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Konzeption „Prävention legaler Drogen“

Vorlagentyp: B

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 03.02.2017, B 27

Betreff: Konzeption "Prävention legaler Drogen" Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 28.01.2016, § 6676 - E 99/10 GRÜNE, l. B 413/15 - Die Entwicklung einer Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen", mit der das Drogenreferat mit dem Stadtverordnetenbeschluss vom 25.03.2010, § 7831 (E 99) beauftragt wurde, ist eine kontinuierliche Aufgabe, die das Ziel hat, möglichst sämtliche Zielgruppen mit präventiven Maßnahmen zu erreichen.

  1. Monitoring System Drogentrend (MoSyD)[1] Ein Modul des Monitoring System Drogentrends ist die jährliche repräsentative Befragung von 1.500 15- bis 18-jährigen Frankfurter Schülerinnen und Schülern. Seit Beginn der Befragung in 2002 ist ein Anstieg des Alters beim Erstkonsum von Alkohol, Tabak und Cannabis zu verzeichnen. Im Jahr 2015 hat sich das Durchschnittsalter beim Erstkonsum von Alkohol gegenüber dem Vorjahr nicht geändert (2015: 13,8 Jahre, 2014: 13,8 Jahre, 2002: 12,9 Jahre). Bei Tabak (2015: 13,9 Jahre, 2014: 14,0 Jahre, 2002: 12,8 Jahre) und bei Cannabis (2015: 14,9, 2014: 15,0 Jahre, 2002: 14,5 Jahre) ist es aktuell leicht gesunken. Zugenommen hat die Zahl derjenigen, die zeitweise oder dauerhaft abstinent leben: Aktuell haben 12 Prozent der Befragten noch niemals in ihrem Leben irgendeine legale oder illegale Droge genommen, das sind dreimal so viele wie 2002 (4 Prozent). Im letzten Monat haben 35 Prozent abstinent gelebt, das sind mehr als doppelt so viele wie 2002 (16 Prozent).

