Konzeption „Prävention legaler Drogen“
Inhalt
Bericht des Magistrats vom 04.04.2022, B 140
Betreff: Konzeption "Prävention legaler Drogen" Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 25.03.2010, § 7831 Anlage 8 - E 99/10 GRÜNE, l. B 5/18 - Die Entwicklung einer Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen", mit der das Drogenreferat mit dem Stadtverordnetenbeschluss zum Etat-Antrag E 99/2010 (§ 7831 vom 25.03.2010) beauftragt wurde, ist eine kontinuierliche Aufgabe, die das Ziel hat, möglichst sämtliche Zielgruppen mit Maßnahmen der Prävention und Frühintervention zu erreichen. An der Erreichung dieses Ziels sind verschiedene Trägervereine beteiligt. Deren Projekte (soweit als Jahresberichte vorliegend) sowie Aktivitäten des Drogenreferats sind folgend aufgeführt. Der letzte Bericht umfasste Daten bis einschließlich 2017. Aufgrund der Corona Pandemie umfasst der vorliegende Bericht Daten aus den zwei aufeinanderfolgenden Jahren 2018 - 2020.
- Monitoring-System Drogentrends (MoSyD) Im Auftrag des Drogenreferats erstellt das Centre for Drug Research seit 2002 jährlich die Drogentrendstudie MoSyD. Ein zentrales Modul dabei ist eine repräsentative Schüler*innenbefragung, bei der ca. 1500 Jugendliche ab 15 Jahren aller Schulformen zu ihrem Drogenkonsum und Freizeitverhalten befragt werden. Dank der engmaschigen Erhebung lässt sich sehr genau sagen, welche legalen und illegalen Drogen Jugendliche in Frankfurt am Main konsumieren, wie viele riskant mit Drogen umgehen und welche neuen Trends gerade aufkommen. Seit Beginn der Befragung im Jahr 2002 ist ein signifikanter Anstieg des Alters beim Erstkonsum von Alkohol und Tabak zu verzeichnen. Im Jahr 2020 liegt das Durchschnittsalter beim Erstkonsum von Alkohol bei 13,8 Jahren. Das Alter ist gegenüber dem Vorjahr zwar etwas gesunken (2019: 14,1 Jahre), insgesamt ist es seit 2002 (12,9 Jahre) aber deutlich gestiegen. Das Alter beim Erstkonsum von Tabak liegt 2020 bei 14,4 Jahren (2019: 14,5 Jahre), 2002 lag es bei 12,8 Jahren. Die Zahl derjenigen, die zeitweise oder dauerhaft abstinent leben, stieg in den vergangenen Jahren weiter an und hat 2020 noch einmal deutlich zugenommen. Knapp die Hälfte der befragten Jugendlichen (45 Prozent) gab an, im Vormonat der Befragung weder legale noch illegale Drogen konsumiert zu haben. Dies ist der mit Abstand höchste Wert seit Beginn der Studie 2002 (16 Prozent). Der Anteil der Jugendlichen, die substanzübergreifend "riskant" konsumiert haben, ist 2020 deutlich von zehn auf sechs Prozent gesunken.
