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Konzeption „Prävention legaler Drogen“

Vorlagentyp: B

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 03.05.2013, B 198

Betreff: Konzeption "Prävention legaler Drogen" Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 06.09.2012, § 1960 - E 99/10 GRÜNE, B 540/12 - Zwischenbericht: Die Entwicklung einer Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen", mit der das Drogenreferat mit dem Stadtverordnetenbeschluss zum E 99/2010 (§ 7831 vom 25.03.2010) beauftragt wurde, ist eine kontinuierliche Aufgabe, die das Ziel hat, möglichst sämtliche Zielgruppen in diesem Bereich mit präventiven Maßnahmen zu erreichen. Mit Blick auf die aktuelle Sachlage können folgende Aussagen übergreifend vorausgeschickt werden: Derzeit sind im Bereich legale Drogen und Verhaltenssüchte kritische Entwicklungen über die in vorrangegangenen Berichten bereits beschriebenen Problembereiche hinaus nicht feststellbar. Den zahlenmäßig zunehmenden psychoaktiven synthetischen Substanzen (Legal Highs) wird mit verschiedenen Maßnahmen begegnet - Details sind diesem Bericht wie auch dem Magistratsbericht B 540 vom 7.12.2012 zu entnehmen. Beim Themenkomplex "Sucht im Alter" stehen aktuell sowohl die weitere Bedarfsklärung als auch die Entwicklung weiterer Zugangswege zum betroffenen Personenkreis an. Gleiches gilt für das Thema "Medikamentenkonsum". In folgenden Bereichen fanden Weiterentwicklungen statt:

  1. Alkohol Seit Beginn der Konzeptentwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2010 wurden im Bereich Alkohol - wie im Bericht des Magistrats B 44 beauftragt - insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene Maßnahmen konzipiert, weiterentwickelt und in weiten Teilen bereits umgesetzt. Ein Teil der Angebote ist mittlerweile fest implementiert. HaLT reaktiv Hierzu gehört das Projekt HaLT, das in den vergangenen zwei Jahren entscheidend optimiert wurde. Sowohl die Kooperation mit insgesamt fünf Krankenhäusern im Stadtgebiet als auch die Einführung einer Rufbereitschaft am Wochenende (siehe hierzu den Bericht des Magistrats B 44, S. 11) durch die Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz haben zu einer deutlichen Erhöhung der Beratungsfallzahlen geführt. Im Jahr 2012 haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle 50 Brückengespräche mit Jugendlichen (Vorjahr 16) und 25 Elterngespräche (Vorjahr 1) geführt. Die Auswertung der Rettungsdienstdaten für das Jahr 2012 ergibt eine Steigerung der Fallzahlen. Insgesamt wurden 368 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Frankfurter Krankenhäuser transportiert (Vorjahr 336). (Quelle: Rettungsdienststatistik/Drogenreferat Stadt Frankfurt) Ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen ist ab der Altersgruppe der 16-Jährigen zu verzeichnen. Die höchsten Fallzahlen finden sich bei den 19- und 20-Jährigen. Die Angaben beruhen z. T. auf Altersschätzungen. Dies betrifft insbesondere die Gruppe der unter 14-Jährigen. Da die Rettungsdienststatistik der Stadt Frankfurt nicht nach Geschlecht auswertet, wurden hierzu aktuelle bundesweite Daten der Krankenhausstatistik, die das Statistische Bundesamt erhebt, ausgewertet. Krankenhausstatistik: Alkoholintoxikation Fallzahlen und prozentuale Anteile nach Geschlecht 10-14-Jährige 15-19-Jährige 20-24-Jährige Weiblich 2.153 52 % 7.862 36 % 3.767 32 % Männlich 2.008 48 % 14.135 64 % 8.161 68 % Gesamt 4.161 100 % 21.997 100 % 11.928 100 % (Quelle: Statistisches Bundesamt, Daten für 2011) Hier zeigt sich, dass in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen die Mädchen häufiger mit einer Alkoholintoxikation im Krankenhaus behandelt werden als die Jungen. In den Altersgruppen der 15- bis 19-Jährigen und der 20- bis 24-Jährigen überwiegen dann allerdings die Jungen bzw. jungen Männer deutlich mit einem Anteil von 2/3 zu 1/3. Betrachtet man die Gesamtzahlen der Behandlungen, so ist die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen mit Abstand am stärksten betroffen. Alkoholintoxikationen nach Krankenhäusern Fallzahlen für Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahren Krankenhaus 2012 2011 2010 Uni-Klinik 104 76 76 Hospital zum Heiligen Geist 73 61 48 Bürgerhospital 51 59 78 Krankenhaus Sachsenhausen 48 41 33 Klinikum Frankfurt Höchst 44 48 37 Elisabethenkrankenhaus 14 12 23 Nordwestkrankenhaus 14 11 6 St. Marienkrankenhaus 7 13 13 St. Markuskrankenhaus 7 11 5 St. Katharinen Krankenhaus 5 2 5 Städtische Klinik Offenbach 1 - 1 Clementine Kinderkrankenhaus - 1 1 Klinikum Hanau - 1 - Gesamt 368 336 326 (Quelle: Rettungsdienststatistik/Drogenreferat Stadt Frankfurt) In den markierten Krankenhäusern wird das Projekt HaLT angeboten. Hieran sieht man, dass die Krankenhäuser mit den höchsten Fallzahlen - mit Ausnahme des Krankenhauses Sachsenhausen - HaLT mittlerweile unterstützen. Für die Schulung des neuen rettungsdienstlichen Personals hat das Drogenreferat in Kooperation mit der Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz umfangreiches Schulungsmaterial zu diesem Projekt erstellt. Voll nüchtern! Die verhältnispräventive Kampagne "voll nüchtern!", die der Runde Tisch Alkohol initiiert hat, startete im März 2012 und wendet sich zunächst an Kioskbesitzer, die Alkohol an Jugendliche verkaufen. Mit Unterstützung von Honorarkräften wird die Akquise weiter fortgesetzt. Bis Ende Februar 2013 konnten 127 Kioske gewonnen werden, die die Kampagne unterstützen und Alkohol nur entsprechend dem Jugendschutzgesetz an Jugendliche abgeben. Veranstaltung Staatliches Schulamt In Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt führt das Drogenreferat zweimal jährlich Fachveranstaltungen für Drogenberatungslehrkräfte durch. Am

