Skip to main content Skip to navigation Skip to footer

Housing First in Frankfurt etablieren

Vorlagentyp: B

Bericht

Der Magistrat wurde beauftragt, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln, das sich eng an den Prinzipien des Housing First orientiert, klare Zielgruppen benennt, Zuständigkeiten differenziert (insbesondere zwischen Wohnraumbeschaffung, -verwaltung und sozialer Betreuung) und in bestehende Strukturen der Wohnungslosenhilfe eingebunden ist. Housing First ist ein Ansatz zur Überwindung von Obdachlosigkeit. Er bietet Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, im ersten Schritt eine dauerhafte, stabile Unterkunft. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein sicheres Zuhause eine stabile Plattform für die Bewältigung anderer komplexer Probleme wie psychischer Gesundheit, Substanzmissbrauch oder Arbeitssuche bietet. Das Modell legt Wert auf die Wahlfreiheit der Klienten, unbefristete Unterstützungsleistungen und den Zugang auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Ressourcen. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und die Selbstständigkeit zu fördern. Der Housing First-Ansatz stellt zweifellos einen sinnvollen und anerkannten Baustein in der Bekämpfung von Obdachlosigkeit dar. Er basiert auf dem Grundsatz, wohnungslosen Menschen ohne Vorbedingungen einen direkten Zugang zu eigenem Wohnraum zu ermöglichen. Dies ist immer verbunden mit freiwilliger sowie bedarfsgerechter sozialer Unterstützung. Nationale und internationale Erfahrungen zeigen, dass dieser Ansatz insbesondere bei Menschen mit chronischen Problemlagen und hoher Unterstützungsbedürftigkeit eine nachhaltige Wirkung entfalten kann. Gleichzeitig ist es wichtig zu benennen, dass Housing First kein Allheilmittel ist und für sich betrachtet keine umfassende Antwort auf das vielschichtige Problem von Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot in Deutschland darstellt. Vielmehr ist Housing First als ein Teil eines Gesamtkonzeptes im Kampf gegen Obdachlosigkeit zu sehen, in der die gesamte Bandbreite der Wohnungsnotfallhilfe abgedeckt wird. Diese reicht von der Prävention vor Wohnungsverlust über mittelfristige Unterbringung bis hin zur niedrigschwelligen aufsuchenden Arbeit für obdachlose Menschen. Aktuell wird an einem gesamtheitlichen Konzept zur Weiterentwicklung der Wohnungsnotfallhilfe durch das Jugend- und Sozialamt gearbeitet. Dieses Konzept, welches sich noch im Arbeitsprozess befindet, wird Housing First als Teil im Hilfesystem behandeln. Es verfolgt das Ziel, eine zukunftsfähige Konzeption für Wohnungs- und Obdachlosigkeit in der Stadt Frankfurt am Main zu schaffen, die ressortübergreifend angelegt ist und die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure mitdenkt. Die strategische Planung für dieses Gesamtkonzept läuft bis Ende des Jahres 2025. Es wird darauf hingewiesen, dass die Umsetzung des Housing First-Ansatzes eine von vielen Maßnahmen der Wohnungsnotfallhilfe in Frankfurt ist. Ein eigenständiges Konzept für Housing First-Maßnahmen wäre alleine nicht tragfähig und inhaltlich nicht ausreichend. Der Magistrat, hier: das Jugend- und Sozialamt, bittet daher um Verständnis, dass aktuell keine isolierte Housing First-Konzeption vorgelegt werden kann. Dieser Ansatz wird in das derzeit in Ausarbeitung befindliche, breiter angelegte Konzept eingebettet. Die Integration von Housing First in die laufende Konzeption stellt sicher, dass es zielgerichtet, systematisch und langfristig wirksam zur Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit beitragen kann. In der Stadt Frankfurt gibt es derzeit zwei Housing First Projekte. Zum einen das gemeinsame Projekt der Diakonie Frankfurt-Offenbach mit der Wohnungsbaugesellschaft GWH, welches derzeit ca. 30 Personen betreut. Die Diakonie Frankfurt-Offenbach wird sich an dem Förderprogramm für Housing First durch das Land Hessen beteiligen. Zum anderen bietet die Franziskustreff-Stiftung in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Wohnungsbaugesellschaften ein Housing First Projekt an, welches bislang ca. 10 Personen in eigenem Wohnraum betreut. Derzeit besteht ein enger Austausch zwischen den Dezernaten Wohnen und Soziales/Gesundheit zum Thema Housing First und zu der Frage, unter welchen Bedingungen solche Projekte zu realisieren sind. Es werden Möglichkeiten der Akquise und Kooperation geprüft. Allerdings bietet der derzeit sehr angespannte und teure Wohnungsmarkt in Frankfurt für Housing First - nach der ursprünglichen Idee - wenig Spielräume. Hier bedarf es bereits im Vorfeld Kooperationen mit Wohnungsbaugesellschaften um eine Langfristigkeit von Housing First in der Stadt zu gewährleiten. Weiter werden Hoffnungen in das derzeit in Bearbeitung befindliche Leerstandsgesetz des Landes Hessen gesetzt. Es soll eine Handhabe bieten, um Leerstand von Wohnungen zu ahnden. Jedoch ist festzuhalten, dass bestehende gesetzliche Regelungen im Mietrecht und in den Sozialgesetzbüchern teilweise kontraproduktiv für ein gelingendes Housing First sind. Hier ist von den beteiligten Akteuren Flexibilität und Ideenreichtum gefragt.