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Konzeption „Prävention legaler Drogen“

Vorlagentyp: B

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 10.01.2011, B 20

Betreff: Konzeption "Prävention legaler Drogen" Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 25.03.2010, § 7831 - E 99 GRÜNE - Bei der Entwicklung des beauftragten Konzeptes orientiert sich der Magistrat an den nachfolgenden Überlegungen: Der Umgang mit Suchtstoffen hat in den letzten Jahren deutlich an Komplexität zugenommen. Die derzeitigen Fachdiskussionen im Bereich der Suchtforschung und -hilfe gehen überwiegend davon aus, dass die alleinige Betrachtung von einzelnen Substanzen, die Sucht erzeugen können, keine ausreichende Antwort zur Behandlung des Suchtproblems liefert. Vielmehr muss eine umfassende Sichtweise, die mehrere Suchtformen einschließt, gewählt werden, welche die komplexen gesellschaftlichen und persönlichen Mechanismen mit einbezieht. Im Fokus stehen die Ursachen, die zu riskantem Verhalten, Missbrauch oder Sucht führen. Beispielsweise ist mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene immer weniger zu unterscheiden, ob ihr Risiko Alkohol, Cannabis, Onlinerollenspiele oder eine Mischung aus Verschiedenem ist. Darüber hinaus zeigen die Beobachtung und Analyse von Konsumverhalten, wie schnell sich festgestellte Trends wieder verändern können, und Hilfemaßnahmen entsprechend angepasst werden müssen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass im Bereich der von illegalen Drogen Abhängigen eine Eingrenzung auf eine Substanz kaum mehr vorkommt. Drogengebraucher/innen konsumieren meist unterschiedliche psychotrope Substanzen. So zeigt die KISS-Studie der Integrativen Drogenhilfe e.V. [1] , dass jede/r Einzelne zwar eine bevorzugte Droge hat, gleichwohl im Durchschnitt 4,2 verschiedene Substanzen konsumiert. Im Vordergrund steht die erwünschte Wirkung und nicht die Frage, ob eine Substanz legal oder nicht legal ist oder die Wirkung stoffgebunden oder nicht stoffgebunden erreicht wird. Entsprechend zielen präventive Maßnahmen darauf ab, ihre jeweiligen Zielgruppen zu stärken, verantwortungsbewusst und risikokompetent mit dem heute üblichen Überangebot an Konsummöglichkeiten, seien sie stoff- oder nicht stoffgebunden, umgehen zu können. Präventionsansätze

  1. Es wird generell unterschieden, ob sich die Maßnahmen an die Allgemeinbevölkerung (Universelle Suchtprävention), an bestimmte Risikogruppen (Selektive Suchtprävention) oder an einzelne Personen mit riskantem Verhalten (Indizierte Suchtprävention) richten.

  2. Da inzwischen zahlreiche Programme der Suchtprävention evaluiert sind, ist bekannt, dass Prävention dann am wirkungsvollsten ist, wenn sich die Maßnahmen an den unterschiedlichen Lebenswelten ausrichten (Schule, Ausbildung, Beruf, Familie, Freizeit, etc.). Bei sozial benachteiligten Menschen bilden "lebensweltbezogene" Ansätze mitunter die einzige Chance, sie zu erreichen.

  3. Erfahrungsgemäß wirken Präventionsansätze umso intensiver, je besser die verschiedenen Angebote in ein Gesamtkonzept eingebunden sind, die unterschiedlichen Anbieter nach Möglichkeit verbindlich zusammenarbeiten, ihre Angebote absprechen und Interventionen koordinieren. Bei dieser verstärkten Integration der Aktivitäten in der Suchtprävention, erweitert um die Arbeit von Beratungsstellen, geht es nicht darum, künftig auf spezifische Informationen zu substanzbezogenen oder nicht substanzbezogenen Risiken zu verzichten oder spezifische Hilfen nicht mehr anzubieten. Es geht vielmehr um die Frage, wo separate "Programme" für illegale Drogen, Alkohol, etc., nicht mehr zweckmäßig sind und neue, mehrere Suchtformen umfassende Vorgehensweisen entwickelt und umgesetzt werden müssen. Dabei sind auch bisher nicht oder zuwenig beachtete Suchtformen wie etwa Mehrfachabhängigkeiten zu berücksichtigen. Diese so genannte integrierte Vorgehensweise ist national wie international seit mehreren Jahren zu beobachten. Das Drogenreferat der Stadt Frankfurt konnte diesen Ansatz in der Suchtprävention im Bereich der illegalen Drogen sukzessive umsetzen. Diese Vorgehensweise soll in den Bereich der legalen Substanzen ausgeweitet werden. Dabei werden Projekte, Programme und Kampagnen auf der Grundlage aktueller Drogentrends und der Bedarfe realisiert. Die Aufgabe ist bei den Beratungsangeboten zu mehr Kooperation und Koordination zu gelangen. In diesem Bericht werden im Folgenden der Stand der aktuellen Entwicklungen und bereits erfolgte und geplante Maßnahmen beschrieben, die die oben skizzierten Erkenntnisse berücksichtigen.

