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Ausstieg aus der Sexarbeit/Prostitution mit Übergangswohnungen und anderen Hilfen unterstützen

Vorlagentyp: B

Bericht

Die Themen Sexarbeit und Prostitution werden gesellschaftlich immer wieder kontrovers diskutiert. Der Magistrat vertritt eine Perspektive, die verschiedene Lebensrealitäten anerkennt und sich dafür ausspricht den jeweiligen Kontext miteinzubeziehen. So kommt der Magistrat zu dem Schluss, dass es neben selbstbestimmter Sexarbeit auch zahlreiche Not- und Zwangskontexte gibt, in denen Prostitution stattfindet. Letztere sind vielfach geprägt von patriarchalen Machtstrukturen und Ausbeutung, die jegliche Formen von Gewalt einschließen können. Dies vorangestellt ist die Bereitstellung unbürokratischer und niedrigschwelliger Unterstützungsangebote für ausstiegswillige Personen aus der Prostitution dringend zu befürworten. Aufgrund der fortbestehenden Machtverhältnisse und damit verbundenen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sind im Kontext Zwangsprostitution oder Menschenhandel primär Frauen betroffen sowie trans* Personen unterschiedlicher Geschlechtsidentitäten. Seltener gehören zu den Opfern von Zwangsprostitution oder Menschenhandel auch Männer, wie Punkt 5 der Anfrage bereits herausstellt. Als Zielgruppe der vorgeschlagenen Maßnahmen sollten weiter Prostituierte berücksichtigt werden, die unter indirektem Zwang stehen und keinen anderen Ausweg sehen, um sich vor weiterer Gewalt zu schützen oder um an Ressourcen wie bspw. Geld und Unterkunft zu gelangen. Unterstützungsangebote sollten neben Wohnraum und Beratung daher auch Konzepte zum Schutz vor Gewalt beinhalten. Für ein Wohn- und Betreuungsprojekt, das weibliche Prostituierte beim Ausstieg unterstützt, wurden im Haushalt der Stadt Frankfurt am Main für die Jahre 2024 und 2025 jeweils 55.000 Euro bereitgestellt. Dieses Projekt wird, wie im Etat-Antrag E 72 benannt, durch den Verein "Frauenrecht ist Menschenrecht e.V." (FiM) umgesetzt. Der Verein verfügt bereits über den Zugang zu den Zielgruppen, die fachliche Kompetenz und Erfahrung, sowie ein großes Netzwerk innerhalb des Milieus wie in das weitere Hilfsnetzwerk der Stadt und darüber hinaus. Die Auszahlung der Mittel erfolgte am 02.12.2024 unverzüglich mit Bestandskraft des Haushaltes. Die Mittel konnten in das Jahr 2025 übertragen werden, so dass der Träger bereits mit der Planung und Umsetzung beginnen konnte. Im Rahmen der bereitgestellten Mittel umfasst das Projekt die Anmietung geeigneten Wohnraums, professionelle und individuelle Beratung sowie die notwendige Öffentlichkeitsarbeit und gezielte Zielgruppenansprache zur Bekanntmachung des Angebots. Die Einrichtung eines Hilfefonds zur finanziellen Unterstützung während des Übergangs ist bereits in Prüfung. FiM ist beauftragt die zu erhebenden Daten zu definieren und eine begleitende Evaluation zu konzipieren. Darüber hinaus ist der Verein angehalten, mögliche Drittmittel, etwa durch den Europäischen Sozialfonds Plus oder das Hessisches Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales (HSMI) zu beantragen. Zu gegebener Zeit wird der Magistrat auf Grundlage der gewonnenen Erfahrungen aus dem Projekt, erneut zu den Punkten a), b), c), d) berichten. Wie eingangs formuliert sind cis-Frauen, die am stärksten vertretene Gruppe in der Sexarbeit oder der Prostitution. "Cis" beschreibt Personen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Dennoch sind proportional mehr trans* Personen sowie andere Mitglieder der LGBTQIA+ Community in diesem Bereich unter prekären Bedingungen