Skip to main content Skip to navigation Skip to footer

Frankfurter Programm „Würde im Alter“ hier: Neufassung

Vorlagentyp: B

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 04.04.2022, B 141

Betreff: Frankfurter Programm "Würde im Alter" hier: Neufassung Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 27.06.2019, § 4219 Einleitung Das Frankfurter Programm "Würde im Alter" (FPWiA) gibt es seit 21 Jahren. Die Stadtverordneten beschlossen im Jahr 2000 ein Sofortprogramm, mit dem sie finanzielle Mittel für die ambulante und die stationäre Altenhilfe zur Verfügung stellten, um die Lebensqualität pflegebedürftiger Personen mit dementiellen Erkrankungen zu verbessern.[1] Im Jahr 2006 wurde das Sofortprogramm der Stadt Frankfurt am Main zu einem Regelprogramm Frankfurter Programm "Würde im Alter". Gebraucht wurde das Frankfurter Sofortprogramm / das Programm "Würde im Alter", weil es psychosozial ausgerichtete Maßnahmen in der ambulanten und stationären Altenhilfe finanziell absicherte, die in der Pflegeversicherung noch keine Berücksichtigung gefunden hatten. Die fachliche und inhaltliche Weiterentwicklung der Förderrichtlinien zum FPWiA erfolgte in den Jahren 2018 / 2019 gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen der freien Träger der Wohlfahrtspflege, in einer Unterarbeitsgruppe der AG Sozialen Arbeit, der UAG-Altenhilfe. Die Neuausrichtung des Programms und die Überarbeitung der Förderrichtlinie war notwendig, da die rechtlichen Rahmenbedingungen durch die Novellierung der Sozialgesetzbücher XI und XII (Pflegestärkungsgesetze I bis III) verändert waren. Zudem sollte mit der Neuausrichtung des Programms erreicht werden, dass im Hinblick auf zukünftige Veränderungen und Herausforderungen ein Rahmen gegeben ist, um passende Maßnahmen in der ambulanten und stationären Altenhilfe entwickeln zu können. Die neue Förderrichtlinie zum FPWiA wurde in der 34. Sitzung der Stadtverordneten am 27. Juni 2019 (§ 4219) beschlossen. Die wesentlichen Leitgedanken sind, dass das Förderprogramm einen Beitrag dazu leisten soll: - altersbedingte Schwierigkeiten und Herausforderungen durch eine passende Unterstützung und Hilfe erst gar nicht entstehen zu lassen und wenn sie bestehen, diese überwunden bzw. ihre negativen Auswirkungen gemildert werden können. - für die älteren und alten Frankfurter Bürgerinnen und Bürger Unterstützungsangebote zu ermöglichen, die ohne das Förderprogramm nicht zur Verfügung stehen würden. - allen Personengruppen die Inanspruchnahme der Angebote und Maßnahmen eines im Rahmen des FPWiA geförderten Projektes zu ermöglichen. - die spezifischen Lebenslagen und Bedarfe der älteren und alten Frankfurterinnen und Frankfurter im Blick zu behalten. - für ältere Personen in ihrer Vielfältigkeit bedarfsgerechte Maßnahmen und Angebote durch trägerübergreifende Netzwerke und Zusammenarbeit / Kooperationen zu entwickeln. - solche Maßnahmen für die älteren Frankfurter:innen zu implementieren, die innovativ sind. Also Maßnahmen, die aufgrund einer Idee zum Umgang mit einer sich aus den Themenfeldern des Förderprogramms ergebenden Problemlage entwickelt wurden und die den Umgang mit den sich aus der Problemlage ergebenden Schwierigkeiten nutzbringend, d.h. positiv verändern.[2] Entwicklung des Förderprogramms und der geförderten Projekte Nachfolgend wird zusammenfassend über die Entwicklung des Förderprogramms in den Bereichen "Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" und "Stationär" in den Jahren 2019 bis 2021 berichtet. 2019 - Anträge auf Förderung / Projekte Die Anträge auf eine Förderung im Rahmen des Programms für das Jahr 2019 wurden zu einem Zeitpunkt gestellt, als die weiterentwickelte und neue Förderrichtlinie noch keine Geltung hatte. Die Anträge konnten daher nur in Anlehnung an die neue Förderrichtlinie gestellt werden und soweit möglich auf deren Inhalte hin ausgerichtet werden. Zur Verfügung standen für die Projektförderung finanzielle Mittel in Höhe von insgesamt 2.395.500 € und alle Projekte, für die eine Förderung im Rahmen des FPWiA beantragt worden war, konnten berücksichtigt werden. Sowohl im stationären, als auch im zugehenden Bereich des Programms konnten Projekte zu neuen Querschnittsthemen für eine Förderung vorgesehen werden. Die Neuaufnahme von Projekten im stationären Bereich war trotz der veränderten finanziellen Ausstattung des FPWiA möglich, da die bisherigen Zuwendungen nicht fortgeschrieben worden waren. Entwicklungspotentiale für die Weiterentwicklung des FPWiA konnten durch diese Vorgehensweise genutzt werden. Im Jahr 2019 wurden im Frankfurter Programm "Würde im Alter - Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" (FPWiA - Zugehend) 16 Projekte von 13 Trägern mit einer Gesamtsumme in Höhe von

  1. 111.210,00 € gefördert. In den Projekten wurden zum Beispiel psychosoziale Hilfen für ältere Personen mit psychischen Behinderungen geleistet,[3] bestand das Angebot einer zugehenden Beratung zur Förderung der Teilhabechancen und Selbstmanagementkompetenzen für ältere Personen, die psychotrope Substanzen riskant, missbräuchlich oder abhängig konsumieren, [4] und sozialtherapeutische Tagesausflüge (Kleinausflüge, Besichtigungen im Umland von Frankfurt am Main) für ältere Personen mit psychischen Erkrankungen konnten durchgeführt werden.[5] Des Weiteren konnte ein zugehendes psychosoziales Betreuungsangebot in Anspruch genommen werden.[6] Zudem wurde es durch zwei Projekte ermöglicht, dass ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienste stattfinden konnten.


