Wirtschaftsstandort Frankfurt - Jahresbericht
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Bericht des Magistrats vom 16.09.2011, B 389
Betreff: Wirtschaftsstandort Frankfurt - Jahresbericht Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 27.01.2005, § 8617 - NR 1663 GRÜNE, l. B 654/10 - Der Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main präsentiert sich robust und krisenfest. Der als Anlage beigefügte Jahresbericht 2010 der Wirtschaftsförderung GmbH zeigt auf, dass Frankfurt am Main sich trotz weltweiter wirtschaftlicher Schwankungen stabil entwickelt hat. Die Stadt zählt zu den am schnellsten wachsenden Städten Deutschlands, weist bundesweit die höchste Arbeitsplatzdichte und den höchsten Pendlersaldo auf. Die Beschäftigungszahlen sind gestiegen, die Arbeitslosenzahlen gesunken und im Berichtsjahr 2010 haben sich rund 3.300 neue Unternehmen im Stadtgebiet registrieren lassen. Auch das aktuelle Statische Jahrbuch bestätigt eindrucksvoll, dass sich die Mainmetropole als Wachstumsstadt behauptet hat. Der Frankfurter Arbeitsmarkt hat alle optimistischen Erwartungen zum Teil sogar erheblich übertroffen. Trotz des schwersten Konjunktureinbruchs seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland zeigten die Arbeitsmarktzahlen unerwartet geringe Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs auf. Die Zahl der Kurzarbeiter in Frankfurt am Main nahm stetig ab und parallel erhöht sich die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen. Im Januar waren es knapp 4.900 offene Stellen, im Oktober bereits 8.900 offene Stellen. Ganz besonders hervorzuheben ist die Schaffung von 4.149 Lehrstellen im Handwerk. Es gibt mehrere Erklärungsgründe für die außerordentlich günstige Entwicklung, die der Standort Frankfurt am Main für sich in Anspruch nehmen kann. Zum einen profitiert Frankfurt am Main von seinen grundsätzlichen Vorzügen als Wirtschaftsstandort: Ø Die Infrastrukturvoraussetzungen der Mainmetropole im Zentrum Europas sind exzellent. Mit dem Flughafen, dem Fernbahnhof und dem Autobahnkoten ist die optimale verkehrstechnische Anbindung gewährleistet. Als digitaler Knotenpunkt nimmt Frankfurt in der digitalen Welt eine ebenso große Bedeutung ein wie im internationalen Luftverkehr der Flughafen Frankfurt und ist somit in dieser einzigartigen Konstellation mit keiner anderen Stadt in Deutschland oder Europa zu vergleichen. Ø Die Region bietet mit 5,5 Mio. Einwohner, 365.000 Unternehmen und einem BIP von über 200 Mrd. € - den Unternehmen am Standort einen Riesenmarkt vor der Haustür. Ø Frankfurt am Main ist weltweit eine gute Adresse: die vielseitig aufgestellte Stadt behauptet sich ausgezeichnet im internationalen Wettbewerb. International wird Frankfurt am Main hauptsächlich als Bankenmetropole wahrgenommen, die sich aber zunehmend den Ruf erwirbt, als die Stadt der kurzen Wege besonders effizient und gut aufgestellt zu sein. Ø In Frankfurt lässt es sich gut arbeiten und leben, das belegen auch die seit einigen Jahren wachsenden Einwohnerzahlen. Der Standort verfügt über eine differenzierte Wirtschaftsstruktur mit wertschöpfungsstarken Unternehmen: über 91.000 € BIP pro Erwerbstätigen bedeutet einen europäischen Spitzenplatz. Frankfurt und seine Umgebung haben in puncto Lebensqualität immens viel zu bieten. Viele Unternehmen schätzen insbesondere die weltoffene Atmosphäre, die sie in der traditionsreichen Messestadt Frankfurt vorfinden. Zahlreiche internationale Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen für die überdurchschnittlich junge und dynamische Bevölkerung, das beeindruckende Kulturangebot und die Nähe zur Natur machen den Standort außerordentlich attraktiv. Die Stadt Frankfurt am Main hat die