  2. Alkohol Nach wie vor ist Alkohol mit Abstand die am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz unter Frankfurter Jugendlichen. Der bereits in den Vorjahren beobachtete Rückgang des Alkoholkonsums bei den befragten Jugendlichen hat sich aber weiter fortgesetzt: Im letzten Monat vor der Befragung haben 57 Prozent (2014: 59 Prozent, 2002: 78 Prozent) der Befragten mindestens einmal Alkohol getrunken, 41 Prozent (2014: 41 Prozent, 2002: 48 Prozent) waren mindestens einmal betrunken und 5 Prozent (2014: 7 Prozent, 2002: 18 Prozent) haben mehr als 10-mal im letzten Monat Alkohol getrunken. Auch riskante Alkoholkonsummuster sind teilweise weiter zurückgegangen: Aktuell konsumieren 8 Prozent (2014: 9 Prozent, 2007: 13 Prozent) regelmäßig riskant und weitere 2 Prozent wie im Vorjahr (2014: 2 Prozent, 2007: 6 Prozent) exzessiv Alkohol. 3 Prozent haben im letzten Monat mehr als 20-mal - also nahezu täglich - Alkohol getrunken. 2010 waren es noch doppelt so viele. Bei denjenigen, die im letzten Monat so viel getrunken haben, dass es ihnen körperlich sehr schlecht ging oder dass sie bewusstlos waren ("Komatrinken"), ist mit 6 Prozent keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr zu beobachten. Um dem riskanten und exzessiven Alkoholkonsum Jugendlicher wirksam zu begegnen, wurden folgende Maßnahmen entwickelt bzw. weiterentwickelt: Hart am Limit (HaLT in Frankfurt) Das Projekt HaLT, das sich mit einem Beratungsangebot der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz des Vereins JJ e.V. an Jugendliche richtet, die mit einer Alkoholintoxikation ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wird in Frankfurt bereits seit Beginn der Bundesmodellprojektphase im Jahr 2004 umgesetzt. Seit 2012 wird eine Wochenendrufbereitschaft umgesetzt, um möglichst viele junge Menschen noch in der Klinik aufzusuchen und die Situation möglichst zeitnah zu besprechen. Hauptangebot von HaLT ist das sogenannte Brückengespräch, ein Beratungsgespräch für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Ergänzend wird ein Gespräch für Eltern angeboten. In den Krankenhäusern wird Jugendlichen und Eltern darüber hinaus Informationsmaterial in Form von Postkarten vom Krankenhauspersonal ausgehändigt, um so auch Jugendliche, die das Krankenhaus frühzeitig verlassen, zu erreichen. 6 Krankenhäuser beteiligen sich an der Umsetzung des Projekts. Es handelt sich um das Hospital zum Heiligen Geist, die Uni-Klinik, das Bürgerhospital, das Klinikum Höchst, das Elisabethenkrankenhaus und das Krankenhaus Sachsenhausen. Alkoholintoxikationen bei Jugendlichen und jungen Erwachsene bis einschließlich 21 Jahren, Fallzahlen 2010 bis 2015 nach Krankenhäusern Krankenhaus 2015 2014 2013 2012 2011 2010 Hospital zum Heiligen Geist 52 60 91 73 61 48 Uni-Klinik 80 77 68 104 76 76 Bürgerhospital 46 50 48 51 59 78 Krankenhaus Sachsenhausen 48 46 44 48 41 33 Klinikum Frankfurt Höchst 27 33 42 44 48 37 Elisabethenkrankenhaus 8 15 10 14 12 23 Nordwestkrankenhaus 24 21 16 14 11 6 St. Marienkrankenhaus 16 13 13 7 13 13 St. Markuskrankenhaus 7 7 10 7 11 5 St. Katharinen Krankenhaus 22 26 13 5 2 5 Clementine Kinderkrankenhaus 5 5 4 - 1 1 Gesamt 335 353 359 368 336 326 (Quelle: Rettungsdienststatistik 2015, Branddirektion / Krankenhauszuweisungsdaten 2015, Gesundheitsamt, Stadt Frankfurt) Insgesamt wurden in Frankfurt im Jahr 2015 335 Jugendliche und junge Erwachsene bis einschließlich 21 Jahren mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, das sind 18 weniger als im Vorjahr. Dabei handelt es sich um 122 Minderjährige und 213 junge Volljährige. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Minderjährigen um 4 und die der Volljährigen um 14 zurückgegangen. Alkoholintoxikationen nach Alter für die Jahre 2013 / 2014 / 2015 (Quelle: Rettungsdienststatistik 2015, Branddirektion Stadt Frankfurt am Main) Im Jahr 2015 haben 70 Beratungsgespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen stattgefunden, aus denen 67 Brückengespräche resultierten. Von den 122 von einer Alkohol-intoxikation betroffenen minderjährigen Jugendlichen haben 62 das Beratungsangebot wahrgenommen. D.h. jede, bzw. jeder zweite minderjährige Jugendliche mit einer Alkoholintoxikation wird durch HaLT erreicht. Weitere 5 Personen waren volljährig. Das Durchschnittsalter der eingelieferten Jugendlichen liegt bei 15,9 Jahren. Für 61 Jugendliche war es die erste Klinikeinlieferung infolge einer Alkoholintoxikation. Der durchschnittliche Promillewert der Beratenen lag bei 1,6. Die meisten hatten Spirituosen konsumiert. Mit den Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, wurde im Brückengespräch gemeinsam erarbeitet, wie sie eine erneute Risikosituation vermeiden und ihre Trinkmenge besser im Blick behalten können. Gruppenangebot Im November 2015 startete die Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz im Rahmen des HaLT-Projekts ein Gruppenangebot zum Thema Alkohol für Jugendliche und junge Erwachsene. Die 5 Teilnehmenden wurden über die Jugendgerichtshilfe vermittelt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 18,6 Jahre. Sonstige Aktivitäten Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Die Macht des Sports" führte die Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz im August 2015 ein Workshop zum Thema Alkohol gemeinsam mit der Bildungsarena Eintracht Frankfurt und dem Eintracht Frankfurt Museum durch. An diesem Workshop nahmen 16 Jugendliche und zwei Trainer einer B-Jugend Fußballmannschaft teil. Alice - Hart am Limit Das Projekt Alice - Hart am Limit wird in Frankfurt seit 2013 umgesetzt und arbeitet mit einem peer-to-peer-Ansatz. Hierbei sprechen Gleichaltrige Jugendliche mit einer Trinkabsicht im öffentlichen Raum an, um sie zu einem risikoarmen Alkoholkonsum zu motivieren. Im Jahr 2015 führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Alice-Projekts im Rahmen der Abiturfeier im Grüneburgpark ca. 80 Beratungsgespräche durch, auf dem Museumsuferfest ca. 120 und bei weiteren 5 Einsätzen im Grüneburgpark und am Mainufer ca. 70 Beratungsgespräche. Die Peers sind bezüglich des Verhaltens in Notfallsituation und Konfliktfällen und in Gesprächsführung geschult. Mit ihrer Unterstützung wird das Projekt laufend inhaltlich weiterentwickelt. Die starke Einbeziehung der Peers ist vor allem deswegen sinnvoll, da sie die Haltungen und Reaktionen der Gleichaltrigen gut einschätzen können. Kampagne "voll nüchtern!" Als verhältnispräventive Maßnahme führt das Drogenreferat gemeinsam mit der Geschäftsstelle des Präventionsrats der Stadt Frankfurt, dem Ordnungsamt, der Polizei und dem Netzwerk gegen Gewalt seit 2011 die Kampagne "voll nüchtern!" durch. Regelmäßig werden Gewerbetreibende im Rahmen der Kampagne auf ihre wichtige Rolle beim Jugendschutz hingewiesen, um Jugendlichen den Zugang zu Alkohol zu erschweren. Auch werden ihnen Alterskontrollscheiben und Aufkleber zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2015 hat das Drogenreferat 145 Frankfurter Kioske angeschrieben und ihnen das entsprechende Material zugesandt. Fachstelle Prävention Die Fachstelle Prävention führt im Bereich Alkoholprävention das Alkoholplanspiel "Tom & Lisa", den "KlarSicht - Rauschbrillenparcours" und interaktive Alkohol-Workshops zu Konsumverhalten, Wirkung und Folgen von Alkohol durch. Die Fachstelle Prävention hat im Jahr 2015 39 Schülerinnen und Schüler mit dem Planspiel "Tom & Lisa" erreicht. 171 Schülerinnen und Schüler haben an dem "KlarSicht-Parcours" teilgenommen.