    [7] Im stationären Bereich des FPWiA waren es 21 Projekte in 31 Einrichtungen von 21 Trägern und zwei einrichtungsübergreifende Projekte, die mit einer Gesamtsumme in Höhe von 1.286.165,00 € gefördert wurden. Die Projekte umfassten beispielsweise die Weiterbildung und Implementierung von Ethik-Beauftragten, [8] Maßnahmen zur Gewaltprävention[9] oder die Entwicklung einer Organisationskultur, in der die Vielfalt der Bewohnerinnen und Bewohner wahrgenommen und anerkannt wird [10] . In weiteren Projekten wurde durch eine begleitete Integration pflegebedürftigen Personen mit einer psychiatrischen oder seelischen Erkrankung die Teilhabe in der sozialen Lebensgemeinschaft der Einrichtung ermöglicht. [11] Die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel für den stationären Bereich ermöglichen es auch, dass sich Bewohner:innen, Angehörige und Mitarbeitende mit ethischen Fragestellungen auseinandersetzen und das Angebot einer Ethikberatung nutzen konnten.[12] Die Förderhöhe für alle Projekte im FPWiA umfasste im Jahr 2019 ein Volumen von insgesamt 2.397.375,00 €. 2020 - Anträge auf Förderung / Projekte Die neue Förderrichtlinie des FPWiA mit ihren bereichsübergreifenden verwaltungstechnischen Rahmenbedingungen sowie der weiterentwickelten Inhalte und Zielsetzungen bildete erstmalig die Basis der Antragstellung im Jahr

  2. Im Rahmen des FPWiA sollten Projekte gefördert werden, die Maßnahmen mit Bezug zu bestimmten Querschnittsthemen[13] (Themenfeldern) durchführen bzw. die hierzu notwendigen Rahmenbedingungen (in den stationären Einrichtungen) herstellen. Im Fokus standen damit nicht mehr Maßnahmen für einzelne Bedarfslagen einer bestimmten Zielgruppe, sondern Maßnahmen zu einem bestimmten Querschnittsthema, das die Bedarfslagen unterschiedlicher Lebenssituationen in einer stationären Einrichtung oder in der eigenen Häuslichkeit betrifft. In allen Projekten im Rahmen des FPWiA sollte die Entwicklung und Umsetzung von themenspezifischen Konzepten erfolgen. Zudem sollten die in den Projekten durchgeführten Maßnahmen im FPWiA-Stationär (je nach spezifischem Thema) geeignet sein, die soziale Lebensgemeinschaft in den Einrichtungen zu stärken und dazu führen, dass mögliche Problemlagen der Bewohnerinnen und Bewohner wahrgenommen werden und entsprechende Angebote der Hilfe, Unterstützung und Begleitung entwickelt und umgesetzt werden. Im zugehenden Bereich sollten die durchgeführten Maßnahmen im Projekt mit einer niedrigschwelligen, adressatenorientierten und zugehenden Arbeitsweise erfolgen. Grundlage jeder Maßnahme sollte der Ansatz der zugehenden Beratung sein. Es sollten vor allem die älteren Frankfurterinnen und Frankfurter erreicht werden, die aufgrund von schwierigen Lebenslagen und hohen Hilfebedarf keinen Zugang zum bestehenden Hilfesystem finden. Im Fokus der Maßnahmen sollten besondere Betreuungsbedarfe der Personen, die Stabilisierung sowie der Erhalt eines würdevollen Lebens in der eigenen Häuslichkeit stehen. Im Jahr 2020 wurden 19 Anträge im FPWiA-Zugehend gestellt. Von den beantragten Projekten waren alle Projekte bis auf ein Projekt im Rahmen des FPWiA förderungswürdig. [14] Im Zuge des Verfahren wurde zwei Anträge durch die Träger zurückgezogen.[15] Es erhielten 15 Projekte von 12 Trägern im Bereich "Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" eine Förderung im Rahmen des FPWiA. Eingesetzt wurde eine Gesamtsumme in Höhe von 977.727,82 €. Mit dem Projekt "Seniorenlotsen in Sachsenhausen" war auch ein Träger der freien Wohlfahrtspflege im Bereich der zugehenden Beratung, Begleitung und Betreuung tätig, der bisher nur im stationären Bereich der FPWiA aktiv war.[16] Trotz der Ausnahmesituation, die sich Ende des Jahres 2019 durch das Auftreten des Corona-Virus SARS-CoV-2 abzeichnete und schließlich im Jahr 2020 zu einem Lockdown führte, wurden im zugehenden Bereich des Förderprogramms alle 15 Projekte in modifizierter Form durchgeführt. Inhalte der Projekte waren zum Beispiel weiterhin die zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung für ältere Frankfurter:innen die isoliert und zurückgezogen leben oder psychisch beeinträchtigt sind, [17] die Unterstützung in der Alltagsbewältigung, die Vermittlung von angemessenen Versorgungsangeboten,[18] die zugehende präventive Gesundheitsberatung für ältere Personen, [19] die Fortführung des ehrenamtlichen Besuchsdienstes für ältere männerliebende Männer und ältere HIV-positive Personen [20] und besonders aktuell: die Begleitung in Krisensituationen. Für das Haushaltsjahr 2020 wurden im stationären Bereich des FPWiA insgesamt 28 Anträge für Projekte von 21 Trägern gestellt. Nicht alle beantragten Projekte waren förderungswürdig. Mit allen Trägern, deren Projekte nicht sofort als förderungswürdig (aufgrund ihrer Darstellung im Antrag) zu bewerten waren, fanden beratende Gespräche statt. Ein Projekt war nach Ergänzung des Antrages des Trägers förderungsfähig.[21] Unter den außergewöhnlichen Bedingungen, die aufgrund der Pandemie herrschten, konnten im Förderprogramm 20 Projekte in modifizierter Form in den stationären Einrichtungen stattfinden und zwei einrichtungsübergreifende Projekte durchgeführt werden.