  4. Welche kritischen Entwicklungen im Bereich legale Suchtstoffe und Drogen sind festzustellen? Jugendliche Mit dem Monitoring System Drogentrend[2] verfügt das Drogenreferat über eine wissenschaftliche Planungsgrundlage für Suchtprävention. Auch wenn es aktuell viele positive Entwicklungen gibt - das Einstiegsalter in den ersten Konsum von Zigaretten, Alkohol und Cannabis ist gestiegen, die Raucherquote ist um ein Drittel gesunken, der Konsum illegaler Drogen ist rückläufig und ein Viertel der Jugendlichen konsumiert aktuell überhaupt keine legalen oder illegalen Drogen - muss davon ausgegangen werden, dass ca. 30% der jungen Menschen riskante Konsummuster haben und es einen Handlungsbedarf gibt. Die jährlich durchgeführte Drogentrendstudie belegt für 2009 im Substanzenkonsum und Freizeitverhalten der 15- bis 18-jährigen Frankfurter/innen folgendes: § Alkohol ist bei jungen Menschen die Droge Nummer 1 - Das Jugendschutzgesetz erlaubt den Konsum von Bier ab 16 Jahren, den von Spirituosen erst ab 18 Jahren. Viele 15-Jährige trinken bereits regelmäßig und zum Teil auch intensiv Alkohol. 41% von ihnen waren im letzten Monat mindestens einmal betrunken und 12% haben im gleichen Zeitraum mehr als 10mal Alkohol getrunken. - Die Konsummuster eines nicht unerheblichen Teils der 15-bis 18-jährigen Frankfurter Schülerinnen und Schüler sind problematisch, sie trinken zu große Mengen Alkohol: Im Durchschnitt haben sie beim letzten Konsumvorgang 6 Standardgläser getrunken, das entspricht ca. 50g Reinalkohol. Insgesamt 28% trinken episodisch oder regelmäßig riskant oder hochriskant Alkohol. § Riskanter Bildschirmmedienkonsum bei Jugendlichen Im Durchschnitt sitzen die Frankfurter Jugendlichen in ihrer Freizeit 26 Stunden in der Woche vor Bildschirmen. Dazu zählen das Fernsehen, Internet, Computerspiele. Ein Fünftel von ihnen verbringt sogar mit mehr als 40 Stunden pro Woche fast die gesamte Freizeit vor Bildschirmen. Derzeit fehlen noch feste Definitionen für die Diagnose einer Abhängigkeit in diesem Bereich. Festzustellen ist jedoch, dass bei einer Mediennutzung von mehr als 8 Stunden täglich, ein Risiko besteht, von anderen Lebenswelten abgekoppelt zu werden. § Mischkonsum legaler und illegaler Substanzen bei jungen Menschen Ein Viertel der Jugendlichen, die riskant Alkohol trinken, haben auch Erfahrungen mit harten Drogen. Mehr als die Hälfte der aktuellen Cannabiskonsumenten war im Vormonat mindestens 3 mal betrunken. Zusätzlich haben erste Untersuchungen ergeben, dass es bei Teilen der jugendlichen Bevölkerung einen Zusammenhang zwischen Verhaltenssucht und Drogenkonsum geben könnte. Einige Jugendliche, die exzessiv Computerspiele spielen, gaben an, dass Sie auch Cannabis konsumieren, während ein Teil der exzessive Internetnutzer nach ihren Angaben besonders viel Alkohol trinken. Dies ist sicherlich weiter zu beobachten, um verlässliche Aussagen in diesem Bereich treffen zu können. Erwachsene · Konsum legaler Substanzen bei Erwachsenen Die Daten der Repräsentativerhebung 2007 zum Gebrauch psychotroper Substanzen und zum Glücksspielverhalten in Hessen[3] zeigen, dass knapp 9 % der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger zwischen 17 und 69 Jahren Alkohol in einem riskanten bis hochriskanten Ausmaß trinken. Rechnet man diese Prozentangaben in absolute Zahlen um, so bedeutet das, dass mehr als 37.000 Menschen in Frankfurt Probleme mit ihrem Alkoholkonsum haben. 