Grabsteine der NS-'Euthanasie'-Gräber in Frankfurt
Bericht
Für die Überarbeitung der Grabsteine wurde 2016 von einem Steinmetz eine grobe Kostenschätzung vorgenommen. Das Einbringen neuer Grabplatten mit den korrekten Daten der Verstorbenen in einfacher Ausführung war mit knapp 165.000 Euro veranschlagt. Dafür müssten nach Auskunft des Regierungspräsidiums beim Innenministerium Mittel beantragt werden. Der aktuelle Sachstand hierzu ist nicht bekannt. Das Grünflächenamt wird sich diesbezüglich mit dem Regierungspräsidium erneut in Verbindung setzen. Der Magistrat ist allerdings nicht in der Position, diesbezügliche Forderungen an das Regierungspräsidium zu stellen. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass das Regierungspräsidium in diesem und den folgenden Jahren erhebliche Zuschüsse an die Stadt Frankfurt leistet, um die Grabsteine auf dem alten jüdischen Friedhof in der Rat-Beil-Straße zu sanieren. Zu berücksichtigen ist, dass der Frankfurter Hauptfriedhof als Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen ausgewiesen ist. Eine Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen zu möglichen Veränderungen an den Grabsteinen der NS-'Euthanasie'-Gräber respektive deren Ersatz wurde angefragt. Für die Erforschung der Frankfurter 'Euthanasie'-Opfer bilden die vom 'Arbeitskreis Zwangs-sterilisation und ‚Euthanasie' Frankfurt am Main' recherchierten Namen und Lebensdaten der auf der Gräberanlage für NS-Opfer auf dem Hauptfriedhof beigesetzten Urnen die Grundlage (www.graeberfeld.copyriot.com). Aktuell erforscht an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Goethe-Universität die Arbeitsgruppe 'Geschichte der Psychiatrie' die Verstrickung der Klinik in die NS-'Euthanasie'. Im Rahmen des von Dr. med. Moritz Verdenhalven geleiteten Projekts werden zum Beispiel auch die im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden archivierten Fallakten der Nervenklinik ausgewertet. Die vom Frankfurter Gesundheitsamt am Fritz Bauer Institut geförderte Studie 'Sozialhygiene und Gesundheitspolitik in Frankfurt am Main 1920 bis 1960' befasst sich unter anderem mit dem Thema 'Kinder-Euthanasie'. Die Ergebnisse der drei Forschungsstränge könnten in ein Gedenkbuch für die Frankfurter Opfer der nationalsozialistischen 'Euthanasie'-Morde münden. Für Bremen oder München liegen beispielgebende Erinnerungsbücher bereits vor. Die Bände bestehen jeweils aus zwei Teilen: Zunächst werden die Namen und Lebensdaten aller bekannten 'Euthanasie'-Opfer aus Bremen beziehungsweise München aufgelistet und somit für die Nachwelt erhalten. Hierauf folgen Beiträge zu den historischen Zusammenhängen und zu einzelnen Lebensgeschichten. Die Recherche der Namen und Lebensdaten sowie die Herausgeberschaft sind im Werkvertrag zu vergeben und würden etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Hierfür entstünden Honorarkosten analog zur Tarifgruppe 13 TVöD. Dazu kämen noch Reise-, Hotelkosten, Autorenhonorare und Druckkosten. Dies könnte mit ca. 65.000 Euro veranschlagt werden.