[22] Gefördert wurden diese Projekte mit einer Gesamtsumme in Höhe von 1.118.145,39 €. Angeboten wurden unter anderem anlassbezogene Fortbildungen und vertiefende Workshops zum Thema Palliative Betreuung sowie die Begleitung und Weiterqualifizierung von Ethikbeauftragten in Einrichtungen der stationären Altenhilfe. Zu den Projektinhalten in den stationären Einrichtungen zählten auch die Verbesserung der psychosozialen Unterstützung, Betreuung und Begleitung überwiegend immobiler, Bewohnerinnen und Bewohner mit psychischen Erkrankungen, [23] die Implementierung ergänzender und seelsorgerischer Angebote im Rahmen der palliativen Betreuung,[24] Maßnahmen zur Verbesserung des interkulturellen Milieus,[25] die Entwicklung eines Konzepts zum Umgang mit Diversität unter Mitwirkung der Bewohnerinnen und Bewohner [26] sowie die Durchführung von Beratungen zu riskantem, missbräuchlichen oder abhängigen Konsum von psychotrope Substanzen. [27] Nicht durchgeführt werden konnten fünf Projekte, da es den jeweiligen Trägern nicht gelang, die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche Projektarbeit in den Einrichtungen zu gewährleisten. Betroffen davon waren vier Projekte die inhaltlich ausgerichtet waren auf: Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuung und Pflege von seelisch behinderten oder psychisch erkrankten Personen, die Entwicklung und Umsetzung eines Konzeptes zur Verbesserung der Betreuung und Pflege von Bewohnerinnen und Bewohnern unter Berücksichtigung der Diversität mit einem besonderen Schwerpunkt Migration, Sozialisation und sexuelle Identität sowie Maßnahmen zur Gestaltung des Aufnahmeprozesses von Personen mit einer psychischen Erkrankung in die Pflegeeinrichtung und schließlich Maßnahmen zur Verbesserung der Handlungssicherheit für Mitarbeiter:innen in der Pflege von psychisch erkrankten pflegebedürftigen Personen. [28] Auch das Projekt mit dem inhaltlichen Schwerpunkt religiöse und kulturelle Diversität in der stationären Pflegeeinrichtung konnte nicht realisiert werden.[29] Die Förderhöhe für alle Projekte im FPWiA umfasste im Jahr 2020 ein Volumen von insgesamt 2.095.873,21 €. 2021 - Anträge auf Förderung / Projekte Zum Zeitpunkt der Antragstellung Ende des Jahres 2020 und im weiteren Verlauf des Jahres 2021 wirkte sich die Ausnahmesituation durch das Auftreten des Corona-Virus SARS-CoV-2 sowohl im zugehenden Bereich als auch im stationären Bereich des FPWiA weiterhin aus. Aber die Bedingungen hatten sich im Vergleich zur Situation, die zu Beginn der Pandemie geherrscht hatte, in einer Weise verändert, die eine Planung für die Durchführung von Projekten im FPWiA leichter ermöglichte. Eine Planung, in die weniger unbekannte Faktoren einzubeziehen waren. Insbesondere gegen Ende des Jahres 2020 zeichneten sich andere Rahmenbedingungen für das Förderprogramm ab. In der Stadt begannen Maßnahmen umgesetzt zu werden, die eine Immunisierung der Einwohner:innen Frankfurts zum Schutz vor einer COVID-19-Erkrankung durch Impfungen zum Ziel hatten. Im Fokus standen zunächst vulnerable Personengruppen. So wurde seit dem

  3. Dezember 2020 durch mobile Impfteams in den Frankfurter Altenpflegeeinrichtungen geimpft. [30] Des Weiteren bestand für die älteren Frankfurterinnen und Frankfurter die Möglichkeit, sich im Mitte Dezember 2020 eröffneten Impfzentrum impfen zu lassen. Nachfolgend konnten auch Schutzimpfungen in Arztpraxen durchgeführt werden. Sonderimpftermine / Impf-Aktionen in unterschiedlichen Frankfurter Stadtteilen wurden durch die mobilen Impfteams in Kooperation mit vielfältigen Partnern ermöglicht. Zudem waren die mobilen Impfteams auch unterwegs, um die nicht mobilen über 80-Jährigen zu Hause zu impfen. [31] Im Jahr 2021 erhielten im Bereich "Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" 15 Projekte von 12 Trägern eine Förderung im Rahmen des FPWiA. Eingesetzt wurde eine Gesamtsumme in Höhe von 985.209,89 €. Neu in die Förderung aufgenommen werden konnte das Projekt eines Trägers, der bisher nicht im Rahmen des FPWiA aktiv war. Das Projekt hatte zum Ziel einen Beitrag dazu zu leisten, dass eine palliative Behandlung für ältere Personen nicht erst im Anschluss an eine krankheitsspezifische Therapie erfolgt, sondern sie zu einem selbstverständlichen Bestandteil einer Gesamttherapie wird und die palliative Versorgung in der eigenen Häuslichkeit erfolgen kann. [32] Fortgesetzt wurden unter anderem die Projekte der zugehenden psychosoziale Beratung und Begleitung für ältere Frankfurter:innen die isoliert und zurückgezogen leben oder psychisch beeinträchtigt sind,[33] die Unterstützung in der Alltagsbewältigung, die Vermittlung von angemessenen Versorgungsangeboten,[34] die Beratungsangebote für Angehörige von älteren Personen mit einer psychischen Erkrankung in Form von regelmäßigen Veranstaltungen, Gruppen und Einzelgesprächen,[35] die zugehende präventive Gesundheitsberatung für ältere Personen, [36] die Fortführung des ehrenamtlichen Besuchsdienstes für ältere männerliebende Männer und ältere HIV-positive Personen [37] und noch immer aktuell: die Begleitung in Krisensituationen. Zwei Projekte wurden in diesem Jahr nicht mehr gefördert, da keine Förderanträge durch die Träger gestellt worden waren.[38] Bei einem weiteren, bisher noch nicht gefördert Projekt im Rahmen des FPWiA, entschloss sich der Träger den Antrag zurückzuziehen. [39] Im Bereich FPWiA-Stationär wurden 25 Projekte von 17 Trägern gefördert. Eingesetzt wurde eine Gesamtsumme in Höhe von 1.793.667,41 €. Von den fünf Projekten, die im Jahr 2020 nicht gestartet werden konnten, wurden in diesem Jahr drei durchgeführt. Inhaltlich ausgerichtet waren diese Projekte auf die Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuung und Pflege von seelisch behinderten oder psychisch erkrankten Personen, die Umsetzung eines Konzeptes zur Verbesserung der Betreuung und Pflege von Bewohner:innen unter Berücksichtigung der Diversität mit einem besonderen Schwerpunkt auf Migration, Sozialisation und sexuelle Identität sowie die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Handlungssicherheit für Mitarbeitende in der Pflege von psychisch erkrankten pflegebedürftigen Personen. [40] Nicht durchgeführt wurde das Projekt zur Gestaltung des Aufnahmeprozesses von Personen mit einer psychischen Erkrankung in die Pflegeeinrichtung und das Projekt mit dem inhaltlichen Schwerpunkt religiöse und kulturelle Diversität in der stationären Pflegeeinrichtung. [41] Im stationären Bereich des FPWiA fortgesetzt werden konnten Projekte, in denen beispielsweise anlassbezogene Fortbildungen und vertiefende