  3. Tabak und E-Zigaretten Der Tabakkonsum unter Frankfurter Jugendlichen stagniert auf niedrigem Niveau: Laut der MoSyD-Studie 2015 haben in den letzten 30 Tagen - wie im Vorjahr - 41 Prozent Tabakprodukte geraucht (inklusive Shisha) (2002: 47 Prozent). 17 Prozent (2014: 16 Prozent, 2002: 36 Prozent) sind tägliche Raucherinnen und Raucher (Zigaretten, Pfeife, Zigarre), das heißt sie rauchen mindestens einmal täglich. Trotz dieses leichten Anstiegs um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Raucherinnen und Raucher unter Frankfurter Jugendlichen in einem Zeitraum von 11 Jahren um 60% reduziert. Aktuell rauchen 11 Prozent (2014: 9 Prozent, 2002: 25 Prozent) mehr als 5 Zigaretten täglich und 2 Prozent (2014: 0,8 Prozent, 2002: 3 Prozent) sind starke Raucherinnen und Raucher mit mehr als 20 Zigaretten täglich. 52% der 15- bis 18-Jährigen haben mindestens einmal in ihrem Leben E-Zigaretten oder E-Shisha konsumiert. Die 30-Tages-Prävalenz bei E-Produkten liegt bei 16%. "Be smart - Don't start" 10 Frankfurter Schulen haben im Jahr 2015 an dem bundesweiten Tabakpräventionsprojekt "Be Smart - Don't Start" teilgenommen: Anne-Frank-Schule, Bettinaschule, Carlo-Mierendorff-Schule, Friedrich-Ebert-Schule, Heinrich-Kraft-Schule, IGS Eschersheim, Johann-H.-Wichern-Schule, Robert-Koch-Schule, Schwanthalerschule und Wöhlerschule. Dieser Wettbewerb soll Schülerinnen und Schüler der

