Frankfurter Programm "Würde im Alter" hier: Neufassung
Bericht
Das Frankfurter Programm "Würde im Alter" (FPWiA) besteht seit 22 Jahren. Die aktuelle Förderrichtlinie wurde durch die Stadtverordneten im Juni 2019 (§ 4219) beschlossen. Der wesentliche Leitgedanke ist für die älteren Frankfurter:innen Unterstützungsangebote zu ermöglichen, die ohne das Förderprogramm nicht zur Verfügung stehen würden, d.h. Angebote, die nicht unter die Leistungen in den Sozialgesetzbüchern SGB V, IX, XI und XII fallen. Nachfolgend wird über die Entwicklung des Förderprogramms in den Bereichen "Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" und "Stationär" im Jahr 2022 berichtet. Im Jahr 2022 wurden im FPWiA - Zugehend 14 Projekte von neun Trägern mit einer Gesamtsumme in Höhe von 925.156 € gefördert. Anträge für neue Projekte wurden nicht gestellt. Gefördert wurden Projekte, die sich im zweiten oder dritten Förderjahr befanden. Fortgeführt werden konnten: Die psychosozialen Hilfen für ältere Personen mit psychischen Beeinträchtigungen in den Frankfurter Stadtteilen Westend, Bockenheim, Eckenheim, Eschersheim, Hausen sowie Ginnheim, Bonames, Heddernheim, Praunheim und in der Nordweststadt. Das Angebot einer zugehenden Beratung zur Förderung der Teilhabechancen und Selbstmanagementkompetenzen für ältere Personen, die psychotrope Substanzen riskant, missbräuchlich oder abhängig konsumieren. Die Lebensbegleitung für ältere Personen mit einer Zuwanderungsgeschichte aus Italien. Die zugehende Beratung und psychosoziale Begleitung sowie die Möglichkeit der Teilnahme an Gruppen für die älteren Bürger:innen bzw. für deren An- und Zugehörige in den Frankfurter Stadtteilen Schwanheim, Goldstein, Niederrad, Sachsenhausen, Nied, Höchst und Unterliederbach. Der ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienst für Männer liebende Männer. Die Ehrenamtliche Begleitung von isoliert lebenden älteren Frankfurter:innen bei ihrem Weg zur Wiedergewinnung sozialer Kontakte und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Koordination personenzentrierter Assistenzleistungen für ältere Personen in Sachsenhausen und die ehrenamtlich organisierte zugehende Beratung sowie die psychosoziale Begleitung und Betreuung dieses Personenkreises. Das Projekt für die älteren Bürger:innen mit einer psychischen Erkrankung, die zugehend beraten und betreut werden. Für An- und Zugehörige finden Beratungsangebote in Form von Veranstaltungen, Gruppen und Einzelgesprächen statt. Das Projekt, in dem ältere Personen mit einer chronischen, nicht heilbaren Krankheit in einem palliativen Setting begleitet werden. Das Projekt, in dem durch die Begleitung und Unterstützung im Alltag von älteren Personen (die noch in kein Versorgungssetting eingebunden sind) eine Versorgungskontinuität hergestellt wird. Dazu gehört auch das Angebot einer Soforthilfe für die Bürger:innen. Das Projekt in dem Bürger:innen, die noch nicht pflegebedürftig sind, zugehend zu den Themen Vorsorge, Förderung der Gesundheit und Erhalt der Selbstständigkeit im Alternsprozess beraten werden. Das Projekt, das Personen mit einer gerontopsychiatrischen Erkrankung und deren An- und Zugehörigen eine zugehende psychologische Beratung sowie Seminare und Gruppenaktivitäten bietet. Am Ende des Förderjahres 2022 wurden insgesamt zwei Projekte beendet. Dies waren folgende Projekte: Das Projekt der AGAPLESION MARKUS DIAKONIE gGmbH "Seniorenlotsen in Sachsenhausen - Aufsuchende Beratung, psychosoziale Begleitung und Koordination personenzentrierter Assistenzleistungen für ältere Menschen im Stadtteil Sachsenhausen". Die Angebote wurden zunehmend bekannt und von den älteren Bürger:innen genutzt, aber nach Rückmeldungen aller Projektbeteiligten und der Nutzenden wurde beschlossen eine aktualisierte Konzeption anhand der vorhandenen Bedarfe zu erstellen. Das Projekt "Unter die Leute kommen" im Hufeland-Haus Hilfezentrum. Gründe hierfür waren personelle und organisatorische Veränderungen. Da die Trägervertreter:innen weiterhin Bedarf für eine zugehende psychosoziale Unterstützung und Begleitung von älteren Personen mit psychischen Problemlagen im Frankfurter Osten sieht, stellte die bisherige Kooperationspartnerin (Institutsambulanz der Klinik Hohe Mark) einen Projektförderantrag für das Jahr 2023 im FPWiA - Zugehend. Im stationären Bereich des FPWiA wurden 29 Projekte in 25 Einrichtungen