Workshops zum Thema Palliative Betreuung angeboten wurden und eine intensive fachliche Begleitung und Weiterqualifizierung von Ethikbeauftragten in den Einrichtungen der stationären Altenhilfe sichergestellt wurden. Zu den Projektinhalten zählten unter anderem auch die Verbesserung der psychosozialen Unterstützung, Betreuung und Begleitung überwiegend immobiler, Bewohnerinnen und Bewohner mit psychischen Erkrankungen,[42] die Implementierung ergänzender und seelsorgerischer Angebote im Rahmen der palliativen Betreuung,[43] Maßnahmen zur Verbesserung des interkulturellen Milieus, [44] die Entwicklung eines Konzepts zum Umgang mit Diversität unter Mitwirkung der Bewohnerinnen und Bewohner [45] sowie die Durchführung von Beratungen zu riskantem, missbräuchlichen oder abhängigen Konsum von psychotrope Substanzen. [46] Zudem konnte ein Projekt neu in das Förderprogramm aufgenommen werden, in dem ein ethisch begründeter Praxisleitfaden für Notfälle im Umgang mit Personen mit einer psychiatrischen Erkrankung entwickelt werden soll. [47] Die Förderhöhe für alle Projekte im FPWiA umfasste im Jahr 2021 ein Volumen von bisher insgesamt 2.778.877,30 €. Inhaltliche Weiterentwicklung des Programms im Schatten der Pandemie Die im Jahr 2020 notwendigen Maßnahmen zur Infektionsprävention in Einrichtungen der stationären Altenhilfe und im öffentlichen Raum hatten Auswirkungen auf die Bewohner:innen in den Frankfurter Altenpflegeeinrichtungen und auch auf die älteren Frankfurter:innen, die zu den Nutzerinnen und Nutzern der Angebote im zugehenden Bereich des FPWiA gehören. Der Alltag dieser vulnerablen Personengruppe hatte sich verändert. Es gab Besuchsverbote, Aktivitäten in den Pflegeeinrichtungen wurden eingeschränkt, es fehlten Kontaktmöglichkeiten und viele öffentliche und private Einrichtungen und Geschäfte waren geschlossen. Dies alles hatte Einfluss auf die gesundheitliche Situation der Bewohner:innen in den Pflegeeinrichtungen und auch die Gesundheit der älteren Frankfurterinnen und Frankfurter in der eigenen Häuslichkeit. Besonders betroffen waren ältere Personen mit psychischen und gerontopsychiatrischen Erkrankungen und ältere Personen, die zurückgezogen leben, weil sie z.B. ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Bestätigt haben sich Erkenntnisse darüber, dass die notwendigen Maßnahmen zur Infektionsprävention, negative Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden von älteren Personen haben. Es konnte das Gefühl von Einsamkeit entstehen, depressive Erkrankungen konnten ausgelöst oder in ihrer Symptomatik verstärkt werden. Damit verbunden ist und war eine erhebliche Verringerung an Lebensqualität. [48] Im zugehenden Bereich des FPWiA war zu Beginn des Jahres 2020 zunächst ein Rückgang in der Inanspruchnahme der Projektangebote und -leistungen durch die Nutzer:innen festzustellen. Im Verlauf des Jahres wurden jedoch die Angebote und Leistungen im Rahmen des FPWiA-Zugehend, die sich explizit auch an allein und isoliert lebende ältere Frankfurter:innen richten, verstärkt nachgefragt. Es handelt sich dabei u.a. um folgende Angebote:[49] - Seniorenlotsen in Sachsenhausen: Aufsuchende Beratung, psychosoziale Begleitung und Koordination personenzentrierter Assistenzleistungen für ältere Menschen im Stadtteil.[50] - Homeworker / Rosa Paten - Ehrenamtliche Begleitung: Besuchsdienst für ältere männerliebende Männer und ältere HIV-positive Menschen.[51] - Zugehende psychologische Beratung von Menschen mit dementiellen und gerontopsychiatrischen Erkrankungen sowie deren Angehörige Schwerpunkt: nördliche Stadtteile und Kalbach - Demenzzentrum.[52] - Lebensbegleitung älterer Menschen mit Behinderung - Psychosoziale Betreuung älterer Menschen mit Behinderung in den westlichen Stadtteilen. [53] - Alter gemeinsam gestalten Süd: Zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung für die südlichen Stadtteile Frankfurts.[54] - Alter gemeinsam gestalten West: Zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung für die westlichen Stadtteile Frankfurts.[55] - Präventive Hausbesuche - West: Zugehende präventive Gesundheitsberatung für Senioren in den westlichen Stadtteilen Frankfurts.[56] - Gemeinschaft wagen - Initiative gegen Einsamkeit im Alter: Regelmäßige Besuchsdienste für sozial isolierte Frankfurter Seniorinnen und Senioren, individuelle Hilfsangebote, Beratung und psychosoziale Betreuung durch gleichbleibende Bezugspersonen. [57] - Unter die Leute kommen: Beratung und Betreuung zu Hause lebender älterer Personen im Frankfurter Osten, die von sozialer Isolation betroffen oder bedroht sind. [58] - Zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung für ältere Menschen mit psychischen Auffälligkeiten - gegen Vereinsamung und ihre Folgen (Stadtteile Westend, Bockenheim, Eckenheim, Eschersheim und Hausen). [59] - Zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung für ältere Menschen mit psychischen Auffälligkeiten - gegen Vereinsamung und ihre Folgen (Stadtteile Ginnheim, Heddernheim, Praunheim, Nordweststadt und Bonames).[60] - Offene Hilfen für ältere Menschen mit Behinderungen.[61] - Ausflug ins Grüne - sozialtherapeutische Tagesausflug für Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen.[62] - Professionelles Case Management: Zugehende Beratung, Wachstum und Innovation. [63] - Sucht im Alter: Zugehende Beratung und Begleitung für ältere Frankfurterinnen und Frankfurter mit einer Suchtproblematik.