Mehr Erzieherinnen und Erzieher durch bezahlbaren Wohnraum
Bericht
Eine aktuelle Studie von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) belegt, dass hohe Mieten in Großstädten Folgen für den Arbeitsmarkt haben und die Suche nach Fachkräften erschweren. Die angespannte Lage auf dem Wohnungssektor hat weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, denn jede*r Dritte hat bereits darüber nachgedacht, den Job zu wechseln, weil die Mieten zu hoch sind, obwohl die große Mehrheit der Menschen das Leben in der Großstadt als angenehm bewertet - etwa die Jobchancen, kurze Arbeitswege, Einkaufsmöglichkeiten sowie Bildungs- und Kulturangebote. Rund neun von zehn Berufstätigen fühlen sich demnach an ihrem eigentlichen Wohnort wohl. Die angespannte Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt macht aber nicht nur den Berufstätigen das Leben schwer, sondern entwickelt sich auch für Arbeitgeber*innen zu einem Problem: 82 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es durch die Lage auf dem Wohnungsmarkt für Arbeitgeber*innen problematisch ist, Fachkräfte zu finden und zu halten. Und das gilt in erster Linie für Branchen, die traditionell nicht so hohe Gehälter bekommen: Gesundheitswesen, Erziehung, Pflege, Gastronomie, Handwerk, ÖPNV, Polizei und viele mehr. Wenn sich diese Berufsgruppen keine Wohnungen in den Ballungsgebieten mehr leisten können, ziehen sie aufs Land - mit verheerenden Folgen für die Versorgung in den Städten. Zu diesen Ergebnissen kommt die PwC-Befragung "Wohnungsnot in deutschen Großstädten und die Folgen für den Arbeitsmarkt" unter 4.200 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren aus zwölf deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohner*innen. Auch Berufstätige in Frankfurt am Main wurden befragt. (Link zur Studie: https://www.pwc.de/de/mittelstand/arbeiten-und-wohnen-deutschlands-metropolen.html). Den Angaben nach war die Studie repräsentativ. Die Ergebnisse der PwC zeigen deutlich, dass die hohen Mieten für Wohnraum es erschweren den Fachkräftemangel auch in der Kindertagesbetreuung zu beheben. Auch Auszubildende an den beruflichen Fachschulen für Sozialpädagogik suchen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum. In Frankfurt zu leben könnten sich die meisten von ihnen nicht leisten. Mit einer Postkarten- und Plakataktion forderten Studierende der Berta-Jourdan-Schule erneut im Jahr 2022 bezahlbaren Wohnraum für angehende Erzieher*innen. Bemängelt wird auch, dass sich die Wohnheime des Studierendenwerks nur an Studierende der Unis und Fachhochschulen richteten. Beim massiven Wettbewerb um passende Nachwuchskräfte könnte Frankfurt mit erschwinglichen Mieten punkten. Aus fachlicher Sicht ist die angespannte Situation auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt ein wichtiger Faktor in Bezug auf die Fachkräftegewinnung. Fördermaßnahmen in diesem Bereich können sinnvoll sein. Der Magistrat plant, seine Förderung nach dem "Frankfurter Programm zur Wohnraumförderung für Studierende" für die Zielgruppe der Auszubildenden zu erweitern. Auszubildende in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf und Berufsausbildungen an einer Berufsfachschule in Frankfurt sollen wohnberechtigt werden. Hierzu hat der Magistrat eine Änderung der Förderrichtlinien in den Geschäftsgang gegeben. Der Zugang zu Bundes- und Landesmittel wird erleichtert, indem die Förderrichtlinien der Stadt Frankfurt angepasst werden. Für eine Förderung aus dem städtischen Programm stehen, vorbehaltlich des Beschlusses der Stadtverordneten zum Haushalt 2024/2025, auf dem Projekt 5.006008 "Förderung studentisches Wohnen" für 2024 -2027 jeweils 2,0 Mio. € zur Verfügung. Hinzu kommt für 2024 ein Budgetübertrag aus 2023 in Höhe von 1.746.800 €. Im Baugebiet Hilgenfeld (am Frankfurter Berg) wurde für ein Baufeld im Rahmen des städtischen Konzeptverfahrens für gemeinschaftliches Wohnen ein Konzept ausgewählt, das das Ziel verfolgt, dort Wohnraum für Auszubildende zu errichten. Das Vorhaben erfährt Interesse von Unternehmen und eine Realisierung des Vorhabens erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt als aussichtsreich. Wie mit B 94 vom 08.03.2024 berichtet, ist im Rahmen der Umsetzung von E 53/2023 angestrebt, dass die Stadt Frankfurt sich an dem Pilot-Vorhaben finanziell beteiligt und so Plätze für städtische Auszubildende zur Verfügung stellen kann. Das Jugend- und Sozialamt macht darauf aufmerksam, dass neben dem Erzieher*innen Beruf auch weitere sozialpädagogische Berufe und Auszubildende bei dem Thema der Wohnungsnot berücksichtigt werden sollten. Denn auch hier gibt es einen akuten Fachkräftemangel.