- Alkohol In unterschiedlichem Ausmaß und mit unterschiedlichen Schwerpunkten sind in Frankfurt am Main folgende durch das Drogenreferat geförderten Träger zum Thema Alkoholberatung tätig: BASiS - Beratung, Arbeit, Jugend & Kultur e.V., Blaues Kreuz e.V., Calla e.V., Caritasverband Frankfurt e. V., Frankfurter Therapieverbund hessischer Guttemplereinrichtungen gGmbH, Frankfurter Verein für soziale Heimstätten e.V., Evangelischer Regionalverband Frankfurt und Offenbach, Jugendberatung und Jugendhilfe e.V., Stiftung Waldmühle und Verein Arbeits- und Erziehungshilfe e.V. Nach wie vor ist Alkohol mit Abstand die am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz unter Frankfurter Jugendlichen. Der in den Vorjahren beobachtete Rückgang des Alkoholkonsums bei den befragten Jugendlichen hat sich nach einem Anstieg 2018 in den Jahren 2019 und 2020 weiter fortgesetzt. Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie haben Frankfurter Schüler*innen zwischen 15 und 18 Jahren weniger Alkohol getrunken als je zuvor seit Beginn der Befragung. Mindestens einmal im letzten Monat Alkohol getrunken haben 2020 nur noch 38 Prozent (2019: 51 Prozent) der Befragten, 23 Prozent (2019: 36 Prozent) waren mindestens einmal betrunken und 4 Prozent (2019: 5 Prozent) haben mehr als zehnmal im letzten Monat Alkohol konsumiert. Im Jahr 2020 wurden in Frankfurt m Main insgesamt 190 Jugendliche und junge Erwachsene bis einschließlich 21 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in u. g. Krankenhäuser eingeliefert. Der Rückgang von 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist vor allem auf einen Rückgang bei den älteren Jahrgängen zurückzuführen. Alkoholintoxikationen 2018 bis 2020 bis einschl. 21 Jahren nach Krankenhäusern in Frankfurt am Main (Fallzahlen) Krankenhäuser 2018 2019 2020 Hospital zum Heiligen Geist 23 29 15 Uni-Klinik/Kinderklinik 90 41/33 11/26 Bürgerhospital 15 18 13 Krankenhaus Sachsenhausen 65 27 25 Klinikum Frankfurt Höchst/Kinderklinik 36 42/20 16/22 St. Elisabethen-Krankenhaus 28 39 7 Krankenhaus Nordwest 22 45 25 Markus-Krankenhaus 14 7 12 St. Katharinen-Krankenhaus 34 16 3 Clementine-Kinderhospital 11 11 15 Gesamt 338 328 190 (Quelle: Rettungsdienststatistik 2018-2020, Branddirektion Stadt Frankfurt am Main) Alkoholintoxikationen 2018 bis 2020 nach Alter (Quelle: Rettungsdienststatistik 2018-2020, Branddirektion Stadt Frankfurt am Main) Der Rückgang in der Alterskohorte von 12 bis 17 Jahren betrug im Vergleich der Jahre 2019 und 2020 nur 19 Prozent, während der Rückgang bei jungen Erwachsenen 50 Prozent ausmachte. Die Auswirkungen der Coronapandemie mit eingeschränkten sozialen Kontakten und weniger Gelegenheiten zum Konsumieren (geschlossene Clubs u. Ä.) zeigten sich bei den älteren Alkohol-Konsumierenden also deutlicher. Um dem riskanten und exzessiven Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener wirksam zu begegnen, werden verschiedene Projekte umgesetzt. Zusammen mit den durchführenden Trägern unterzieht das Drogenreferat die folgenden Maßnahmen einer jährlichen Prüfung und trägt zur Fortschreibung und Weiterentwicklung bei: HaLT - Hart am Limit "Hart am Limit" (kurz: HaLT) ist ein Alkoholpräventionsprogramm für Kinder und Jugendliche, das 2002 von Präventionsfachkräften der Villa Schöpflin gGmbH - Zentrum für Suchtprävention entwickelt wurde. Das Programm verbreitete sich deutschlandweit und wird mittlerweile an über 150 Standorten in 14 Bundesländern umgesetzt. Die Stadt Frankfurt am Main beteiligt sich bereits seit 2004 an dem Projekt. Es war von 2004 bis 2007 zunächst Bundesmodellprojekt