6 % haben in den letzten 30 Tagen vor der Befragung Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingenommen. An Glücksspielen haben sich in den vergangenen 12 Monaten 28 % beteiligt, 2% haben ein problematisches Spielverhalten. · Drogenkonsum und Alkohol bei Erwachsenen Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle hat in ihrem Jahresbericht 2009 unter der Überschrift "Polyvalenter Drogenkonsum in Kombination mit Alkoholkonsum - die drängenden Elemente der Drogenproblematik in Europa" festgestellt: "Drogenkonsumenten begrenzen ihren Konsum nur selten auf eine Substanz. In Europa sind heute polyvalente Konsummuster die Regel. Demzufolge muss eine umfassende und stärker integrierte Perspektive eingenommen werden, die mehrere Substanzen berücksichtigt." Diese Beobachtungen werden von aktuellen Frankfurter Daten zu polyvalenten Konsummustern in verschiedenen Szenen unterstützt. So vermischen sich z.B. der illegale Drogenkonsum und der Alkoholkonsum in den verschiedenen Frankfurter Partyszenen zunehmend[4]. · Auch der exzessive Bildschirmmedienkonsum ist bei Erwachsenen verbreitet Aktuelle epidemiologische Studien gehen davon aus, dass bis zu 6% der Allgemeinbevölkerung einen unkontrollierten Umgang mit digitalen Medien aufweisen. Das deutsche Suchthilfesystem verzeichnet in den letzten Jahren eine Zunahme an Ratsuchenden, die wegen unkontrollierter Internetnutzung oder Computerspielverhaltens professionelle Hilfe suchen. · Immer wieder werden neue Substanzen, so genannte "Research Chemicals"., als legale Alternative zu illegalen Substanzen angeboten "Research Chemicals" sind Substanzen, ursprünglich aus der Pharmaforschung, die in illegalen Labors hergestellt werden. Sie werden z.B. als Räuchermischung, Badesalz oder Düngemittel getarnt auf dem legalen Markt vertrieben, bis das Betäubungsmittelgesetz sie verbietet. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle vermutet, dass die Räuchermischung "Spice" einen Vorgeschmack auf künftige Entwicklungen gegeben hat. Neu an diesem Phänomen ist die vorsätzlich falsche Deklaration der Inhaltsstoffe, die breite Palette von Substanzen, die über das Internet vertrieben werden, die offensive Vermarktung und die Geschwindigkeit, mit der auf Kontrollmaßnahmen reagiert wird. I. Suchtpräventive Projektarbeit Wie einleitend erwähnt, bildet das Monitoring System Drogentrend seit 2002 die Grundlage für die Planung, Steuerung und Finanzierung der Suchtprävention des Drogenreferats. Diese bezog sich in den 90er Jahren schwerpunktmäßig auf illegale Drogen, aber punktuell auch immer schon auf legale Substanzen wie Tabak und Alkohol. Darüber hinaus wurden vor allem im schulischen Bereich substanzunspezifische Projekte, so genannte Lebenskompetenzförderprogramme implementiert. Entsprechend der veränderten Problemlagen und vor dem Hintergrund akuter Handlungsbedarfe wurde das Drogenreferat in den vergangenen Jahren nach und nach beauftragt, neue Angebote im Themenbereich Tabak (Shishaflyer), Alkohol (Halt), Anabolika (Anabolikaflyer) und Verhaltenssüchte (Medienkonzept, Herolymp) zu entwickeln. Aktuell werden Präventionsmaßnahmen, die ursprünglich für illegale Drogen entwickelt wurden, um die Themen Alkohol und Verhaltenssüchte erweitert. Es wird geprüft, welche weiteren spezifischen Projekte notwendig sind, um der Bedeutung von Alkohol Rechnung zu tragen. Präventionsmaßnahmen, erweitert um das Thema Alkohol · Kampagne Check wer fährt! Die Kampagne Check wer fährt! des Drogenreferats wurde bereits 2006 um