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Römisches Kulturerbe in Heddernheim sichern

Vorlagentyp: M

Beschlussvorschlag

  1. Dem Erhalt von drei der als besonders bedeutsam eingestuften Befunde vor Ort (Töpferofen unter Schutzbau Nr. 3; "Kultkeller"; drei Töpferöfen) in Einklang mit der geplanten Wohnbebauung durch die ABG-Holding, digitale Erfassung der Befunde unter den Schutzbauten 1 und 2, Bergung, Aufarbeitung und Präsentation des Holzkellers vor Ort nach Abschluss der Bauarbeiten wird zugestimmt.
  2. Es dient zur Kenntnis, dass das Baufeld "In der Römerstadt 126-134" durch eine archäologische Grabung des Denkmalamtes erschlossen und sämtliche Befunde dokumentiert wurden. Das Archäologische Museum hat eine Expertise zur wissenschaftlichen Bedeutung der Befunde erarbeitet und Möglichkeiten zur Präsentation nach Vorbild internationaler Beispiele aufgezeigt. Der Plan der Grabung und das Konzept sind dem Vortrag des Magistrats als Anhang beigefügt. Weiterhin wird zur Kenntnis genommen, dass die ABG Frankfurt Holding Erhalt und Integration des bislang durch den Schutzbau 3 (vgl. Expertise Archäologisches Museum) gesicherten Töpferofens sowie der drei neu entdeckten Töpferöfen und des Steinkellers "Kultkeller" in die geplante Wohnbebauung geprüft und finanziell hinterlegt hat. Durch diesen Erhalt werden nach aktuellem Planungsstand 27 Stellplätze und 5 Wohnungen nicht realisiert. Der in 3. erwähnte Befund (Holzkeller) wurde bereits im Sommer 2023 geborgen, um Witterungsschäden in den Wintermonaten zu vermeiden. Bilder der letztgenannten Befunde sind dem Vortrag des Magistrats ebenfalls beigefügt.
  3. Der Magistrat wird beauftragt,
    • a)eine Planungsvereinbarung und zu gegebener Zeit eine Bau- und Ausführungsvereinbarung mit der ABG-Holding zu schließen.
    • b)eine Bau-/Finanzierungsvorlage zu erarbeiten und der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorzulegen.

Begründung

A. Allgemeines

Die Bedeutung der römischen Stadt Nida wurde in der Vergangenheit von der Forschung immer wieder herausgestellt. Der Ort war keineswegs nur Militärstandort, sondern vielmehr das administrative, wirtschaftliche und religiöse Zentrum der Civitas Taunensium, einer Verwaltungseinheit im rechtsrheinischen Teil der römischen Provinz Germania superior. Im 3. Jahrhundert n.Chr. war Nida nach dem heutigen Stand der Forschung sogar der wichtigste Civitas-Hauptort rechts des Rheins. Mit den auf dem Baufeld entdeckten Befunden bietet sich die einmalige Gelegenheit, diese Geschichte für die Nachwelt zu sichern und authentisch erfahrbar zu machen. Insbesondere mit dem jüngst entdeckten, durch einen Brand konservierten Holzkeller wurde ein einzigartiger Fund gemacht, den es zu retten und am besten im lokalen Kontext der Fundstelle zu zeigen gilt. Die Maßnahmen stellen sicher, dass wissenschaftlich als bedeutend eingestufte Befunde vor Ort erhalten werden, dass ein einmaliger Befund geborgen und erhalten wird, die Grundlage für eine museale Vermittlung mit digitaler Dimension gelegt wird und gleichzeitig dringend benötigter Wohnraum entstehen kann. Durch die Integration der Befunde in den Wohnalltag der Menschen wird die Identifikation der heutigen Frankfurterinnen und Frankfurter mit dem römischen Kulturerbe gestärkt. Die Dokumentation und Sicherung weiterer Funde und Befunde durch das Denkmalamt legt darüber hinaus eine hervorragende Grundlage für das Archäologische Museum Frankfurt, um die Geschichte des römischen Nida authentisch und noch vielschichtiger, als es bereits heute der Fall ist, zu vermitteln. Der Bauherr hat die Integration einer musealen Fläche in eines der Wohnhäuser sowie die Tiefgarage auf Machbarkeit hin geprüft und für möglich befunden. Demnach könnte eine Dependance des Archäologischen Museums für Veranstaltungen und Sonderführungen entstehen, in der auch der geborgene Holzkeller ausgestellt werden kann. Die drei Töpferöfen und der "Kultkeller" könnten sowohl in diesen Räumlichkeiten als auch von außen (verglaste Öffnungen) besichtigt werden. Durch eine anlassbezogene Nutzung des Aufzuges des angrenzenden Wohnhauses wird bei Schlüsselgewalt des Archäologischen Museums auch die barrierefreie Zugänglichkeit sichergestellt. Die Ausstellungsfläche wird von der ABG Frankfurt Holding angemietet (425 m2 Mietfläche, voraussichtliche monatliche Kaltmiete: 9.775 €).