und wird seither vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt finanziert. Seit Juli 2019 wird das Projekt zusätzlich finanziert durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Auftrag des GKV-Bündnis für Gesundheit. HaLT ist ein Mehrkomponentenprogramm, das verschiedene Zielgruppen anspricht, berät und informiert. HaLT reaktiv wendet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einem riskanten Alkoholkonsum, insbesondere nach einer Alkoholintoxikation. HaLT-proaktiv wendet sich an Jugendliche in Freizeitsettings und fordert die konsequente Einhaltung des Jugendschutzgesetzes, z. B. bei Stadtfesten, Vereinsfeiern oder Zusammentreffen in der Öffentlichkeit. HaLT reaktiv wird in Frankfurt am Main von dem Verein Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. umgesetzt. Der Verein betreibt in Frankfurt zwei Jugend- und Drogenberatungsstellen und ist durch die vielfältigen Angebote im Bereich der Suchtberatung und Drogenhilfe sehr gut vernetzt. Bereits mit Beginn des Bundesmodellprojektes im Jahr 2004 führte der Verein im Rahmen von HaLT reaktiv sogenannte Brückengespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch, die mit einer Alkoholintoxikation ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Seit 2012 wird eine Rufbereitschaft am Wochenende umgesetzt, um auch dann noch möglichst viele junge Menschen in der Klinik aufsuchen zu können. Ergänzend wird ein Gespräch für deren Eltern angeboten. In den am Projekt beteiligten Krankenhäusern händigt das Krankenhauspersonal den Jugendlichen und Eltern Informationsmaterial aus, um so auch Jugendliche zu erreichen, die das Krankenhaus frühzeitig verlassen. Mehrere Klient*innen nutzten auch das Angebot von Folgegesprächen in den Beratungsstellen. Sieben der zehn Krankenhäuser in Frankfurt am Main beteiligen sich derzeit an dem Projekt. Im Jahr 2020 fanden 53 Brückengespräche und 29 Elterngespräche statt. Darüber hinaus wurden sieben Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Drogenintoxikation eingewiesen, die ebenfalls ein Brückengespräch erhielten. Die Beratungen konnten auch während der Pandemie in den Krankenhäusern durchgeführt werden. Die Mitarbeitenden der Krankenhäuser zeigten sich sehr kooperativ, gaben zum Teil Schutzkleidung und Hygienemittel aus. Die Projektmitarbeitenden machten den Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgrund der Rahmenbedingungen das Angebot, Beratung über Video-Chat und Telefon in Anspruch zu nehmen, was gegenüber der Präsenzberatung jedoch nur wenig genutzt wurde. Das Durchschnittsalter der eingelieferten Jugendlichen lag 2020 bei 15,6 Jahren. 50 Personen waren zum Zeitpunkt der Einlieferung jünger als 18 Jahre, drei waren 18 Jahre oder älter. Für 45 Jugendliche war es die erste Klinikeinlieferung aufgrund einer Alkoholintoxikation. Der durchschnittliche Promillewert der männlichen Personen lag bei 1,6 Promille, bei weiblichen Personen bei 1,4 Promille. Die Meisten hatten - zum Teil selbstgemixte - Spirituosen konsumiert oder Spirituosen in Kombination mit anderen Alkoholika (Bier, Wein, Sekt etc.). 