das Thema Alkohol erweitert. Bis dahin lag der Schwerpunkt der Kampagne auf den illegalen Drogen. · Suchtvereinbarung an Schulen Für das Projekt "Suchtvereinbarung an Schulen" hat die Fachstelle Prävention 2009 die vorhandenen Maßnahmen um das neue Modul "Umgang mit Alkohol auf Klassenfahrten" erweitert. · Runder Tisch "Jugendschutz Alkohol" Eine spezifische Maßnahme zum Thema Alkohol ist der "Runde Tisch Alkohol". In Kooperation mit dem Jugend- und Sozialamt hat das Drogenreferat diesen im Frühjahr 2010 ins Leben gerufen. Neben den beiden Ämtern sind das Ordnungsamt, die Polizei und das Netzwerk gegen Gewalt beteiligt. Ziel des Runden Tisches ist die konsequente Umsetzung des Jugendschutzgesetzes und die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins von Personen, die Alkohol an Kinder und Jugendliche in Frankfurt verkaufen oder weitergeben. Prävention Medienkonsum und -sucht Das Drogenreferat hat in Zusammenarbeit mit dem Jugend- und Sozialamt im vergangenen Jahr einen Rahmenplan für eine "Stadtweite Präventionsinitiative Medienkonsum und -sucht" erarbeitet. Dieser soll in den kommenden Jahren ämterübergreifend und koordiniert umgesetzt werden. Bereits jetzt realisierte Maßnahmen: · Die Kampagne BE.U! , ursprünglich Cannabiskampagne, wurde 2010 um Informationen zum Thema Medienkonsum erweitert. · Die Fachstelle Prävention hat 2009 das Angebot "Medienkonsum im Kindesalter" für Kindertagesstätten und Grundschulen entwickelt, das einen Schwerpunkt in die Arbeit mit Eltern setzt. Innerhalb eines Jahres konnten ca. 600 Eltern und pädagogische Fachkräfte in Medienkompetenz geschult werden. · Im Juni 2010 hat das Drogenreferat den bundesweit ersten Internetfriedhof für Avatare (Figuren aus Computerspielen) ins Leben gerufen. Er trägt den Namen Herolymp und unterstützt Computerspieler dabei, das Spielen zu beenden. Herolymp findet bei Computerspielern und bei Medien und Fachleuten eine sehr große Resonanz. Innerhalb von 3 Monaten haben 45.000 Besucherinnen 550.000 Seiten aufgerufen. 270 Avatare wurden begraben. II. Einzelfallhilfe bei Missbrauch und Abhängigkeit Im Rahmen des Projektes COMBASS[5] wird in Hessen die Arbeit von über 100 Einrichtungen der Drogen- und Suchthilfe dokumentiert, die rund 40 % der Klientinnen und Klienten wegen alkoholbezogener Probleme, rund 50 % wegen Problemen im Zusammenhang mit illegalen Drogen und die restlichen 10 % wegen sonstiger Probleme wie z.B. pathologischem Spielen in Anspruch genommen haben. Die meisten Einrichtungen richten sich gleichermaßen an Menschen mit Alkohol- und Drogenproblemen. Interessant ist, dass trotz Trennung von ambulanter Suchtberatung (zuständig für Alkohol und Glücksspielsucht) und Drogenberatung (zuständig für illegale Drogen und Verhaltenssüchte) aktuell bereits 1/3 der Menschen mit Hauptdroge Alkohol in Drogenberatungsstellen beraten werden (2009: Drogenhilfe - 270 Personen, Suchthilfe - 550 Personen). Dies macht deutlich, dass es Schnittstellen gibt und die Hilfen gezielter aufeinander abgestimmt werden sollten. Frühintervention bei Alkoholproblemen Frühe Interventionen sind in den letzten Jahren in vielen bundesweiten Modellprojekten und auch von den Drogenberatungsstellen in Frankfurt erprobt worden. Junge Menschen in einer möglichst frühen Phase riskanten Konsums mit zielgruppengerechten Interventionen anzusprechen, hat sich als sinnvoll erwiesen. Das Drogenreferat hat zusammen mit der Drogenhilfe und dem Staatlichen Schulamt in den vergangenen