Wirtschaftsstandort Frankfurt - Jahresbericht
Bericht
Am Ende des Jahres 2019 war bereits wegen der beginnenden Eintrübung der Weltkonjunktur mit einem mäßigeren Wachstum für die Stadt Frankfurt am Main und ihrer Wirtschaft zu rechnen. Zu Beginn des Jahres war nicht zu erahnen, dass die verstörenden Bilder aus Wuhan in China, die den verzweifelten Kampf der dortigen medizinischen Personals gegen eine seltsame Seuche zeigten, sich sehr bald in Europa wiederholen würden und die sich pandemisch ausbreitende Krankheit die Wirtschaft zeitweilig zum Erliegen bringen würde. Die Bilanz des Wirtschaftsjahres sieht - unter Berücksichtigung der teils dramatischen Auswirkungen der Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen für einzelne Branchen - dank der Robustheit der Frankfurter Wirtschaft und der vielen Hilfsmaßnahmen nicht ganz so negativ aus. Wie stark sich die CoViD-19-Pandemie auf die Wirtschaft auswirkte, konnte man am Arbeitsmarkt ablesen. Unterbrochene Lieferketten und anfangs auch Unsicherheiten in der Umsetzung von Hygienevorschriften in Verarbeitungsbetrieben waren Hauptgründe für Produktionsniederlegungen im verarbeitenden Gewerbe. Dies sollte aber nur in der ersten Welle der Pandemie eine Rolle im Wirtschaftsleben spielen, während es die Gastronomie und die Reisebranchen - hier vor allem den Passagierluftverkehr - wesentlich stärker beeinträchtigen sollte. Dank des Instruments der Kurzarbeit konnten Entlassungen weitgehend vermieden werden. Die Zahl der Beschäftigten fiel nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums in Frankfurt am Main um fast 10.000 Personen oder 1,6 %, obwohl das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands preisbereinigt um 4,6% zurückging. Entlassungen gab es tendenziell eher bei Teilzeitkräften und geringfügig entlohnten Beschäftigten (z. B. "Mini-Jobber"), während man in den hart betroffenen Branchen große Teile der Belegschaft in Kurzarbeit schickte, um sie bis zum Tag "X", an dem alles vorbei sein würde, nicht zu verlieren. So hatten die Arbeitsagenturen bundesweit im ersten Lockdown eine nie dagewesene Flut von Anträgen zu bewältigen. Bis Ende April 2020 - also sechs Wochen nach Beginn der ersten Lockdown-Maßnahmen - waren bei der Agentur in Frankfurt am Main 166.000 betroffene Arbeitsplätze von mehr als 8.500 Betrieben angezeigt worden. Das bedeutet, dass jeder dritte Betrieb in Frankfurt vorsorglich Kurzarbeit anmeldete und hierbei mögliche Kurzarbeit für 27% der Beschäftigten in der Stadt angezeigt wurde. Tatsächlich wurden bis Anfang August dann allein für den Monat April für rund ein Fünftel (122.000) der Frankfurter Arbeitsplätze Kurzarbeitsgeld abgerechnet. Am härtesten waren Betriebe des Gastgewerbes betroffen. Deutschlandweit waren zwei Drittel der Beschäftigten in Beherbergungsbetrieben und drei Fünftel der Beschäftigten in der Gastronomie von Kurzarbeit betroffen. In Frankfurt am Main, wo vor allem das internationale Messe- und Kongressgeschäft fast vollständig einbrach, dürfte der Prozentsatz sogar höher ausgefallen sein. Daher dürften hier weit mehr als 17.000 der 26.300 Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen gewesen sein und weitaus länger als in anderen Teilen der Republik, wo viele im Sommer wieder voll arbeiten konnten. Eine Besonderheit des Frankfurter Arbeitsmarkts ist die relativ hohe Bedeutung der Luftfahrt innerhalb des Logistik- und Verkehrssektors. In der Luftfahrt waren laut bundesweiter Statistik rund zwei Drittel aller Jobs in Kurzarbeit, wobei von allen deutschen Arbeitsplätzen in dieser Branche (knapp 68.000) mehr als die Hälfte (fast 37.000) den Sozialversicherungsträgern mit Arbeitsort Frankfurt am Main gemeldet sind. Die überwiegende Zahl dieser Beschäftigten musste auch im Sommer noch weiter in Kurzarbeit bleiben. Hinzu kamen die zahlreichen Beschäftigten des Boden- und Abfertigungspersonals bei Fraport und anderen Gesellschaften, die in die Kurzarbeit gehen mussten. Aber trotz des Wegfallens