[64] Insbesondere zu Beginn der Pandemie mussten neue Wege gefunden werden, um die potentiellen Nutzerinnen und Nutzer der Projektangebote und -leistungen zu erreichen beziehungsweise um bestehende Kontakte zu halten. Im Austausch mit den Trägern und den Projektmitarbeitenden und durch eine spezifische Beratung der Träger und Mitarbeitenden sowie einer Unterstützung bei der Sicherstellung der Finanzierung und Förderung, konnten die Angebote und Leistungen in den Projekten den veränderten Bedingungen entsprechend modifiziert und entsprechend weiterentwickelt werden. Der Kontakt mit den potentiellen Nutzerinnen und Nutzer der Angebote und Leistungen wurde zunehmend über Telefon oder Handy hergestellt. Auf diese Weise konnten auch die bereits bestehenden Kontakte zu den Nutzer:innen gehalten und gefestigt werden. Teilweise waren Video-Telefonie oder Videomeetings möglich. Im Verlauf des Jahres 2020 konnten auch wieder die face to face Kontakte zu den Nutzer:innen aufgenommen werden, wenn die herrschenden Rahmenbedingungen es unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften erlaubten. Hierbei berichteten die Träger und Projektmitarbeitenden über einen oftmals erschwerten Zugang zu ihren älteren Personen. Der körperliche Abstand, der eingehalten werden musste und das Tragen eines Mundschutzes verhinderten den gewohnte Umgang miteinander. Die gewohnte Nähe oder der sonst übliche Körperkontakt war nur eingeschränkt möglich. Und dies, obwohl gerade die vulnerablen Personen die gewohnte Nähe und den Körperkontakt zu den Mitarbeitenden gebraucht hätten. [65] Die Mitarbeitenden in den Projekten des FPWiA-Zugehend berichteten des Weiteren, dass durch die Veränderung des Alltags und die sehr eingeschränkten Möglichkeiten der gesellschaftlichen und sozialen Teilhabe während der Pandemie bei der überwiegenden Anzahl von Nutzerinnen und Nutzern ein erhöhter Unterstützungsbedarf entstanden sei. Thematisiert wurden dabei unter anderem die eingeschränkte Möglichkeit zu Kontakten und der erschwerte Zugang zu Unterstützung und Hilfe, die Schließung von Einrichtungen, die den Nutzer:innen Stabilität gaben, eine Verstärkung sozialer Isolation oder eine Retraumatisierung, ausgelöst durch die Reaktivierung von Kriegserinnerungen. Zusammenfassend kann berichtet werden, dass die Gesamtlage, die durch das Auftreten des Corona-Virus SARS-CoV-2 entstand, zu einem starken Anstieg an Nachfragen der Begleitung / Leistungen der Projekte im zugehenden Bereich des FPWiA führte und zugleich zu dem Impuls, die Angebote und Leistungen weiterzuentwickeln, um sie veränderten Bedarfslagen anzupassen. So wurde im Austausch mit den Trägern und den Projektmitarbeitenden im FPWiA-Zugehend verstärkt die Fragestellung aufgegriffen, wie bei der Umsetzung und Durchführung der Angebote und Leistungen der Aspekt der Zusammenarbeit mit weiteren Hilfestrukturen an Bedeutung gewinnen kann, damit den Nutzer:innen passende und notwendige Hilfen und Unterstützung vermittelt werden können. [66] Im stationären Bereich des Programms zeigte sich, obwohl die Frankfurter Altenpflegeeinrichtungen in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt über gut etablierte Hygienestrukturen und profundes Wissen der Mitarbeitenden verfügten, [67] dass bereits zu Beginn des Jahr 2020 eine Situation entstanden war, die die Rahmenbedingungen für die Umsetzung und Durchführung der vorgesehenen Projekte erheblich erschwerte bzw. in Einzelfällen sogar verunmöglichte. Die Organisation und die Durchführung der notwendigen Maßnahmen zur Infektionsprävention bestimmten ab März 2020 weitgehend den beruflichen Alltag in den Einrichtungen. Was zunächst mit der bloßen Einhaltung von Abstandsregeln, dem Verzicht auf Händeschütteln, der Einführung einer Husten-Niesetikette, dem häufigen Händewaschen und dem Lüften der Räume sowie der Durchführung von Vorsichtsmaßnahmen wie in der Grippesaison begann, endete mit Umsetzung der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus SARS-CoV-2, d.h. der Anpassung an sich teilweise wöchentlich wechselnde gesetzliche Vorgaben. [68] Zudem musste in den Einrichtungen sichergestellt werden, dass zum Beispiel alle Mitarbeitenden regelmäßig Unterweisungen im Umgang mit SARS-CoV-2 positiven Bewohner:innen erhielten, ein Besuchskonzept entwickelt und umgesetzt wurde, die Dokumentation von Besuchern und externen Dienstleistern erfolgte oder Schulungen zum Thema des richtigen Anlegens und Tragens der persönlichen Schutzausrüstung etc. erfolgten. [69] Des Weiteren kam es in den Frankfurter Altenpflegeeinrichtungen trotz der Umsetzung aller Maßnahmen zur Infektionsprävention zu Infektionsgeschehen.[70] Im Austausch mit den Trägern und Mitarbeitenden wurde, vor dem Hintergrund der ursprünglichen Projektplanungen, die Umsetzung und Durchführung der Projektmaßnahmen entsprechend den sich ständig veränderten Bedingungen angepasst und wo es möglich war, weiterentwickelt. Dadurch konnte sichergestellt werden, dass die folgenden Projekte umgesetzt bzw. durchgeführt werden konnten: - Inklusion: Barrierefreie soziale Teilhabe für alle Bewohner*innen, Haus Saalburg. [71] - Palliative Betreuung in der stationären Tagesoase für immobil-kognitiv eingeschränkte Bewohner:innen, Oberin Martha Keller Haus.[72] - Diversität: Toleranz für vielfältige Lebensentwürfe, Schwanthaler Carrée. [73] - Psychische Erkrankungen / Gerontopsychiatrische Erkrankungen: Förderung und Erhalt der psychosozialen Gesundheit, St. Konradheim.[74] - Gewaltprävention, Versorgung von psychisch kranken Personen, Alten- und Pflegeheim Anlagenring. [75] - Verbesserung der psychosozialen Unterstützung, Betreuung und Begleitung von überwiegend immobilen Bewohner:innen mit psychischen Erkrankungen im Justina von Cronstetten Stift.[76] - Anlassbezogene Fortbildungen und vertiefende Workshops zum Thema Palliative Betreuung, einrichtungsübergreifendes Projekt.[77] - Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen / Beeinträchtigungen und ihre Inklusion im Altenzentrum St. Josef.[78] - Entwicklung eines Konzepts zum Umgang mit Diversität unter Mitwirkung der Bewohnerinnen und Bewohner im Lebenshaus St. Leonhard.[79] - Inklusion und Diversität, Gewaltprävention und Palliative Versorgung, Santa Teresa Altenzentrum.[80] - Ethikbeauftragte in Frankfurter Einrichtungen der stationären Altenpflege, einrichtungsübergreifendes Projekt.