Jahren spezielle Projekte zur Frühintervention (CaBS, Alice-Bus, Drogenberatung online) entwickelt und bundesweit erprobte Projekte (FreD, HaLT) in Frankfurt installiert[6]. Junge Menschen mit riskanten und hochriskanten Konsummustern werden mit diesen Hilfeangeboten wesentlich früher erreicht als mit den herkömmlichen Drogenhilfeangeboten. Bei der Umsetzung des Konzeptes wird zu klären sein, wie diese Erfahrungen der Drogenhilfe für den Alkoholbereich genutzt werden können. Hilfe bei exzessivem Bildschirmmedienkonsum Auf die Problematik des exzessiven Bildschirmmedienkonsums hat das Drogenreferat vor 2 Jahren mit der Einrichtung der Fachberatung Verhaltenssucht reagiert. Die Jugendberatung und Suchthilfe am Merianplatz bietet Beratung für diejenigen an, die auf Grund einer unkontrollierten Bildschirmmediennutzung professioneller Hilfe bedürfen. Hier suchen etwa 100 Menschen pro Jahr Rat und Hilfe. Maßnahmen zu Research Chemicals 2008 ist es einem vom Drogenreferat beauftragten Frankfurter Labor erstmalig gelungen, nachzuweisen, dass der angeblich nur aus Kräutern bestehenden "Räuchermischung Spice" Research Chemicals beigemischt waren. Daraufhin wurde "Spice" und das darin enthaltene synthetische Cannabinoid von der Bundesdrogenbeauftragten verboten. Es tauchen jedoch immer wieder neue "Mischungen" auf, denn der Fundus an bislang noch legalen synthetischen Substanzen aus der Pharmaforschung, die psychoaktiv wirksam sind, ist nahezu unerschöpflich. Da die Nebenwirkungen dieser Substanzen nicht erforscht sind, ist dieser Trend mit großen Risiken für die Konsumierenden verbunden. Das Drogenreferat hat deshalb im vergangenen Jahr das CDR beauftragt, erstmalig in Deutschland eine sozialwissenschaftliche Untersuchung des Phänomens durchzuführen. Aktuell werden diese Ergebnisse und Interventionsmöglichkeiten im Arbeitskreis Jugend, Drogen und Suchtprävention diskutiert. Das Drogenreferat wird in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Freiburg, dem Centre for Drug Research der Universität Frankfurt und anderen europäischen Partnern 2011-2012 an einem EU-Projekt im Rahmen des Programms "Drug Prevention and Information" zum Thema "Spice und synthetische Cannabinoide" teilnehmen. Fazit Für die Erstellung des Konzeptes wird das Drogenreferat in einem nächsten Schritt systematisch die Schnittstellen der verschiedenen Bereiche der Drogen- und Suchthilfe klären, die Problem- und Bedarfslagen eruieren und anhand der bisherigen Praxis der Frage nachgehen, welcher Handlungs- und Veränderungsbedarf besteht. Vorhandene Dokumentationen und epidemiologische Daten werden dabei ebenso berücksichtigt wie das Erfahrungswissen der jeweiligen Beratungsstellen. Hierbei handelt es sich vor allem um die 4 Jugend- und Drogenberatungsstellen und die Suchtberatungsstellen des Diakonischen Werkes und des Caritas-Verbandes. Die Weiterentwicklung dieser vernetzten Arbeitsstrukturen im Bereich Projektarbeit (Suchtprävention) und Einzelfallhilfe (ambulante Beratung) für Menschen mit substanzbezogenen oder nicht substanzbezogenen Risiken, Problemen und Störungen wird in personeller Hinsicht im Drogenreferat Ende 2010 umgesetzt. Aus dem integrierten Ansatz ergeben sich neben verbesserten Steuerungsmöglichkeiten und einer effektiveren Nutzung der vorhandenen Angebote auch frühere und transparentere Hilfen für die Betroffenen. Das Drogenreferat wird über die Ergebnisse der inhaltlichen Steuerung dieses Prozesses fortlaufend berichten.