von 18 Trägern, davon fünf einrichtungsübergreifende Projekte, mit einer Gesamtsumme in Höhe von 1.322.572 € gefördert. Es wurden vier neue Projekte beantragt, davon ein einrichtungsübergreifendes Projekt. Alle beantragten Projekte waren förderwürdig im Rahmen des FPWiA-Stationär. Fortgeführt werden konnten zudem die Projekte, die bereits in den Jahren 2020 bis 2021 gefördert wurden. Neu beantragt und im Jahr 2022 gefördert wurde: Ein Projekt in dem die Bewohner:innen in der Pflegeeinrichtung einen Zugang zu digitalen Medien erhalten. Ein Projekt in dem Maßnahmen durchgeführt werden, die dazu beitragen, dass Gefühle wie z.B. Trauer, Wut oder Ohnmacht in der letzten Lebensphase zum Ausdruck gebracht werden können und miteinander teilbar sind. Dazu werden Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet. Ein Projekt in dem die Maßnahmen der spirituellen Begleitung weiterentwickelt werden. Erarbeitet und implementiert werden spirituelle Rituale, die das Angebot der Kirchengemeinden ergänzen sollen. Ein Projekt in dem ein Beitrag dazu geleistet wird, dass angehende Pflegekräfte in der generalisierten Ausbildung für ethische Fragestellungen sensibilisiert werden. Um dies zu erreichen, wird das Thema Ethik in die Praxisphase der Pflegeausbildung integriert. Im dritten Jahr der Förderung waren insgesamt folgende 14 Projekte: Das Projekt in dem die Methoden zur Anregung der Sinneswahrnehmungen der Bewohner:innen (deren Lebensmittelpunkt ihr Zimmer geworden ist) erweitert werden. Das Projekt in dem die Schaffung einer Tagesoase zur Begleitung und pflegerischen Versorgung für schwerstpflegebedürftige, kognitiv eingeschränkte und überwiegend bettlägerige Bewohner:innen mit dem Schwerpunkt der palliativen Betreuung vorangetrieben wird. Das Projekt mit dem Thema Diversität im Schwanthaler Carrée. Neben der Fortführung der Angebote für LSBTIQ+ Bewohner:innen wird die Ethnizität und die Religion der Bewohner:innen miteinbezogen. Das Projekt in dem Interventionsmaßnahmen und Angebote etabliert werden, damit das Thema Gewaltprävention in der Einrichtung umfassend und ganzheitlich bearbeitet werden kann. Die beiden Projekte in denen Maßnahmen zu den Querschnittsthemen psychische Erkrankungen und Interkulturalität / Migration durchgeführt werden. Im ersten Projekt wird ein Konzept entwickelt, das es ermöglicht, Bewohner:innen mit einer psychischen Erkrankung in einer Weise psychosozial zu begleiten, die ihre individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse berücksichtigt. Im zweiten Projekt wird eine Einzelbegleitung der Bewohner:innen mit einer Zuwanderungsgeschichte ermöglicht. Dies insbesondere für Bewohner:innen, die von einer kognitiven Beeinträchtigung betroffen sind. Ein Projekt, in dem ein Nachtcafé umgesetzt wird. Der Besuch des Cafés soll den Bewohner:innen, die Schwierigkeiten haben sich an das Leben in einer Pflegeeinrichtung zu gewöhnen, soziale Teilhabe ermöglichen. Das Projekt in dem Bewohner:innen mit einer psychischen Erkrankung (insbesondere in der Einzugsphase) eine intensive und ihren jeweiligen Fähigkeiten und Wünschen aufgreifende Einzelbetreuung ermöglicht wird. Die Projekte zur Gewaltprävention in den Pflegeeinrichtungen Hufeland-Haus und Nellinistift. Unter anderem konnte die Deeskalationsfachkraft bzw. Interventionskraft wieder wohngruppenübergreifend tätig sein. Die beiden Projekte zur Inklusion mehrfachbelasteter Bewohner:innen im Franziska Schervier Seniorenzentrum sowie im Pfarrer Münzenberger Haus, in dem in Teilprojekten Maßnahmen durchgeführt werden, die einzelne belastende Situationen der Bewohner:innen positiv verändern sollen. Das Projekt im Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main zur Verbesserung des interkulturellen Milieus. Das Projekt, dessen Ziel es ist, Situationen der Angst, die Bewohner:innen mit einer psychischen Beeinträchtigung belasten, zu mildern. Gefördert wird die individuelle Wahrnehmungsfähigkeit der Bewohner:innen und die Teilnahme am Leben in der sozialen Gemeinschaft. Auch mögliche Konflikte mit Mitbewohner:innen (ausgelöst durch ein für diese unverständliches und herausfordernd wirkendes Verhalten) sollen reduziert werden. Das einrichtungsübergreifende Projekt der Evangelischen Suchtberatung. In den kooperierenden Einrichtungen werden Bewohner:innen beraten und begleitet sowie quartalsweise offene Sprechzeiten auch