  4. bis

  5. Klassenstufe dazu motivieren, nicht mit dem Rauchen anzufangen. Die Fachstelle Prävention begleitet diesen Wettbewerb mit Workshops und Unterrichtseinheiten und bietet zum Thema (E-)Shisha-Rauchen Workshops und Elternabende an Schulen an. Im Jahr 2015 haben begleitende Workshops zu dem Wettbewerb an der Wöhlerschule und der IGS Eschersheim stattgefunden. Darüber hinaus wurde ein Workshop zum Thema Rauchen an der Ernst-Reuter-Schule II durchgeführt. 83 Personen wurden insgesamt mit den Angeboten zur Nikotinprävention von der Fachstelle Prävention im Jahr 2015 erreicht. BE.U!-Webseite Auf der Informationsplattform BE.U! finden Jugendliche und Eltern vielfältige Informationen zu den Themen Rauchen, Shisha und E-Shisha. Zurzeit wird die Webseite vom Drogenreferat überarbeitet. Informationsflyer Im Jahr 2015 veröffentlichte das Drogenreferat einen neuen Informationsflyer zum Thema Shisha für Eltern und Multiplikatoren. Darin enthalten sind auch aktuelle Informationen zu E-Shishas. Gesetzesänderungen Im April 2016 trat das geänderte Jugendschutzgesetz in Kraft, damit gilt nun ein Abgabe- und Konsumverbot von E-Zigaretten und E-Shishas für Minderjährige. Am

  6. Mai 2016 trat zudem eine Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes in Kraft, die zu einer Verwendung von Text-Bild-Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln führt. Zudem wird unter anderem die Verwendung von Zusatzstoffen, die die Attraktivität, die Sucht erzeugende oder toxische Wirkung erhöhen, in Tabakerzeugnissen und elektronischen Zigaretten verboten. Damit werden Vorgaben der europäischen Tabakprodukt-Richtlinie umgesetzt, die insbesondere Jugendliche vom Einstieg in den Konsum von Tabakerzeugnissen und elektronischen Zigaretten abhalten soll.