2019 wurden die Zugangswege zu HaLT erweitert. Hinweise zu den Beratungsmöglichkeiten im Rahmen des Projekts erfolgen nun auch über Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Ärzte und andere Einrichtungen. HaLT proaktiv wird in Frankfurt am Main seit 2013 von BASiS - Beratung, Arbeit, Jugend & Kultur e.V. umgesetzt. Bei Einsätzen in Parks, am Mainufer und an anderen öffentlichen Plätzen wurden im Berichtszeitraum mehrere Hundert Jugendliche und junge Erwachsene erreicht. Die eingesetzten Peers (Gleichaltrige) ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang zu Information und Beratung, welche zu einem risikobewussten Alkoholkonsum motivieren sollen. Gruppenangebot AlFreD - Frühintervention bei (erst-)auffälligem Alkoholkonsum Aufgrund der Nachfrage der Frankfurter Jugendgerichtshilfe wurde im Jahr 2015 im Rahmen des HaLT-Projekts ein Gruppenangebot zum Thema Alkohol für Jugendliche und junge Erwachsene ins Leben gerufen. Das Angebot besteht aus einem einstündigen Erstgespräch (Intake-Gespräch), welches im Einzelkontakt in der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz stattfindet, sowie einem sechsstündigen Kurs. Neben Informationen rund um das Thema Alkohol bietet der Kurs den Teilnehmer*innen Raum für Selbstreflexion, Motivationsaufbau, Austausch und Diskussion. Im Jahr 2020 fanden zwei Kurse mit insgesamt 11 Teilnehmer*innen statt. Kampagne zum Jugendschutz "voll nüchtern!" Initiatoren der Kampagne sind das Drogenreferat, Jugend- und Sozialamt, die Jugendkoordination der Polizei, Ordnungsamt, das Netzwerk gegen Gewalt und die Geschäftsstelle des Präventionsrates. Das Drogenreferat aktualisiert kontinuierlich die Webseite zur Kampagne, die u. a. eine Selbstverpflichtungserklärung zur Einhaltung des Jugendschutzes enthält. Angebote der Fachstelle Prävention Die Fachstelle Prävention führt im Bereich Alkoholprävention interaktive Alkohol-Workshops in Schulklassen durch. Im Zeitraum von 2018 bis 2020 wurden dabei mehr als 1600 Schüler*innen erreicht, 2020 waren es 586 Schüler*innen. Auch das Alkoholplanspiel "Tom & Lisa" der Villa Schöpflin wird in Frankfurt am Main angeboten. In einer Train-the-Trainer Schulung hat die Fachstelle Lehrkräfte zur selbstständigen Durchführung des Planspiels befähigt.
- Tabak und Elektronische Zigaretten Laut der MoSyD-Studie 2020 haben in den letzten 30 Tagen 23 Prozent der Jugendlichen Zigaretten geraucht (2019: 25 Prozent). Neun Prozent (2019: 12 Prozent) rauchen mindestens einmal täglich Zigaretten, 5 Prozent (2019: 5 Prozent) rauchen mehr als fünf Zigaretten täglich. Insgesamt ist sowohl der gewohnheitsmäßige als auch der gelegentliche Konsum deutlich zurückgegangen. Im Langzeitvergleich trifft dies auch auf den Konsum von Shishas zu, der 2007 seinen Höhepunkt erreicht hatte. Die seit 2014 gemessene Verbreitung von E-Zigaretten ist seit 2018 weiter zurückgegangen, der gewohnheitsmäßige Konsum ist seit 2018 hingegen angestiegen. Die 30-Tages-Prävalenz bei E-Produkten liegt 2020 bei 24 Prozent (2019: 22 Prozent). Rauchfrei durch die Schule Die Fachstelle Prävention bietet Schulen in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt Unterstützung, Beratung und Hilfestellung im Rahmen des bundesweiten Projekts Rauchfrei durch die Schule an. Die Angebote reichen von der Beratung und Moderation schulischer Arbeitsgruppen und Qualitätszirkeln über die Förderung individueller Aktionen bis hin zu gesamtschulischen Maßnahmen wie einer Schulischen Konsumvereinbarung. Zu letztgenanntem Projekt fanden 2020 Beratungen an zwei Schulen statt. Sieben Workshops zur Tabakprävention mit 147 Schüler*innen wurden 2020 von der Fachstelle Prävention durchgeführt. Sechs weitere Workshops wurden coronabedingt durch Schulen abgesagt. Das Angebot steht allen Frankfurter Schulklassen ab der
- Jahrgangsstufe zur Verfügung. Neben der Durchführung in Präsenz sind die Workshops seit 2020 auch als digitale Veranstaltung buchbar. Je nach Zielgruppe und thematischer Ausrichtung, spielen neben herkömmlichen Zigaretten die Themen E-Zigaretten, Shisha, Tabakerhitzer und Verdampfer eine Rolle.