für die Mitarbeitenden sowie An- und Zugehörige angeboten. Am Ende des Förderjahres 2022 wurden insgesamt neun Projekte beendet. Dies waren folgende Projekte: "Psychische Erkrankungen / Gerontopsychiatrische Erkrankungen: Förderung und Erhalt der psychosozialen Gesundheit", Sankt Konradheim. Im Projekt sollten Maßnahmen durchgeführt werden, die Selbstständigkeit, Orientierung und Handlungsfähigkeit der Bewohner:innen mit einer psychischen / gerontopsychiatrischen Erkrankung fördern und zum Erhalt ihrer psychosozialen Gesundheit beitragen. Es fanden gemeinschaftliche und identitätsstärkende soziale Aktivitäten statt. Insbesondere waren dies Eins-zu-Eins-Betreuungen, die für Bewohner:innen mit Rückzugstendenzen soziale Teilhabe ermöglichen sowie psychiatrischen Interventionen in Form von Fallkonferenzen mit Fachärzt:innen / Psychotherapeut:innen, um nicht-medikamentöse Handlungsoptionen zu finden. "Gewaltprävention, Versorgung von psychisch kranken Personen", Alten- und Pflegeheim Anlagenring. Im Projekt wurden (vor dem Hintergrund des Themas Gewaltprävention) Maßnahmen, die Bewohner:innen mit psychosozialen Einschränkungen helfen ihren Alltag selbstbestimmt in der Einrichtung zu leben, durchgeführt. Auch nach Projektende finden Fallbesprechungen oder kollegiale Beratungen bei kritischen Situationen in der Pflege und Betreuung statt. Fortgesetzt wird ebenso die psychotherapeutische / psychologische Unterstützung sowie Beratung für die Bewohner:innen und ggf. ihrer Bezugspersonen sowie für die Mitarbeiter:innen. "Anlassbezogene Fortbildungen und vertiefende Workshops zum Thema Palliative Betreuung in Frankfurter stationären Pflegeeinrichtungen, einrichtungsübergreifendes Projekt", Bürgerinstitut. Die Fortbildungen sowie Workshops fanden in den kooperierenden Pflegeeinrichtungen für die Mitarbeitenden statt. "Qualifikation Pflegemitarbeiter:innen zu Ethikbeauftragten in Einrichtungen der stationären Altenpflege", einrichtungsübergreifendes Projekt, Frankfurter Ethiknetzwerk. Die Qualifikation ist abgeschlossen. Ausgebildet wurden 11 Ethikbeauftragte. "Erarbeitung eines ethisch begründeten Praxisleitfadens für psychiatrische Notfälle in Frankfurter Altenpflegeeinrichtungen", einrichtungsübergreifendes Projekt, Frankfurter Ethiknetzwerk. Der erstellte Praxisleitfaden mit Handlungsempfehlungen wurde bei einer Veranstaltung im Mai 2022 vorgestellt. Zudem gibt es ein fortbestehendes Schulungsangebot für die Mitarbeitenden zum Umgang mit psychiatrischen Krisensituationen. "Zusammenleben mit Menschen mit psychischen Erkrankungen - Verbesserung der Betreuung und Pflege - Kompetenzentwicklung und gemeinsame Konfliktbewältigung", Bürgermeister-Gräf-Haus. Das entwickelte Aufnahmekonzept veränderte die Aufnahmepraxis positiv. Etabliert wurde z.B. eine zugehende Beratung in der eigenen Häuslichkeit / im Krankenhaus vor dem Einzug in die Einrichtung. Insgesamt konnten dadurch auftretende Herausforderungen nach dem Einzug konstruktiv und leichter gelöst werden. Zur Kompetenzerweiterung der Mitarbeitenden wurden Online-Schulungen zum Themenfeld psychische Erkrankungen des höheren Lebensalters durchgeführt. "Selbstbestimmung und Selbstverantwortung von pflegebedürftigen Menschen im Kontext von Fürsorge und Überfürsorge in der Pflege - Gewaltprävention", Sozial- und Rehazentrum West. Im Projekt wurde bearbeitet, wie die Einschränkung von Entscheidungs- und Handlungsoptionen der Bewohner:innen vermieden werden kann, da Einschränkungen zu Auslösern von Gewaltsituationen werden können oder selbst als Gewalt empfunden werden. Erfolgt ist eine Analyse der Pflegebeziehung, die Betrachtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Veränderbarkeit von Abläufen in der pflegerischen Versorgung und denkbare Alternativen. "Entwicklung und Umsetzung eines Konzeptes zur Verbesserung der Betreuung und Pflege von Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen unter Berücksichtigung der Superdiversität mit besonderem Schwerpunkt auf die Merkmale Migration, soziale Prägung und sexuelle Identität", Victor-Gollancz-Haus. Das Projekt ist zu einem Organisationsentwicklungsprojekt weiterentwickelt worden. Verfolgt wird eine eigenständige Zielsetzung im Rahmen der Weiterentwicklung des Trägers zu einer diversen Organisation. Die Förderhöhe für alle Projekte im FPWiA umfasste im Jahr 2022 ein Volumen von insgesamt 2.247.728 €.