der überwiegenden Zahl der Passagierflüge mit viel Fracht im Flugzeugbauch konnte sich Frankfurter Flughafen in Europa als größter Frachtflughafen halten: während der Passagierverkehr - aufs Jahr gerechnet - um mehr als 73% einbrach, ging der Frachtumschlag um lediglich 8,3% zurückging. Auch einige unternehmensorientierte Dienstleistungsbereiche im Beratungssektor hatten überproportionale Kurzarbeit zu verzeichnen. Dort waren mitunter 40% der Beschäftigten in Kurzarbeit. Branchen, die in Frankfurt am Main überproportional stark vertreten sind und in den letzten Jahren auch zu den Treibern des Beschäftigungswachstums gehörten, mussten starke Einbrüche im internationalen Geschäft verzeichnen. Im Einzelhandel war durchschnittlich jede fünfte Arbeitsstelle von Kurzarbeit betroffen. Allerdings war der Einzelhandel recht unterschiedlich von den Anti-Pandemiemaßnahmen betroffen. Während viele Fachhandelsgeschäfte zeitweise völlig schließen mussten, konnten viele Supermärkte - erst recht große mit erweitertem Non-Food-Angebot - sogar ihre Umsätze steigern. Um zeitnah auf dem Laufenden zu sein, sich schnell beraten und Vorschläge und Anregungen an die Landesregierung machen zu können, hat der Wirtschaftsdezernent Markus Frank für den Magistrat den Frankfurter Krisenstab (ab Juni "Frankfurter Wirtschaftsstab") einberufen. Dieser trifft sich ca. zweiwöchentlich per Videokonferenz, tauscht sich über die aktuelle Lage der Frankfurter Wirtschaft aus und koordiniert das weitere Vorgehen der Akteure wie beispielsweise die Kammern, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, Gewerkschaften und Arbeitgeberverband. Um auch nach der Pandemie die Erfolge Frankfurts im Hinblick auf die Attraktivität der Stadt als Wirtschaftsstandort fortführen zu können, haben der Wirtschaftsdezernent und die Wirtschaftsförderung Frankfurt ebenso wie die Kammern und weitere Akteure viele unterstützenden Maßnahmen für die Unternehmen und Gewerbetreibenden in der Stadt durchgeführt. Zahlreiche Beratungsangebote für Unternehmen in der Stadt wie auch ansiedlungsinteressierte Unternehmen aus dem In- und Ausland wurden digital durchgeführt. Die Wirtschaftsförderung hat daher die IT-Infrastruktur und die Ausstattung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend aufgerüstet. Trotz der getrübten Stimmung in der Wirtschaft, konnten doch einige Weichen für die Zukunft Frankfurts als attraktivem Standort gestellt werden: Die Finanzbranche, die seit Jahren im Großen und Ganzen wegen zahlreicher Fusionen, Konzentrations- und Rationalisierungsmaßnahmen und des Kostendrucks Personal abbaut und die Filialen reduziert, hat sich in den letzten Jahren in Frankfurt (mit nächstem Umland) stabilisiert und ist seit dem Brexit in Frankfurt gewachsen. Wenn man den für den Brexit weniger relevanten Bereich der Versicherungen herausrechnet, so sind die Branchen der Banken und Kreditinstitute wie des Börsenwesens und ihrer Kapitalanlagegesellschaften und Pensionskassen in Frankfurt am Main von Ende 2015 bis Ende 2020 um über 8% oder 5.350 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gewachsen. Die Stadt Berlin konnte allem Anschein nach stark vom Hauptstadtimage bei internationalen Instituten punkten und in den fünf Jahren ihre Beschäftigung im Bereich Banken und Börsen um über 25 % oder fast 6.000 Personen aufstocken und sich somit auf Platz drei vor Hamburg schieben. Der Stern von Frankfurts langjährigem Hauptkonkurrenten München, der mit der Ansiedlungspolitik seiner Landesregierung in den 90er Jahren eine Reihe von Kapitalanlagegesellschaften an die Isar holen konnte, sich durch den Aufkauf der Dresdner Bank durch die Allianz-Gruppe und der Fusion von Bayerischer Hypotheken- und Wechselbank und der Bayerischen Vereinsbank gestärkt sah, scheint in der Finanzierungs- und Kapitalanlagewelt nicht mehr so zu glänzen: in der Zeit von Ende 2015 bis 2020 nahm die Beschäftigung hier netto nur um knapp 2% oder 600 Personen zu; im Laufe des vergangenen Jahres