B. Finanzielle Auswirkungen

Verlust der authentischen Befunde vor Ort bis auf den in situ denkmalgeschützten "Kultkeller"

C. Personalwirtschaftliche Auswirkungen

Erhalt von drei der als besonders bedeutsam eingestuften Befunde vor Ort (Töpferofen unter Schutzbau Nr. 3; "Kultkeller"; drei Töpferöfen) in Einklang mit der geplanten Wohnbebauung, digitale Erfassung der Befunde unter den Schutzbauten 1 und 2, Bergung, Aufarbeitung und Präsentation des Holzkellers vor Ort nach Abschluss der Bauarbeiten.

D. Klimaschutz

Um diese Maßnahmen durchführen zu können, entstehen gemäß einer Schätzung der ABG Frankfurt Holding sowie eines durch das Archäologische Museum beauftragten Dienstleisters folgende Kosten: - Die räumliche Aussparung und Integration des Töpferofens in die Wohnbebauung (750.000 €) - Die Bergung und Aufarbeitung des Holzkellers für eine künftige Präsentation sowie die Erfassung der unter den Schutzbauten 1 und 2 liegenden Befunde sowie der Töpferöfen mittels dreidimensionalen Scans (90.000 €) - Mehrkosten für das Bauwerk zur Präsentation der drei Töpferöfen und des "Kultkellers", Neuplanung und Verlust von Parkplätzen (1.325.000 €)

Beratungsverlauf 5 Sitzungen

Sitzung 31
OBR 8
TO I, TOP 47
Angenommen
1. Der Geschäftsordnungsantrag wird abgelehnt. 2. Der Vorlage M 112 wird zugestimmt.
Zustimmung:
SPD Linke FDP Freie Wähler Und Fraktionslos
Sitzung 29
Ausschusses für Planen, Wohnen und Städtebau
TO I, TOP 36
Angenommen
1. Es dient zur Kenntnis, dass der Ausschuss für Planen, Wohnen und Städtebau die Beratung der Vorlage M 112 auf den Haupt- und Finanzausschuss delegiert hat. 2. Es dient zur Kenntnis, dass der Ausschuss für Planen, Wohnen und Städtebau die Beratung der Vorlage NR 995 auf den Haupt- und Finanzausschuss delegiert hat.
Zustimmung:
Grüne CDU SPD FDP Linke VOLT ÖkoLinX-ELF BFF-BIG
Sitzung 29
Ausschusses für Kultur, Wissenschaft und Sport
TO I, TOP 23
Angenommen
1. Es dient zur Kenntnis, dass der Ausschuss für Kultur, Wissenschaft und Sport die Beratung der Vorlage M 112 auf den Haupt- und Finanzausschuss delegiert hat. 2. Es dient zur Kenntnis, dass der Ausschuss für Kultur, Wissenschaft und Sport die Beratung der Vorlage NR 995 auf den Haupt- und Finanzausschuss delegiert hat.
Zustimmung:
Grüne CDU SPD FDP Linke AFD VOLT FRAKTION
Sitzung 32
Haupt- und Finanzausschusses
TO I, TOP 20
Angenommen
1. Der Vorlage M 112 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt. 2. Die Vorlage NR 995 wird abgelehnt.
Zustimmung:
Grüne CDU SPD AFD VOLT BFF-BIG
Ablehnung:
Linke FDP
Sitzung 34
Stadtverordnetenversammlung
TO I, TOP 12
Angenommen
1. Der Vorlage M 112 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt. 2. a) Die Vorlage NR 995 wird abgelehnt. b) Die Wortmeldungen der Stadtverordneten Schwichtenberg, Becker und Momsen dienen zur Kenntnis.
Zustimmung:
Grüne CDU SPD FDP AFD VOLT BFF-BIG Linke
Ablehnung:
ÖkoLinX-ELF Gartenpartei