  7. "Legal Highs" - Neue psychoaktive Substanzen (NPS) Seit 2005 sind ca. 550 Neue Psychoaktive Substanzen (NPS) in Europa aufgetaucht. Allein in 2015 wurden 98 NPS erstmals nachgewiesen, darunter 24 neue synthetische Cannabinoide. Synthetische Cannabinoide binden sich im Gehirn an dieselben Rezeptoren wie THC, der Hauptwirkstoff in natürlichem Cannabis. Aus gesundheitlicher Sicht haben sie aber eine deutlich stärkere toxische Wirkung. Synthetische Cannabinoide machen mehr als 60 Prozent der polizeilichen Sicherstellungen aus. Im Zusammenhang mit dem Konsum von NPS kommt es immer häufiger auch zu Vergiftungen und Todesfällen. In 2015 gab es bundesweit 39 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Konsum von NPS. Hierbei spielten vor allem synthetische Opioide und Stimulanzien eine Rolle, aber auch einzelne synthetische Cannabinoide wurden damit in Verbindung gebracht. Offenbar ist eine weitere neue Entwicklung in diesem Bereich, dass die Hersteller in zunehmendem Maße auch chronische und problematische Drogenkonsumierende als Zielgruppe haben. Denn es tauchen immer mehr synthetische Opioide (Fentanyle) und NPS auf, die als Ersatz für Benzodiazepine vermarktet werden. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) zieht in ihrem aktuellen Bericht folgendes Fazit: "Eine wirksame und zeitnahe Reaktion auf den Verkauf schwer bestimmbarer Substanzen, von denen sich einige anschließend als hochgiftig erweisen, ist eine der wichtigsten politischen Herausforderungen, die sich in diesem Zusammenhang stellen. Junge Konsumenten fungieren womöglich unwissentlich als menschliche Versuchskaninchen für Substanzen, deren potentielle Gesundheitsrisiken weitgehend unbekannt sind." [2] Der Konsum von NPS ist unter Frankfurter Schülerinnen und Schülern laut der MoSyD-Studie 2015 unverändert: 6 Prozent der Befragten haben mindestens einmal im Leben Räuchermischungen probiert. Gegenüber dem Jahr 2010 (9 Prozent) zeigt sich aber weiterhin ein signifikanter Rückgang. Beim NPS-Konsum der Frankfurter Schülerinnen und Schüler handelt es sich fast ausnahmslos um Probierkonsum synthetischer Cannabinoide aus Neugierde. Ein Prozent der Befragten haben Räuchermischungen mehr als 5-mal im Leben genommen. [3] Webseite "legal-high-inhaltsstoffe.de" Das Online-Beratungsangebot www.legal-high-inhaltsstoffe.de von Basis e.V. konnte nach Abschluss des EU-Projektes "Spice II" im März 2015 nur noch mit geringer finanzieller Unterstützung durch das Drogenreferat fortgeführt werden. In 2015 besuchten trotzdem fast 50.000 Personen die Seite, 118 Mal wurden die Online-Beratung und 144 Mal die E-Mail- oder Telefonberatung in Anspruch genommen. In 2016 ist es gelungen, für die Webseite finanzielle Unterstützung auch vom Bundesministerium für Gesundheit zu erhalten und damit die qualifizierte Arbeit an dem bundesweit einmaligen Projekt wieder aufzunehmen und dessen Fortbestand zumindest für das laufende Jahr zu gewährleisten.