  2. März 2013 fand im Staatlichen Schulamt die zweite in dieser Reihe zum Thema Funktionen des Alkoholkonsums und Alkoholprävention bei Jugendlichen statt. Neben der Vorstellung frankfurtspezifischer Zahlen zum Alkoholkonsum Jugendlicher beschäftigte sich der Hauptvortrag von Herrn Litau von der Goethe-Universität mit den Trinkmotiven Jugendlicher. In der vorgestellten Studie wird deutlich, dass Alkohol bei Jugendlichen vor allem eine soziale Funktion erfüllt, also der Integration in die Peer-Gruppe dient. Das unterstreicht, wie wichtig es für die Jugendlichen ist, Risikokompetenz, in diesem Fall Trinkkompetenz zu erwerben. Zum Abschluss wurden den Lehrkräften neue Angebote zur Alkoholprävention vorgestellt. Internationale Konferenz zu Alkohol und Harm Reduction Am

  3. und

  4. März 2013 fand mit Unterstützung des Drogenreferats in der Fachhochschule Frankfurt eine internationale Konferenz zu Alkohol und Harm Reduction statt. Die Experten waren sich einig, dass sachliche Informationen, Förderung von Risikokompetenz und verhältnispräventive Maßnahmen nicht nur präventiv wirksam sind, sondern auch Schaden reduzieren. Wie im Bericht des Magistrats B 44 einleitend beschrieben, gehören zu einer Konzeptentwicklung im Bereich legaler Drogen auch niedrigschwellige Hilfen, die in Frankfurt bisher keine Berücksichtigung finden. Im Sinne des Vier-Säulen-Modells empfiehlt es sich, in Zukunft auch im Bereich Alkohol Harm Reduction-Angebote zu entwickeln.

  5. Glücksspiel Fachgespräch Glücksspiel Am

  6. Dezember 2012 hat das Drogenreferat in Kooperation mit dem Arbeitskreis Jugend, Drogen und Suchtprävention ein Fachgespräch zum Thema "Glücksspiel Jugendlicher - Formen und Präventionsansätze" durchgeführt, an der 18 Fachkräfte aus Beratungsarbeit, Polizei und städtischen Gremien und Ämtern teilgenommen haben. Der Referent, Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen, konnte wichtige Impulse für die Glücksspielprävention in Frankfurt geben. Am häufigsten von problematischem Automatenspiel betroffen sind männliche Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren, häufig mit Migrationshintergrund. Vorrangige Spielorte sind Gaststätten, Kneipen und Imbissbuden. Präventiv sinnvoll sind die Aufklärung der Betroffenen über die Hintergründe und Risiken ihres Verhaltens und Elternschulungen.