Infrastrukturen kontinuierlich weiter verbessert. Dazu zählt z.B. auch die Realisierung einer ausreichenden Energieversorgung im Bereich der digitalen Infrastruktur. Dank der rund 170 Millionen aus den Sonderkonjunkturprogrammen von Bund und Land und der knapp 400 Millionen aus dem eigenen städtischen Etat verfügte Frankfurt über die größte Investitionssumme der Geschichte. Das regionale Handwerk hat sowohl vom Konjunkturpaket wie auch von den regulären Ausschreibungen der Stadt profitiert, denn die Mehrzahl der Aufträge ist vor allem an Unternehmen aus Frankfurt und der Region gegangen. Die Höhe der vereinnahmten Gewerbesteuer beim Jahresergebnis 2010 der Stadtkämmerei lässt auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen am Standort schließen. Auch die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung bedingt die positive Situation. Ziel der Wirtschaftsförderung ist es, Unternehmen und Beschäftigte in Frankfurt zu halten und darüber hinaus Neuansiedlungen, also Wachstum und zusätzliche Arbeitsplätze, zu erreichen. Sie bietet eine aktive Firmenberatung und verfolgt clusterbezogene Ansiedlungsstrategien. Als Beratungs- und Servicestelle für Frankfurter Unternehmen, auswärtige und ausländische Investoren und Existenzgründer unterstützt die Wirtschaftsförderung Frankfurt ihre Kunden bei den erforderlichen Schritten von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Geschäftseröffnung in Frankfurt. Die Vermarktung des Wirtschaftsstandortes Frankfurter in aller Welt und die Aufgabenstellung, Unternehmen in die Region zu locken, wurde zum größten Teil der Frankfurt RheinMain GmbH übertragen. Die Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH hat im letzten Jahr den 2009 eingeschlagenen Kurs gehalten, und die Bestandspflege und die Bestandsentwicklung weiter intensiviert, denn der bei weitem größte Teil des lokalen Wirtschaftsgeschehens wird von der ansässigen Wirtschaft bestimmt. Durch die Konzentrierung auf diese ureigene Aufgabe konnten in 2010 mehr Unternehmen bei der Lösung ihrer Standortprobleme geholfen werden als jemals zuvor. Insgesamt wurden 1750 Fälle betreut, das entspricht einer Steigerung von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist ein absolutes Rekordergebnis. Diese Zahlen stehen als Beweis dafür, dass die Wirtschaftsförderung als Institution bekannter ist als früher und in der Funktion als Problemlöser gewachsen ist. Die Fallstatistik auf Seite 28 des beigefügten Jahresbericht 2010 liefert eine detaillierte Übersicht über die Standortprobleme der lokalen Wirtschaft. Die systematische Einbindung und Vernetzung der Frankfurter Unternehmen vom Global Player bis zum Existenzgründer in das Wirtschaftsgeschehen der Stadt zeigt Wirkung: es stärkt den Standort und bündelt die Ressourcen. Die Stadt steht im internationalen Wettbewerb mit rund 100 Metropolregionen und ist gefordert, künftig neben ihren Stärken in den Bereichen Finanzen und Handel, Mobilität und Logistik weitere attraktive wirtschaftliche und - vor allem auch zukunftsweisende - Voraussetzungen zu schaffen. Ein gezielter Schwerpunkt der kommunalen Wirtschaftsförderung ist demzufolge die Förderung der Kreativwirtschaft am Standort und die Zielsetzung, die Strahlkraft des Standortes für Kreative zu erhöhen. Mit zahlreichen Aktivitäten wurde der für den Standort wichtigen Branche ein gutes Umfeld geschaffen und die Wichtigkeit erkannt, die hiesige Kreativwirtschaft wertzuschätzen. Im Schulterschluss mit dem Land und der Region ist es Frankfurt am Main gelungen, einem harten Wettbewerb mit Berlin, München und Hamburg standzuhalten und den ADC mit seinem Festival der Kreativität nach Frankfurt zu holen. Der "kreative Höhepunkt" des Jahres 