- Neue Psychoaktive Substanzen (NPS) Bis zum Jahresende 2020 führt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht etwa 830 Neue Psychoaktive Substanzen auf, von denen 46 im Jahr 2020 zum ersten Mal gemeldet wurden. Das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) listet fünf Gruppen psychoaktiver Substanzen auf, die einem Verbot unterliegen: Von 2-Phenylethylamin abgeleitete Verbindungen (einschließlich Cathinone), Cannabinoidmimetika (synthetische Cannabinoide), Benzodiazepine, von N-(2-Aminocyclohexyl)amid abgeleitete Verbindungen und von "Tryptamin abgeleitete Verbindungen". NPS dieser fünf Gruppen sind gegenüber anderen (legalen) NPS in Deutschland am weitesten verbreitet, insbesondere sind dies synthetische Cannabinoide, die eine ähnliche Wirkung wie THC haben und synthetische Cathinone, die eine ähnliche Wirkung wie Amphetamine haben. Allerdings tauchen aktuell immer mehr synthetische Opioide und NPS auf, die als Ersatz für Benzodiazepine vermarktet werden. Der Konsum von NPS bewegt sich unter Frankfurter Schüler*innen laut MoSyD-Studie auf relativ konstantem Niveau. Fünf Prozent der Befragten haben 2020 mindestens einmal im Leben synthetische Cannabinoide probiert (2019: vier Prozent). Zwei Prozent der Befragten haben Räuchermischungen mehr als fünfmal im Leben genommen (2019: zwei Prozent). Andere NPS (wie Cathinone oder Tryptamine) haben drei Prozent der Schüler*innen mindestens einmal probiert. Da es sich bei den aktuell auf dem Markt befindlichen NPS teilweise um hochpotente Stoffe mit erheblichen gesundheitlichen Risiken handelt, beobachtet das Drogenreferat die Entwicklung sehr genau. 2020/21 kam es in Frankfurt und Umgebung zu Meldungen über den Konsum von sogenanntem "Baller-CBD" bzw. "Django", einer Flüssigkeit zum Verdampfen in E-Zigaretten. Bei dem oft als angeblich legale Substanz auf dem Schwarzmarkt vertriebenen Produkt handelt es sich in Wirklichkeit um mit synthetischen Cannabinoiden versetze Liquids. Zur Warnung vor den Risiken hat das Drogenreferat unter anderem zwei Fortbildungsveranstaltungen zu aktuellen Drogentrends umgesetzt. Dies geschah in Kooperation mit dem Präventiven Jugendschutz des Jugend- und Sozialamts der Stadt Frankfurt sowie zwei Trägervereinen. Legal High Inhaltsstoffe Die Internetpräsenz www.legal-high-inhaltsstoffe.de von BASiS - Beratung, Arbeit, Jugend & Kultur e.V. ist seit 2016 durch Zuschüsse vom Bundesministerium für Gesundheit, kommunalisierte Landesmittel und Zuwendungen des Drogenreferats finanziert. In den vergangenen Jahren wurden die Angebote (Information, Beratung, Substanzanalyse) im Rahmen des Projekts verstärkt genutzt. 2020 fanden über das Beratungstool 345 Beratungen statt, zusätzliche 240 per Telefon und 63 per E-Mail. Mehr als 80 Prozent der Anfragen bezogen sich dabei auf synthetische Cannabinoide oder Liquids für Verdampfer. Im Rahmen des Projekts wurden zudem acht Multiplikator*Innen-Fortbildungen durchgeführt.