  7. Medien Jährlich, also auch 2012, organisiert die Stadtbücherei Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Lions Club und dem Drogenreferat eine "Junge Medienjury". Jugendliche bis 16 Jahren beurteilen Bücher, Comics, Filme und Hörbücher, aber auch PC-und Konsolenspiele. Das Auswahlverfahren im Bereich PC-und Konsolenspiele wird vom Drogenreferat mit 5.000 Euro unterstützt. Die Empfehlungen der Jungen Medienjury 2012/2013 wurden im Rahmen eines Abschlussfestes am

  8. März 2013 veröffentlicht und auf der Website www.be-u-online.de als Tipps für Jugendliche und als Orientierung für Eltern eingestellt.

  9. Research Chemicals - "Legal Highs" Seit 2005 sind insgesamt 276 neue psychoaktive synthetische Substanzen auf den Markt gekommen. Allein 2012 waren es in Europa 73 neue synthetische Drogen und jährlich werden es mehr. Aktuell sind vermehrt auch Mischungen von synthetischen Cannabinoiden mit Original Cannabis im Umlauf. Am

  10. März 2013 fand im Drogenreferat die Kick-Off-Veranstaltung für das EU-Projekt "Spice II" statt. Beteiligt sind europaweit neben verschiedenen Universitäten und Behörden das Bundesgesundheitsministerium, der nationale Knotenpunkt der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle und das BKA. Aus Frankfurt beteiligen sich neben dem Drogenreferat als Associate Partner das Centre for Drug Research der Goethe Universität und Basis e.V. als Beneficiary Partner. Basis e.V. erhält über das Projekt 1,5 Stellen für zwei Jahre für die Weiterentwicklung der Webseite www.legal-inhaltsstoffe.de und die Entwicklung von neuen Ansätzen zum Online-Streetwork. Die Seite ist stark nachgefragt und hat täglich 100 bis 150 Zugriffe. Spice II hat das Ziel, auf dem Markt neu auftauchende synthetische Drogen toxikologisch zu untersuchen, Nachweistests zu entwickeln, sozialwissenschaftliche Aspekte der Nutzung zu erforschen und Maßnahmen zur Prävention und Harm Reduction zu entwickeln und zu evaluieren. Die Laufzeit beträgt wie bei Spice I wieder zwei Jahre.

  11. Sucht im Alter Zum Thema Suchtmittelmissbrauch im Alter gibt der Magistratsbericht vom

  12. Oktober 2012 (B 452) erste Überlegungen zum weiteren Vorgehen wider. Am

  13. Februar 2013 hat eine Mitarbeiterin des Drogenreferates auf der Sitzung des Seniorenbeirates der Stadt Frankfurt hierzu einen Kurzvortrag gehalten. Außerdem hat das Drogenreferat mit verschiedenen Trägern aus unterschiedlichen Bereichen erste Gespräche zur Bedarfseinschätzung in den Bereichen Alkohol- und Medikamentenkonsum im Alter geführt. Das Drogenreferat plant gemeinsam mit dem Jugend- und Sozialamt im Rahmen eines world-cafés Bedarfe zu klären und Möglichkeiten der Vernetzung zu eruieren.

  14. Integriertes Suchthilfesystem Treffen Frankfurter Drogen- und Suchtberatungsstellen Ein wesentliches Ziel der Konzeption "Prävention nicht stoffgebundener Süchte und legaler Drogen" ist die Annäherung und Vernetzung der Hilfesysteme im legalen und illegalen Bereich. Am

  15. November 2012 fand ein erstes Treffen sämtlicher Frankfurter Drogen- und Suchtberatungsstellen statt. Ziele dieser Veranstaltung waren ein gegenseitiges Kennenlernen, die Vorstellung bestehender Angebote und die Diskussion über bisher nicht erreichte Zielgruppen. Ein Folgetreffen ist für den

  16. April 2013 anberaumt.