetzung des EU-Projektes beantragt. Im Folgeprojekt "Spice II" soll die Prävention Forschungsgegenstand werden. Die von Basis e.V. in Kooperation mit dem Drogenreferat entwickelte Webseite www.Legal-High-Inhaltsstoffe.de soll als offizielle Webseite des EU-Projektes weiterentwickelt und evaluiert werden.

  7. Medienkonsum und -sucht Die Medienwelt verändert sich rasant. Waren 2008 noch Computerspiele und 2010 das Aufkommen und die blitzschnelle Verbreitung von Facebook Entwicklungen, die Eltern bewegten und mit denen sich die Prävention beschäftigte, sind es aktuell Smartphones und Rund-um-die-Uhr Onlinesein. Insgesamt 62 Prozent der 15- bis 18-Jährigen spielen aktuell mindestens einmal monatlich ein Computerspiel (PC oder Konsole). Nur hier unterscheiden sich die Geschlechter deutlich: 85 Prozent der Schüler, aber nur 38 der Schülerinnen spielen regelmäßig Computerspiele. Die Schüler bevorzugen hierbei vor allem Ego-Shooter (♂: 56 Prozent, ♀: 6 Prozent) und Sportspiele (♂: 49 Prozent, ♀: 13 Prozent). Auch bei den Online-Rollenspielen zeigt sich ein deutlicher geschlechtsbezogener Unterschied (♂: 15 Prozent, ♀: 6 Prozent). Dabei wenden die Schüler mit durchschnittlich knapp neun Stunden pro Woche fast siebenmal so viel Zeit auf wie die Schülerinnen. Rund jede/r zehnte Befragte spielt mehr als 20 Stunden pro Woche. Diese intensiven Computerspieler sind fast alle männlich, sie trinken mehr Alkohol und sind häufiger starke Raucher als ihre Mitschüler. Das Präventionsangebot "Neue Medien im Kindesalter" der Fachstelle Prävention wurde auf Grund der großen Nachfrage um ein Fortbildungsangebot für Grundschullehrkräfte erweitert.