2010 war somit der ADC-Gipfel, das größte Treffen der Kreativbranche im deutschsprachigen Raum, das erstmals in Frankfurt am Main stattfand und über 10.000 Besucher aus ganz Europa zählte. Aus zielgerichteten Maßnahmen resultierten greifbare und vorzeigbare Ergebnisse: das beim "Round Table Musikwirtschaft" von der Branche gewünschte Rampenlicht für die Musikstadt Frankfurt war der am Ende ausschlaggebende Anknüpfungspunkt, um den "Live Entertainment Award (LEA)" von Hamburg nach Frankfurt zu holen. Mit einer glamourösen Gala-Nacht in der Festhalle wird diese Preisverleihung in den kommenden 5 Jahren die weltweit größte Musikmesse mit viel Glanz und Pomp eröffnen und damit die Stadt und die Branche um ein gesellschaftliches Ereignis bereichern. Der Filmbeauftragte der Stadt aus dem Büro des Wirtschaftsdezernenten ist ein weiteres Zeichen für die anvisierte Positionierung der Mainmetropole als Filmstadt. Unterstützt wurden im Berichtsjahr u.a. die Dreharbeiten zu den Filmen "Playoff" und "What a man", die wunderbare Bilder von Frankfurt zeigen. Ein überaus wichtiges Ergebnis gemeinsamer Standortarbeit ist die Gründung der Initiative "Digital Hub", die sich zum Ziel setzt, die immens hohe Bedeutung der digitalen Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main und dessen Zukunft zu fokussieren. Das Vorhandensein schneller Internetverbindungen und Zugänge sichert vielen Unternehmen einen Wettbewerbsvorsprung, von dem alle Branchen profitieren. Für die zukünftige Weiterentwicklung gilt es nun, die am Standort vorhandenen hochkarätigen Kompetenzen zu bündeln und gezielt noch stärker mit der Wissenschaft zu vernetzen. Neben der Bestandspflege standen auch im Berichtsjahr 2010 Unternehmen mit Existenzgründungen im Fokus. Mit einem Bündel von Maßnahmen unterstützt die Stadt leistungsbereite und ideenreiche Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Der Frankfurter Gründerpreis mit Empfang im Kaisersaal hat sich etabliert, das Kompass-Zentrum arbeitet sehr erfolgreich seit 10 Jahren, die Gründermesse platzt aus allen Nähten. Zahlreiche, spezielle Kooperationsprogramme stärken das wirtschaftspolitische Handlungsfeld des Gründergeschehens. Zahlen belegen, wie viel Potenzial für die Stadt in den Gründern steckt. Die insgesamt 41 Preisträger des Frankfurter Gründungspreises (2001 -2010) sind noch zu 75% auf dem Markt vertreten und haben bereits über 800 Arbeitsplätze in Frankfurt geschaffen. Seit 2010 stehen zwei weitere wichtige Instrumente zur Verfügung, die wesentlich zu dem erklärten Ziel, Frankfurt am Main als Gründerhauptstadt zu etablieren, beitragen werden: · im Mai 2010 wurde das MAINRAUM Gründerhaus Kreativwirtschaft eröffnet. Die Wirtschaftsförderung als Betreiberin bietet dort Existenzgründern aus den Bereichen Software/Games, digitale Welten und Design günstige Büros in zentraler Lage an, um Unternehmensgründungen mit speziellen Anforderungen - z.B. an die digitale Anbindung - den Markteinstieg zu ermöglichen. So ist Frankfurt am Main gemäß einer Studie, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zusammen mit Microsoft Deutschland erarbeitet hat, Spitzenreiter bei den High-Tech-Gründungen deutschlandweit. · im Juni startete die Stadt ihren eigenen innovativen Frankfurter Gründerfonds, der die Kreditvergabe an Gründungsunternehmen im Bereich von 2.500 - 5.000 € unterstützt. Die Jungunternehmer haben mit dem Gründerfondsbüro ConCap eine zentrale Anlaufstelle von der Beurteilung der Geschäftsidee bis hin zur quartalsweisen Kontrolle der Geschäftsentwicklung nach der Kreditvergabe. Frankfurt ist seit jeher eine Stadt, in der das Handwerk fest verankert und verwurzelt ist. So wurde auch im Berichtsjahr gut und konstruktiv mit