- Medienkonsum und -sucht Die digitale Medienwelt und ihre Angebote entwickeln sich in großem Tempo weiter. Das Smartphone ist mittlerweile nicht nur zu einem vielseitig genutzten multifunktionellen Gegenstand geworden (Musik, Filme, Foto, Telefon, Fotoalbum, Kommunikation, Suchmaschine etc.), sondern ist auch zum beliebtesten Spielgerät avanciert. Dadurch gibt es geringere Einstiegshürden ins Gaming, zumal viele Spiele für das Smartphone zunächst kostenlos sind. Geld wird vor allem mit Zusatzkäufen von virtuellen Gütern, mit Abo-Gebühren bei Spielplattformen oder mit In-App-Käufen von den Nutzern verlangt. Zunehmend finden sich in digitalen Spielen auch Glücksspielangebote, welche die Computerspieler ganz beiläufig ans Glücksspiel heranführen können. Um Trends erkennen und darauf reagieren zu können, ist das Drogenreferat Mitglied des Fachforums Mediensucht. Das Internet wird laut MoSyD-Studie 2020 an einem Werktag im Schnitt mit 1,5 Stunden für Kommunikation und jeweils 1 Stunde zur Informationssuche und für Sonstiges genutzt. Insgesamt nutzen Jugendliche also etwa dreieinhalb Stunden pro Werktag das Internet für die o. g. Zwecke, digitaler Fernunterricht noch nicht eingerechnet. Dies ist täglich fast eine halbe Stunde mehr als vor der Pandemie. Was soziale Medien und ähnliche Dienste betrifft, wird WhatsApp weiterhin am häufigsten täglich genutzt (92 Prozent). Außerdem spielen Instagram (81 Prozent), Snapchat (62 Prozent) und TikTok (39 Prozent) eine wichtige Rolle für die Jugendlichen. 85 Prozent der Befragten spielen mindestens einmal im Monat Computerspiele. Durchschnittlich werden 7,1 Stunden pro Woche gespielt. Männliche Jugendliche wenden mit 11,3 Stunden dabei deutlich mehr Zeit auf als ihre Mitschülerinnen (3,2 Stunden). 49 Prozent der Befragten haben mindestens einmal echtes Geld beim Computerspielen ausgegeben, am häufigsten für In-Game-Währungen oder für "Skins", die die Spieloptik verändern. Fachberatung für Verhaltenssucht Seit 2008 gehört die aus Mitteln des Drogenreferates der Stadt Frankfurt am Main finanzierte Fachberatung für Verhaltenssucht als fester Bestandteil zur Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe. Die Fachberatung spricht Konsument*innen, Angehörige und Multiplikator*innen gleichermaßen an. Klient*innen wenden sich meist an die Beratungsstelle, weil sie ihr Verhalten in Bezug auf Medien, Sexualität oder Kaufen als problematisch erleben. Hilfesuchende Angehörige sind meistens Eltern, deren Kinder einen exzessiven Medienkonsum aufweisen. Im Jahr 2020 nahmen 53 Klient*innen das Angebot in Anspruch (2019: 96 Klient*innen); es kam zu insgesamt 254 Beratungskontakten. Den größten Anteil der Rat Suchenden bildeten männliche Konsumenten sowie weibliche Angehörige. Thematisch dominiert das Thema Mediennutzung. In den letzten Jahren haben sich die medialen Möglichkeiten stark ausgeweitet, weshalb sich oftmals die Themen der Beratung nicht mehr klar voneinander abgrenzen lassen. Die Vermischung zwischen Gaming, Glücksspiel, Kaufen und Pornografie wird laut Projektmitarbeitenden immer fließender. Digitale Medien im Kindesalter Die Fachstelle Prävention des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe bietet seit 2010 im Rahmen des Projekts Digitale Medien im Kindesalter Fortbildungen für Erzieher*innen und Grundschullehrkräfte sowie Elternabende in Kitas und Grundschulen an. 2020 wurden 14 Erzieher*innen fortgebildet (2019: 47 Personen); in Elternabenden wurden 81 Personen erreicht (2019: 176 Personen).
- Glücksspiel Mindestens einmal wöchentlich beschäftigen sich laut MoSyD-Studie 2020 sechs Prozent der befragten Jugendlichen mit Glücksspielen - gegenüber 5 Prozent im Jahr
- Besonders beliebt sind dabei Sportwetten (5 Prozent), Geldspielautomaten (2 Prozent), Onlinewetten/Internet-Glücksspiele (2 Prozent) sowie Pokern oder andere Kartenspiele um Geld (1 Prozent). Fachdienst Frühintervention beim Glücksspiel Das Drogenreferat hat in Kooperation mit der Evangelischen Suchtberatungsstelle im Jahr 2013 ein neues Angebot zur Frühintervention beim Glücksspiel installiert. Der Fachdienst Frühintervention beim Glücksspiel ist seit November 2013 in Frankfurt aktiv. Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren, die bereits ein riskantes Glücksspielverhalten zeigen. 2020 wurden insgesamt 151 Personen durch den Fachdienst beraten (2019: 109 Personen). Informationsveranstaltungen in Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe und anderen Institutionen fanden 2020 aufgrund der Zugangsbeschränkungen in Schulen und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nur sehr eingeschränkt statt und erreichten etwa 120 Schüler*innen (2019: 400 Personen).