wurden sogar 750 Arbeitsplätze abgebaut. Frankfurt bleibt weiterhin stark als IT-Standort: Die Boom-Branche der letzten Jahre wies im bundesweiten Durchschnitt einen leichten Stellenabbau auf, konnte vor Ort jedoch ein Plus von netto knapp tausend Arbeitsplätzen verbuchen. Auch der größte Internetknoten der Welt, was die Durchsatzmenge an Daten anbelangt, der DeCIX im Frankfurter Osten, konnte erneut einen Weltrekord verzeichnen: im November 2020 wurde ein Spitzen-Datenverkehr von 10,4 Tera-Bits pro Sekunde gemessen. Das von der Wirtschaftsförderung begleitete "Elektromobilitätskonzept und Umsetzungsstrategie für die Stadt Frankfurt am Main - Elektromobilität 2030 in Frankfurt am Main" wurde am 7. Mai 2020 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Die von der Wifö geleitete städtische Ladeinfrastruktur-Arbeitsgruppe beschleunigt den Prozess vom Antrag bis zur Umsetzung des Baus von Elektro-Lade-Einrichtungen in der Stadt. Trotz der Diskussionen um die Zukunft des Büromarktes dank "New Work" und "Home-Office" bleibt Frankfurt a. M. der viertgrößte Büromarkt der Republik. Trotz des allgemeinen Nachfragerückgangs am Büromarkt gab es Preissteigerungen bei den Spitzenlagen und erfreuliche Abschlüsse im Frankfurter Norden und Osten. Außerdem gab es Baufertigstellungen in der Größenordnung von über 22 ha Bürogeschossflächen und es sind weitere Gebäude im Bau und in Planung. Damit Frankfurt am Main innerhalb der Stadtgrenzen auch in Zukunft - gerade im Interesse der Bürger wie auch der Unternehmen - ein umfassendes Angebot an handwerklichen Dienstleistungen und Produkten aufweisen kann und dabei auch viele zukunftsfähige Ausbildungsberufe, wurde das Projekt Azubi-Wohnheim vorangetrieben. Neu hinzu kommt die Prüfung der Machbarkeit von Handwerkerhöfen nach Münchener Vorbild. Ziel ist es, auch für kleinere Unternehmen mit Lärm- und Verkehrsaufkommen bezahlbare innerstädtische Standorte zu ermöglichen. Dem fortschreitenden Verlust an Gewerbeflächen stehen reale Anfragen von Unternehmen an die Wirtschaftsförderung nach großen zusammenhängenden Flächen gegenüber: im Zeitraum von 2017 bis Ende 2020 sind von ansiedlungs-, verlagerungs- und expansionsinteressierten Betrieben bei der Wirtschaftsförderung insgesamt 69 Immobilienanfragen nach Gewerbegrundstücken eingegangen. Das Volumen der Anfragen bewegte sich, wenn man die jeweils gewünschten Mindest- und Maximalflächengrößen aufaddiert, in der Summe zwischen 135 und 186 Hektar. Im Einzelnen entfielen 36 Anfragen auf Bestandsbetriebe aus Frankfurt am Main mit Flächengesuchen, die in der Summe 18 bis 28 Hektar angefragte Fläche ergeben. 33 ansiedlungswillige Betriebe fragten nach Flächen von insgesamt 117 bis 158 Hektar. Von diesen 69 Anfragen konnten 49 nicht mit geeigneten Flächen bedient werden. Von den zwanzig Betrieben, denen geeignete Flächen angeboten werden konnten, entschieden sich die zwölf Frankfurter wie auch die acht auswärtigen Unternehmen weder für eine Betriebsverlagerung noch für eine Neu-Ansiedlung. Um ansässige Betriebe im Stadtgebiet halten und weitere attraktive Betriebe ansiedeln zu können, ist die Notwendigkeit zur Bereitstellung eines bedarfsgerechten Flächenangebots essenziell. Nach Jahren von Erfolgs- und Wachstumsmeldungen wurde der Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main im Jahr 2020 hart geprüft. Das erneute Anwachsen der Inzidenzzahlen im Herbst und der dann folgende zweite Lockdown machten klar, dass auch das Wirtschaftsjahr 2021 ganz vom Verlauf der CoViD-19-Pandemie geprägt sein würde. Es ist davon auszugehen, dass die Robustheit und Vielseitigkeit der Frankfurter Wirtschaft - wie auch die vielen vorausschauend gestellten politischen Weichen - die weitere wirtschaftliche Prosperität Frankfurts sichern werden. Wir empfehlen die Lektüre des Jahresberichts 2020 der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH, worin viele der in diesem Bericht angerissenen Fakten vertiefter und detaillierter dargestellt werden.