den Handwerksorganisationen zusammengearbeitet. Die Stadt Frankfurt hat mit vielen eigenen Projekten und Investitionsprogrammen Impulse initiiert und gemeinsam mit der Handwerkskammer und den Innungen die interessierten heimischen Handwerksbetriebe gezielt über die neuen Rahmenbedingungen der öffentlichen Vergabe informiert. Gemeinsame Informationsveranstaltungen und eine speziell eingerichtete Hotline sorgten dafür, dass sich die Frankfurter Handwerksunternehmen rege an den Ausschreibungen beteiligten. Das Handwerk zählte 2010 im Stadtgebiet rund 7.300 Handwerksbetriebe mit ca. 60.000 Beschäftigten und ca. 2.500 Auszubildenden und bildet mit seiner Vielseitigkeit und Innovationskraft das Kernstück der Frankfurter DNA. Die 1919 gegründete "Stiftung zur Förderung des Handwerks", deren Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH obliegt, hat auch im Berichtsjahr in vielen Bereichen und Einzelfällen unkompliziert und praxisnah beraten, gefördert, informiert und vermittelt. Auch im Kernbereich Logistik und Mobilität konnten im Jahr 2010 wichtige Grundsteine für die Zukunft gelegt werden. Mit der Gründung des House of Logistics & Mobility (HoLM GmbH) wird vor allem der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gefördert. Gleichzeitig festigt es die Position von Frankfurt am Main als nationales und europäisches Distributionszentrum. Die Wirtschaftsförderung ist als einer der Initiatoren des HoLM in dieses Leuchtturmprojekt involviert, von dem ein spürbarer Signaleffekt bei der Logistik- und Mobilitätswirtschaft zu erwarten sein wird. Ebenso konnte im Bereich der Immobilienwirtschaft, einer der Zielbranchen der Wirtschaftsförderung, die Netzwerkarbeit weiter intensiviert und ausgebaut werden. Die Immobilienunternehmen sind ein bedeutender Partner bei Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung. Das Engagement auf den großen Immobilien- und Standortmessen MIPIM und EXPO Real schafft wichtige Möglichkeiten der Repräsentation von Frankfurt am Main sowie neuer Entwicklungsprojekte und Bauvorhaben. Ganz besonders hervorzuheben ist, dass die Zahl der Partnerunternehmen der Stadt auf beiden Messen stetig gestiegen ist: 21 Standpartner bei der MIPIM 2010, 27 Standpartner bei der Expo Real 2010. Beide Messen bieten die Gelegenheit, interessante Projekte vorzustellen und für Frankfurt bzw. Frankfurter Raum zu werben. Ergänzend für die Tourismusbranche bleibt festzustellen, dass mit 2.088.260 Gästen (+ 15 %) bei 3.366.242 Übernachtungen (+ 12,1%) 2010 ebenfalls neue Rekordwerte erzielt wurden. Mit 249 Hotelbetrieben - 21 Betriebe mehr als im Vorjahr - und knapp 35.500 Betten ist das Frankfurter Bettenangebot noch nie so groß gewesen. Der Tourismus ist ein sehr wichtiger Baustein für den Wirtschaftsstandort, der mit der enormen Entwicklung am Flughafen - vor allem in den Bereichen Gastronomie und Einzelhandel - noch mehr an Bedeutung gewinnt. (Hinweis: Änderung gemäß Schreiben des Hauptamtes vom 26.10.2011 siehe Anlage 2) Fazit: Der Magistrat ist davon überzeugt, dass er mit seinen bisherigen kommunalpolitischen Maßnahmen zu einer konsequenten Stärkung des Wirtschaftsstandortes Frankfurt am Main beigetragen hat und mit dem eingeschlagenen Weg den Standort weiter stabilisieren wird.
Bestandspflege, Gründergeschehen, die dezernatsübergreifende Betrachtung der Einzelhandelslagen in den Stadtteilzentren und die Stärkung der Schlüsselbranchen werden weiterhin die bestimmenden Arbeitsfelder der kommunalen Wirtschaftspolitik sein. Die Verknüpfung von optimalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und familienfreundlichem Ambiente trägt schließlich zu einer prosperierenden Metropole bei. Anlage 1 (ca. 1,3 MB) Anlage 2 (ca. 7 KB)