[81] - Sucht im Alter - Ermöglichung einer suchtsensiblen Pflege, einrichtungsübergreifendes Projekt. [82] - Gewaltprävention, Hufeland-Haus[83] - Gewaltprävention, Nellinistift.[84] - Betreuung und Pflege im palliative Prozess von Bewohner:innen mit gerontopsychiatrischen Veränderungen, Haus Aja Textor-Goethe.[85] - Implementierung ergänzender und seelsorgerischer Angebote im Rahmen der palliativen Betreuung, Pflegeeinrichtung Goldbergweg.[86] - Inklusion mehrfachbelasteter Bewohner:innen, Franziska-Schervier Senioren-zentrum. [87] - Inklusion mehrfachbelasteter Bewohner:innen, Pfarrer Münzenberger Haus. [88] - Projekt Integration Messetrum! - Begleitung von Bewohner:innen mit psychischen Erkrankungen, Seniorenresidenz Mainpark.[89] - Interkulturalität / Migration und Diversität, Altenzentrum der jüdischen Gemeinde. [90] Zwei Trägern konnten die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche Projektarbeit nicht sicherstellen, so dass diese ihre Projekte nicht umsetzen konnten und ihre Anträge auf Förderung im FPWiA-Stationär zurücknahmen. [91] Auch im FPWiA-Stationär mussten in der Ausnahmesituation durch das Auftreten des Corona-Virus SARS-CoV-2 neue Wege gefunden und gegangen werden, um die Maßnahmen der Projekte umsetzen zu können. Vielfach wurde die Umsetzung durch digitale Medien sichergestellt, aber auch die Verteilung von Flyern, die z.B. auf das Angebot einer telefonischen, niedrigschwelligen Beratung von Bewohner:innen mit einer Suchtproblematik und deren Angehörigen aufmerksam machte, fanden Verwendung. Um Schulungen oder Fortbildungen umsetzen zu können, wurden Räume außerhalb der stationären Einrichtungen angeboten oder die Formate per Videokonferenz durchgeführt. Zusammenfassend kann berichtet werden, dass die Gesamtlage, die durch das Auftreten des Corona-Virus SARS-CoV-2 entstand, auch im stationären Bereich des FPWiA einen Impuls gesetzt hat, die Projektmaßnahmen weiterzuentwickeln, um sie den sich veränderten Bedarfslagen anzupassen. Wie wesentlich die Öffnung der Altenpflegeeinrichtungen in die Stadtteile ist, durch die Möglichkeit für die Bewohner:innen am gesellschaftlichen und sozialen Leben teilzuhaben oder soziale Kontakte zu pflegen, wurde besonders deutlich durch die Einschränkungen des Lockdowns. Der Aspekt der Zusammenarbeit mit weiteren Hilfestrukturen gewinnt auch im stationären Bereich des Förderprogramms an Bedeutung, damit den Bewohner:innen der Einrichtungen, trotz ihrer Pflegebedürftigkeit weiterhin eine Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben in Frankfurt am Main ermöglicht wird. Wenn auch die Pandemie und damit einhergehende Kontaktbeschränkungen die Vernetzung über die operative Projektarbeit hinaus zunächst erschwert hatten, bleibt es eine wichtige Aufgabe, Synergien und Kooperationen innerhalb des FPWiA zu forcieren. Dabei können etwa quantitative und qualitative Reichweiten der Ansätze gesichert und ausgebaut werden, Synergieeffekte bezüglich Wissen und personellen Kapazitäten erzielt werden, um bestmöglich aufeinander abgestimmte Hilfen für die älteren Frankfurterinnen und Frankfurter anzubieten. Dieser Prozess wird mit den zwischenzeitlich gewonnenen Erfahrungen nun seitens des Magistrates weiter unterstützt und begleitet. Das bisher Erreichte im Frankfurter Programm "Würde im Alter" Bevor über die Ergebnisse und der Nutzen der Maßnahmen und Angebote im FPWiA berichtet wird, ist nachfolgend das Gesamtfördervolumen sowie das Fördervolumen für die beiden Bereiche FPWiA-Zugehend und -Stationär noch einmal zusammenfassend dargestellt.[92] Fördervolumen Frankfurter Programm "Würde im Alter - Zugehende Beratung, Betreuung und Begleitung zu Hause" Jahr Projekte Höhe der Förderung 2019 16 1.111.210,00 € 2020 15 977.727,82 € 2021 15 985.209,89 € Gesamtförderung 3.074.147,71 € Fördervolumen Frankfurter Programm "Würde im Alter - Stationär" Jahr Projekte Höhe der Förderung 2019 23 1.286.165,00 € 2020 22 1.118.145,39 € 2021 25 1.793.667,41 € Gesamtförderung 4.197.977,80 € Gesamtfördervolumen für die Jahre 2019 bis einschließlich 2021 Frankfurter Programm "Würde im Alter" Jahr Projekte Höhe der Förderung 2019 39 2.397.375,00 € 2020 37 2.095.873,21 € 2021 40 2.778.877,30 € Gesamtförderung 7.272.125,51 € Um darzustellen, welche Ergebnisse erreicht und welchen Nutzen die älteren Personen in stationären Einrichtungen der Altenhilfe bzw. in der eigenen Häuslichkeit hatten, werden nachfolgend exemplarisch einige Beispiele genannt. Welchen Nutzen ältere Bürger:innen in hochbelasteten Lebenssituationen durch die entwickelten und durchgeführten Maßnahmen im Zugehenden Bereich des FPWiA haben, wird am Beispiel der drei Projekte "Alter gemeinsam gestalten - Süd und West" und "Zugehende psychosoziale Beratung und Begleitung für ältere Menschen mit psychischen Auffälligkeiten - gegen Vereinsamung und ihre Folgen" dargestellt [93]. Hochbelastende Lebenssituationen bedeuten für die Mitarbeiter:innen der drei Projekte, dass sie ältere Personen antreffen, die sich oftmals in existenzgefährdenden Situationen wie z.B. drohender Wohnungsverlust befinden. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Oft sind es jedoch psychische Beeinträchtigungen oder psychische Erkrankungen, die noch nicht ärztlich diagnostiziert sind. Häufig handelt es sich dabei um depressive Störungen, Wahnvorstellungen oder sich entwickelnde dementielle Prozesse. Die betroffenen älteren Personen leben zurückgezogen und haben kaum Kontakte zu Verwandten, der Nachbarschaft oder zu Freunden und Bekannten in ihrem Wohnumfeld. Hinzu kommen häufig körperliche Erkrankungen und damit einhergehende Mobilitätseinschränkungen. Als Folge davon fühlen sich (oder sind) die betroffenen älteren Personen überfordert und Vernachlässigungstendenzen können zunehmen. Ein Teufelskreis aus sozialer Isolation, der Entwicklung psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen und sozialer Isolation beginnt. Bevor die Mitarbeiter:innen die älteren Frankfurter:innen in hochbelastenden Lebenssituationen antreffen können, sind über einen längeren Zeitraum Maßnahmen erforderlich, um mit den älteren Personen in Kontakt zu kommen Dazu versuchen die Mitarbeiter:innen in den Projekten mehrmals, einen Kontakt zu den betroffenen älteren Frankfurter.innen herzustellen, z.B. durch Telefonanrufe, mehrmaliges Vorbeigehen und klingeln an der Wohnungstür und ggf. kurzen "Flurgesprächen" oder durch den Einwurf von Mitteilungen, die auf die Möglichkeit hinwiesen, sich beraten und begleiten zu lassen. Wenn es gelungen ist, einen ersten Kontakt herzustellen, kann es sein, dass ein Ort gefunden werden muss, an dem ein erstes Gespräch möglich ist, wenn der Zugang zur Wohnung zunächst verweigert wird. Dies kann bspw. ein Café sein. Ist die Kontaktaufnahme geglückt, so stellen die Mitarbeiter:innen bereits im Erstgespräch eine Basis für die weitere Zusammenarbeit mit den älteren Personen her. Dazu ist es notwendig die Eigenständigkeit der Person zu achten, ihren Willen zu respektieren und damit Vertrauen herzustellen. Nichts wird veranlasst oder getan, wenn die betroffene Person nicht damit einverstanden ist. In der weiteren zugehenden Beratung und Begleitung ist es Ziel, die Problemlagen und Schwierigkeiten, die die betroffene Person hat, genau zu erfassen. Dies ist notwendig, um den weiteren Handlungsbedarf herauszufinden und die daraus resultierenden Maßnahmen zu priorisieren. Wesentlich ist, dass die älteren Frankfurter:innen über eine länger andauernde Zeitspanne beraten und auch psychosozial begleitet werden, damit Probleme gelöst und bestehende Schwierigkeiten beseitigt oder zumindest in ihren Auswirkungen gemildert werden. Die Interventionen hierzu sind vielfältig, sie reichen von der Unterstützung bei der Antragstellung bspw. auf Altersgrundsicherung, Moderation von Konflikten im Wohnumfeld oder der Nachbarschaft bis hin zu Kriseninterventionen. Ziel ist es, die Lebenssituation der älteren Person zu stabilisieren und ggf. die Vermittlung erforderlicher Hilfen und Unterstützung. Eine solche Vermittlung gelingt, wenn die Mitarbeiter:innen über gute Netzwerke verfügen. Eingebunden in diese Netzwerke sind die jeweils zuständigen Sozialrathäuser ebenso wie die Sozialbezirksvorsteher:innen, Sozialbezirkspfleger.innen und weitere Akteure, wie z.B. die Wohnungsgesellschaft vor Ort. In beiden exemplarisch vorgestellten Projekten haben die Mitarbeiter:innen ältere Frankfurter:innen, die sich in einer für sie selbst belastenden Lebenssituationen befanden, in den Stadtteilen Westend, Bockenheim, Eckenheim, Eschersheim, Hausen, Ginnheim, Bonames, Heddernheim, Praunheim sowie in der Nordweststadt beraten und in ihrer Alltagbewältigung unterstützt. Auch in den Stadtteilen Sachsenhausen, Niederrad, Goldstein, Schwanheim sowie in den Stadtteilen Nied, Höchst und Unterliederbach waren die Mitarbeiter:innen aktiv. Sie haben die älteren Frankfurter:innen begleitet und sie bei der Lösung ihrer Problemen unterstützt. Bei Schwierigkeiten haben die Mitarbeiter:innen dazu beigetragen, dass diese entweder nicht mehr bestanden oder sie haben Wege aufgezeigt, damit die älteren Frankfurter:innen mit diesen Schwierigkeiten umgehen können und ihre Lebensqualität nachhaltig verbessert wird. Dazu gehörte auch die Beratung im Bereich des Wohnens (insbesondere bei bestehenden Konflikten), die Förderung und Begleitung bei der Wahrnehmung sozialer Kontakte sowie die Vermittlung zusätzlicher Hilfen und Unterstützung. Dies wurde ermöglicht durch die finanzielle Förderung im Rahmen des Frankfurter Programms "Würde im Alter. Im stationären Bereich des Frankfurter Programms "Würde im Alter" sind die Ergebnisse und der Nutzen für die Bewohner:innen zu den einzelnen Querschnittsthemen wie folgt: Sucht im Alter Im Projekt "Sucht im Alter - Schulungen und zugehende Beratung in stationären Einrichtungen der Altenhilfe" wurde die in Präsenzform entwickelte Schulung von Mitarbeiter:innen in der Altenhilfe zu Hintergründen, Umgang und Behandlungsmöglichkeiten bei älteren Menschen mit Suchtproblematik weiterentwickelt in ein Onlineformat. Das Onlineformat erwies sich als nützlich, um die Schulungen in der Ausnahmesituation der Corona-Virus SARS-CoV-2 weiterhin anbieten zu können. Die Unabhängigkeit von einer Örtlichkeit ermöglicht es darüber hinaus, dass die Schulung auch zukünftig einrichtungsübergreifend für die Mitarbeiter:innen der Pflegeeinrichtungen angeboten und in Anspruch genommen werden kann. Das in der Schulung erworbene Wissen befähigt die Einrichtungsmitarbeiter:innen, die Bewohner:innen auf das Angebot der zugehenden Beratung und ggf. Begleitung durch eine:n Mitarbeiter:in der Suchthilfe hinzuweisen, damit die Bewohner:innen dieses Angebot nutzen können, wenn sie es wünschen. So nutzt bspw. eine:n Bewohner:in die Möglichkeit, sich in der Abstinenz unterstützen zu lassen. [94] Gewalt in der Pflege Im Projekt "Gewaltprävention in der Einrichtung" wurden in zwei stationären Pflegeeinrichtungen Interventionsmitarbeiter:innen eingesetzt, deren Aufgabe es ist, durch gezielte Interventionen und deeskalierende Maßnahmen Situationen aufzulösen, in denen es zu gewaltsamen Handeln kommen könnte. Die kurzfristig und situativ abrufbaren Maßnahmen der Interventionskräfte tragen dazu bei, dass die Einrichtungsmitarbeiter:innen entlastet werden und sich die Atmosphäre in den Wohngruppen entspannt und positiv verändert. Sowohl die Bewohner:innen als auch die Mitarbeiter:innen haben einen unmittelbarer Nutzen. [95] Psychische Erkrankungen "Ethisch begründeter Praxisleitfaden für psychiatrische Notfälle in Frankfurter Altenpflegeeinrichtungen." In diesem Projekt wurden Handlungsempfehlungen dazu entwickelt, wie sich die Einrichtungsmitarbeiter:innen in psychiatrischen Krisensituationen verhalten