- Sucht im Alter Das Drogenreferat hat gemeinsam mit dem Jugend- und Sozialamt eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Schulungen der Altenhilfe zum Thema Sucht im Alter gegründet. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Mitarbeitenden des Drogenreferats und des Jugend- und Sozialamts sowie aus Fachleuten der Sucht- und Altenhilfe zusammen, namentlich der Stiftung Waldmühle (Innere Mission), der Evangelischen Suchtberatung und des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe. Die Arbeitsgruppe hat Schulungskonzepte für den ambulanten und stationären Bereich der Altenhilfe entwickelt und diese Konzepte mit Unterstützung des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe im Rahmen eines Pilotprojekts im Jahr 2017 in Einrichtungen erprobt. Die Pilotphase wurde anschließend ausgewertet, in einem Bericht dokumentiert und als Grundlage für die Fortführung des Projektes genutzt, das die Vernetzung der unterschiedlichen Hilfesysteme zum Ziel hat. Im Dezember 2018 wurde das Projekt im Ausschuss für Soziales und Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main vorgestellt. Dabei wurde auch die gemeinsam mit dem Jugend- und Sozialamt gestaltete Informationsbroschüre für Senior*innen und deren Angehörige mit Beratungs- und Hilfeangeboten ausgegeben.
- Medikamente und Sonstiges Der Anteil der Jugendlichen, die Medikamente zu Rauschzwecken oder zur Leistungssteigerung eingenommen hat, ist deutlich angestiegen. 11Prozent der Befragten gaben laut MoSyD-Studie 2020 an, schon einmal (nicht vom Arzt verschriebene) psychoaktiv wirkende Medikamente eingenommen zu haben, um sich zu berauschen oder Leistungen zu beeinflussen (2019: 6 Prozent); sieben Prozent auch in den letzten 30 Tagen (2019: 2 Prozent). Am häufigsten wurden dabei Opioide konsumiert, gefolgt von Methylphenidat (Ritalin(r)) und Dextromethorphan/DXM. Dieser sprunghafte Anstieg unter Corona-Bedingungen ist bemerkenswert und wird durch das Drogenreferat weiter beobachtet. Frankfurter Schulgesundheitsfachkräfte wurden 2019 durch einen Vortrag des Drogenreferats über das Thema Energy Drinks informiert. Im Rahmen des Arbeitskreises Jugend und Suchtprävention spielen bisweilen auch die Substanzen Schnüffelstoffe und Lachgas eine Rolle.
- Informationsplattformen BE.U! und Check, wer fährt! Unter der Überschrift "Souverän und selbstbestimmt - Wissen ist die beste Prävention", finden Jugendliche und Eltern auf der Informationsplattform www.be-u.info des Drogenreferats vielfältige Informationen, Selbsttests, Tipps und Hilfestellungen zu psychoaktiven Substanzen und nicht-stofflichem Risikoverhalten. BE.U! will durch sachliche Informationen Risikobewusstsein vermitteln und jungen Menschen dabei helfen, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Das Drogenreferat hat die Webseite neugestaltet, für Suchmaschinen optimiert und 2020 durch eine eigene Seite für Multiplikatoren ergänzt. Seit dem Jahr 2000 informiert die Kampagne "Check, wer fährt!" des Drogenreferats Fahranfänger*innen über die Risiken des Alkohol- und Drogengebrauchs im Straßenverkehr. Ein wichtiger Bestandteil der Kampagne ist neben der alljährlichen Schultour mit Interaktionsmöglichkeiten für Schulklassen die Webseite mit ihren vielfältigen Informationen zur Thematik und eigenen Portalen für Jugendliche und Lehrkräfte.