  8. Medienkonsum und -sucht Die digitale Medienwelt entwickelt sich in großem Tempo weiter und parallel zu den technologischen Entwicklungen verändern sich auch die Computerspiele. Aktuell geht der Trend weiter zu mobilen Computerspielen. Auch sollen Virtual Reality (VR-)Brillen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen, mit denen man sich durch dreidimensionale virtuelle Welten bewegen kann. Auch das passive Spielen, also das Zuschauen bei Computerspielturnieren, verbreitet sich immer mehr. Dazu gibt es spezielle Plattformen wie Hitbox, Twitch oder Ustream. Mittlerweile gibt es ernsthafte Forderungen, E-Sport in die olympischen Disziplinen aufzunehmen. Nach einer repräsentativen Befragung von Bitkom (Bitkom: Gaming Trends in Deutschland, Berlin 2016) ist Gaming längst zu einer Freizeitbeschäftigung für alle Altersklassen geworden: mehr als 40 Prozent der Deutschen quer durch alle Altersklassen spielen demnach regelmäßig digitale Spiele; sie sind mittlerweile für viele Menschen zum alltäglich genutzten Unterhaltungsmedium geworden. Dabei ist das Smartphone inzwischen das meistgenutzte Gerät zum Spielen. Ein ganz aktueller Hype ist das Spiel Pokemon Go. Zwei Wochen nach dem Start in Deutschland hatte es schon jede, bzw. jeder fünfte Deutsche ausprobiert. Der Anbieter verspricht eine Reise zwischen der realen und der virtuellen Welt, also eine "Augmented Reality". Mit einer kostenlosen App auf dem Smartphone und GPS können die Spielerinnen und Spieler in der realen Welt auf die Jagd nach virtuellen Monstern gehen. Unverändert haben zwei Drittel der in MoSyD befragten Jugendlichen 2015 mindestens einmal im Monat Computerspiele gespielt. Dabei gibt es weiterhin große Geschlechtsunterschiede. Die männlichen Jugendlichen zeigen wie in den vorherigen Jahren deutlich mehr Lust am Spiel: 86 Prozent von ihnen geben an, regelmäßig Computerspiele zu spielen, wohingegen es bei den weiblichen Jugendlichen nur 44 Prozent sind. Insgesamt verbringen männliche Jugendliche mehr als dreimal so viel Zeit mit Computerspielen (10,1 Stunden pro Woche) als weibliche Jugendliche (2,8 Stunden pro Woche). Ego Shooter und Open World Spiele (z.B. Minecraft) sind in der aktuellen MoSyD-Befragung mit Abstand die beliebtesten Computerspiele bei jungen Männern. Bei jungen Frauen sind es Jump'n'Run-und Geschicklichkeitsspiele. Das Internet-Fernsehen hat bei den Jugendlichen mittlerweile dem klassischen Fernsehen den Rang abgelaufen. Die erstmals erfragte Nutzung des Internet-Fernsehens liegt mit 7,5 Stunden pro Woche deutlich über der Zeit, die Jugendliche heute noch mit klassischem Fernsehen verbringen (2015: 5,8 Stunden pro Woche; 2014: 7,2 Stunden pro Woche). Zum ersten Mal wurde in der MoSyD-Studie 2015 auch nach der Nutzungsintensität aller Social Media gefragt. Mit großem Abstand auf Platz eins steht aktuell WhatsApp, auf den weiteren Plätzen folgen Snapchat, Instagram, YouTube und Facebook. Insgesamt nutzen nur noch 35 Prozent der Befragten täglich oder mehrmals täglich Facebook (2014: 62 Prozent), bei den 15-Jährigen sind es nur noch 14 Prozent. Hier wird der Bedeutungsverlust von Facebook vor allem bei den Jüngeren deutlich, die mittlerweile Snapchat und Instagram bevorzugen. Fachstelle Prävention Die Fachstelle Prävention des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe bietet seit 2010 im Rahmen des Projektes "Neue Medien im Kindesalter" Fortbildungen für Grundschullehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher sowie Elternabende in Kitas und Grundschulen an. In 2015 besuchten 26 Erzieherinnen und Erzieher und 37 Lehrkräfte die 2-tägige Fortbildung. Außerdem hat die Fachstelle Prävention 5 Elternabende in Kitas und 6 jahrgangsübergreifende Elternabende an Grundschulen mit insgesamt 263 Eltern durchgeführt. In Workshops und Fachgesprächen wurden weitere 41 Grundschullehrkräfte und 18 Tageseltern fortgebildet. Fachberatung für Verhaltenssucht Die Fachberatung für Verhaltenssucht der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz des Vereins JJ e.V. hat in 2015 194 (2014: 120) Personen mit Verhaltenssüchten beraten. Von den Ratsuchenden waren 59 Prozent männlich und 41 Prozent weiblich. 78 Prozent der 304 Beratungskontakte entfielen auf Computerspiel- und Internetsucht. Dabei zeigten die Frauen vor allem eine problematische Nutzung von Social Media, die Männer von digitalen Spielen. Eine weitere große Gruppe an Hilfesuchenden kam wegen impulsivem Kaufverhaltens zur Fachberatung für Verhaltenssucht.