können, um das Recht der Bewohner:innen auf Autonomie zu wahren und dem Anspruch aller Beteiligten auf Schutz und Fürsorge zu entsprechen. Die Bewohner:innen profitieren, wenn die Mitarbeitenden auch in Krisensituation, in denen ein schnelles Handeln zur Abwehr von Schaden notwendig ist, unter Beachtung des rechtlichen Rahmens gut begründet handeln und ihre Persönlichkeitsrechte nicht verletzt werden. [96] Palliative Betreuung Im Projekt "Individuelle Bedürfnisse im Zugehen auf das Sterben von Bewohner:innen mit dementiellem Syndrom bei Verhaltensauffälligkeiten" wurde ein Konzept für die psychosoziale Betreuung und Pflege für diesen Personenkreis entwickelt. Grundlage hierfür waren Gespräche mit den Bewohner:innen und ggf. An- und Zugehörigen, ein Austausch der Pflegemitarbeiter:innen über den Nutzen der von ihnen eingesetzten und individuell auf die jeweiligen Bewohner:innen abgestimmten Maßnahmen. Beobachtbar war nach dem Einsatz von Maßnahmen, die nach dem neuentwickelten Konzept ausgerichtet waren eine Minderung oder das Verschwinden von Angstzuständen und Unwohlsein bei den Bewohner:innen und damit auch ein Rückgang der Verhaltensauffälligkeiten. [97] Interkulturalität / Migration Im Projekt "Interkulturalität/ Migration" wird ein Konzept entwickelt, dass es ermöglichen soll, die eingetretene Entfremdung zwischen einzelnen Gruppen von Bewohner:innen mit unterschiedlicher Zuwanderungsgeschichte zu überwinden, um ein besseres Miteinander in der Einrichtung zu erreichen. Grundlage des Projekts ist die Annahme, dass die Entfremdung überwunden werden kann, weil Einstellungen, Werte und Normen einer Person veränderbar sind. Von Bedeutung für eine Veränderung ist u.a. das soziale Umfeld einer Person. Bestätigt wird diese Annahme durch Beobachtungen in unterschiedlichen Wohnbereichen der Pflegeeinrichtung. In Wohnbereichen, in der homogene Gruppen mit homogener Herkunft leben, werden die an die Mitarbeiter:innen und die Mitbewohner:innen gerichteten Erwartungen schnell statisch und rigide. Neuen und Anderem gegenüber besteht eine skeptische und im Zweifel ablehnende Haltung. In Wohnbereichen, in denen Bewohner:innen mit heterogenem kulturellen Hintergrund leben, ist dies nicht der Fall und es gibt eine größere Offenheit gegenüber Neuem und Anderem. Damit trotz bestehender Unterschiedlichkeit ein besseres Miteinander entstehen kann, wurden Maßnahmen entwickelt und durchgeführt, die das Verständnis für das Anderssein und Fremdsein fördern. So wurde z.B. das Angebot des kreativen Gestaltens für die Bewohner:innen in heterogen zusammengesetzten Kleingruppen[98] weiterhin unter Einhaltung der Hygienevorschriften ermöglicht. Wenn es gelingt ein besseres Miteinander in der Einrichtung zu erreichen, dann können die Bewohner:innen in ihrem Alltag davon profitieren, weil sich Konflikte minimieren und sich die Atmosphäre in der Pflegeinrichtung positiv verändern kann. [99] Inklusion "Inklusion: Barrierefreie soziale Teilhabe für alle Bewohner:innen im Haus". Da sich als Folge des Einzuges in eine Pflegeeinrichtung die sozialen Kontakte der Bewohner:innen minimieren können, wurde in diesem Projekt nach Möglichkeiten gesucht, soziale Teilhabe und Kontakte zu ermöglichen, aufrechtzuerhalten und zu erweitern. Dazu wurde die Kommunikationsplattform myo-App implementiert, die auf die spezifischen Bedarfe im Bereich Wohnen und Pflege angepasst ist. Diese Kommunikationsplattform ist von Nutzen, da sie es den Bewohner:innen ermöglicht, ihre An- und Zugehörigen über ihren Alltag, ihr Befinden und ggf. ihren Gesundheitszustand zu informieren. Mitarbeiter:innen der Einrichtung können es mit Einwilligung der Bewohner:innen, bis zu deren jederzeit möglichen Widerruf, übernehmen, Berichte und Neuigkeiten zu erstellen und in der myo-App den An- und Zugehörigen zur Verfügung stellen. Die Kommunikationsplattform wird nicht als Kontrollinstrument verwendet und wahrt die Persönlichkeitsrechte der Bewohner:innen. Auch Bewohner:innen die selbst kein Smartphone bedienen können, bleiben so in Kontakt mit ihren An- und Zugehörigen. [100] Diversität Im Projekt "Diversität: Toleranz für vielfältige Lebensentwürfe" wurden Maßnahmen entwickelt und durchgeführt, die für Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queer (LSBTI:Q) Bewohner:innen ein möglichst diskriminierungsfreies soziales Umfeld schaffen, das von Akzeptanz und Toleranz geprägt ist. So wurde z.B. das Angebot eines "Diversitätscafés" entwickelt. Die Bewohner:innen der Pflegeeinrichtung, die sich von LSBTI:Q Themen angesprochen fühlen oder deren Lebenswelt sich im diversen Kontext bewegt, können mit dem Café einen Raum zum Austausch nutzen. Pandemiebedingt war der Austausch begrenzt auf die Bewohner:innen untereinander und die Mitarbeitenden der Einrichtung. Zukünftig soll es jedoch ein stadtteilbezogenes "Diversitätscafé" geben. Die Bewohner:innen können sich dann auch mit ihren Nachbar:innen außerhalb der Einrichtung austauschen und die Erfahrung machen, nicht allein mit ihren alltäglichen Belangen zu sein. Als Folge davon können die Bewohner:innen für sich neue Möglichkeiten entdecken, um ein lebenswertes, gutes Leben zu führen. [101] Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung Mit rückläufigem Pandemiegeschehen ist im III. Quartal 2022 im Rahmen der Aktionswoche Älterwerden die Durchführung des Fachtages mit den beteiligten Trägern zum Programm "Würde im Alter" geplant. In dem Zusammenhang ist auch die künftig öffentlich wirksame Darstellung der Programminhalte sowie der durchgeführten Maßnahmen und erzielten Ergebnisse vorgesehen. gez.: Feldmann begl.: Laucks

Beratungsverlauf 1 Sitzung

Sitzung 7
Ausschusses für Soziales und Gesundheit
TO I, TOP 18
Angenommen
nicht auf TO Die Vorlage B 141 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)
Zustimmung:
Grüne CDU SPD Linke AFD VOLT FRAKTION
Ablehnung:
FDP ÖkoLinX-ELF BFF-BIG