tätig. Das Akronym steht für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, queere, intersexuelle, asexuelle Menschen; das + dient als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten. Insbesondere trans* Personen erleben massive intersektionale und strukturelle Diskriminierung, zum Beispiel in der medizinischen Versorgung oder auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. Intersektional beschreibt die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen, wodurch neue Formen und Dimensionen der Diskriminierung entstehen. Laut der Aidshilfe Frankfurt (AHF) kam es zuletzt zu 2.300 jährlichen Kontakten mit der Kriseninterventionsstelle "KISS", die cis-männliche, queere und trans* Prostituierte betreut. Dabei entfielen 1.015 dieser persönlichen Kontakte auf cis-männliche und 498 auf trans* Personen. Männliche Personen in der Sexarbeit bilden eine heterogene Gruppe, die häufig Diskriminierung erfährt. Nicht alle der Personen definieren ihre Tätigkeit als Sexarbeit. Besonders häufig sind es von Armut und Wohnungslosigkeit betroffene Personen (vor allem bei jungen männlichen Klienten), die das Angebot von KISS in Anspruch nehmen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es auch außerhalb des Kontextes der Sexarbeit und Prostitution einen deutlichen Anstieg an Übergriffen und Gewalt gegenüber Menschen aus der queeren Community gibt. Dies gilt bundesweit, wie auch unmittelbar in Frankfurt und verschärft das Problem zusätzlich. Männliche und trans* Personen im Bereich der Sexarbeit benötigen spezifische Beratungs- und Unterstützungsangebote, die sowohl queer- als auch szenekompetent sind. Besonders wichtig ist die Bereitstellung von multiprofessionell betreuten Übergangswohnungen für Personen, die aus der Sexarbeit aussteigen möchten. Der Ausstiegsprozess ist oft langwierig und erfordert eine umfassende psychosoziale Betreuung sowie die Aufarbeitung von Traumata. Fachkräfte von KISS (AHF) und TAMARA (Diakonie) betonen, dass ein Mindestzeitraum von einem Jahr erforderlich ist, um Ausstiegsprozesse erfolgreich zu begleiten. Eine weitere wichtige Zielgruppe sind junge, teils minderjährige Roma aus Bulgarien und Rumänien sowie drogenabhängige Jugendliche im Frankfurter Bahnhofsviertel. In diesem Kontext ist eine enge Vernetzung zwischen queeren und nicht-queeren Jugendhilfeeinrichtungen und Beratungsangeboten erforderlich, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der heterogenen Zielgruppe gerecht zu werden. Insgesamt lässt sich feststellen, dass es in Frankfurt am Main einen klaren Bedarf an Ausstiegsangeboten auch für queere, trans* und cis-männliche (homosexuelle) Personen gibt. Gleichzeitig ist bedeutsam, diese Angebote gut in bestehende Strukturen zu integrieren. Die Zusammenarbeit der bereits bestehenden Vernetzungsstrukturen, wie durch Arbeitsgruppen zwischen KISS, TAMARA und Angeboten von FIM, legt hierfür einen soliden Grundstein. Um konkrete Planungen weiter zu verfolgen zu können, wären weitere Ressourcen notwendig.

Beratungsverlauf 2 Sitzungen

Sitzung 37
Sonderausschusses für Controlling und Revision
TO I, TOP 14
Angenommen
nicht auf TO Die Vorlage B 289 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)
Zustimmung:
Grüne CDU SPD Linke FDP AFD VOLT FRAKTION
Ablehnung:
BFF-BIG ÖkoLinX-ELF
Sitzung 38
Ausschusses für Personal, Sicherheit und Digitalisierung
TO I, TOP 37
Angenommen
nicht auf TO Die Vorlage B 289 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)
Zustimmung:
Grüne CDU SPD FDP BFF-BIG AFD VOLT ÖkoLinX-ELF
Ablehnung:
Linke FRAKTION Stadtv. Bäppler-Wolf