  9. Glücksspiel In Frankfurt spielen laut der aktuellen MoSyD-Studie 10 Prozent (Höhepunkt 2010 mit 13 Prozent) der befragten Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren mindestens einmal pro Woche Glücksspiele um Geld, hier ist ein Anstieg um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Am häufigsten werden Sportwetten gespielt (6 Prozent). Das Spielen an Geldspielautomaten stagniert mit 4 Prozent seit 2 Jahren auf niedrigem Niveau, 2010 war es mit 7 Prozent noch die beliebteste Glücksspielart unter Jugendlichen. Fachdienst Frühintervention beim Glücksspiel Das Drogenreferat hat in Kooperation mit der Evangelischen Suchtberatungsstelle im Jahr 2013 ein neues Angebot zur Frühintervention beim Glücksspiel entwickelt. Der Fachdienst Frühintervention beim Glücksspiel ist seit November 2013 in Frankfurt aktiv. Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren, die bereits ein riskantes Glücksspielverhalten zeigen. Das Beratungsangebot des Fachdienstes Frühintervention Glücksspiel haben im Jahr 2015 59 Jugendliche und junge Erwachsene genutzt. Es wurden zudem Informations- und Projekteinheiten für Jugendliche und junge Erwachsene an Schulen und in Einrichtungen der Jugendhilfe durchgeführt. Im Jahr 2015 waren es 28 Präventionsangebote, die zum größten Teil in Berufsschulen und in Einrichtungen der Jugendberufshilfe stattfanden. Ein Gruppenangebot zum Selbstkontrolltraining wurde 2015 vom Fachdienst implementiert. Auch führt der Fachdienst Schulungen für Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendarbeit durch, um zur Früherkennung problematischen Spielverhaltens beizutragen. 2015 wurden 120 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum Thema Früherkennung geschult. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Vernetzung und Kooperation des Fachdienstes Frühintervention mit der Fachstelle Prävention, mit Sucht- und Drogenberatungsstellen, der Jugendhilfe, verschiedenen Arbeitskreisen und Schulen. Der Fachdienst besuchte außerdem wie im Vorjahr 32 Spielhallen und Wettbüros in Frankfurt am Main, um die Mitarbeitenden für glücksspielbezogene Probleme bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu sensibilisieren und über das Beratungsangebot zu informieren. Ergänzend zur frühen Einzelfallhilfe bietet die Fachstelle Prävention Workshops zur Glücksspielprävention für Schulen oder Jugendgruppen an.

  10. Sucht im Alter Die Ergebnisse des World Cafés "Sucht im Alter - gemeinsame Wege zu wirksamen Hilfen finden", das am

  11. März 2014 gemeinsam von Drogenreferat und Jugend- und Sozialamt durchgeführt wurde, wurden 2015 in einer Tagungsdokumentation veröffentlicht. Inzwischen bilden Jugend- und Sozialamt und Drogenreferat eine gemeinsame Lenkungsgruppe und beraten sich regelmäßig mit einem Beirat, dem Träger der Alten- und Drogenhilfe angehören. Ziel ist es, die unterschiedlichen Hilfesysteme besser zu vernetzen. Mittels einer Fragebogenerhebung wurde in 2015 eine umfassende Bestandsaufnahme der Angebote für ältere Menschen mit Suchtproblemen durchgeführt. Die Auswertung der Ergebnisse dieser Befragung fließt in eine Informationsbroschüre für Seniorinnen und Senioren deren Angehörige ein, die zurzeit fertig gestellt wird.

Beratungsverlauf 2 Sitzungen

Sitzung 38
Jugendhilfeausschusses
TO I, TOP 10
Angenommen
Die Vorlage B 27 dient zur Kenntnis.
Sitzung 9
Ausschusses für Soziales und Gesundheit
TO I, TOP 20
Angenommen
nicht auf TO Die Vorlage B 27 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)
Zustimmung:
CDU SPD Grüne AFD Linke FDP BFF
Ablehnung:
FRAKTION Frankfurter