Anfrage zum Gastarbeiterdenkmal in Frankfurt
Stellungnahme des Magistrats
Zu Frage 1 Nur wenige Städte in Deutschland haben sich bislang mit der historischen Leistung von Arbeitsmigrant*innen für Deutschland befasst und diese im Stadtraum öffentlich gewürdigt. Bisher bedienen sich diese Beispiele, die in Mannheim, Lehrte und Fürth existieren, der Verwendung von Informationstafeln oder einer konventionellen skulpturalen Gestaltung (Mann mit Koffer), die Frankfurter Perspektive nicht mehr zeitgemäß und der Komplexität des Themas nicht angemessen ist. Frankfurt hat sich daher für die Realisierung einer urbanen Installation in der U-Bahnstation Hauptbahnhof entschieden, die gemeinsam mit der VGF und der Agentur Markgraph umgesetzt wird. Die Stadt Dortmund hat aktuell einen Kunstwettbewerb ausgeschrieben, der die in Dortmund tätigen "Gastarbeiter*innen" würdigen soll. Die Beispiele im Einzelnen: Mannheim, 2023 Mannheim: Ein Erinnerungsort für Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter Einweihung auf dem BUGA-Gelände am 20.05.2023. Bei dem Erinnerungsort handelt es sich im Grunde um eine kleine Parkanlage. Auf einer Wiese sind Stationen mit Sitzbänken zu sehen. Nähert man sich den Stationen, erfährt man durch eine Informationstafel, dass jede von ihnen für ein anderes Land steht. Und zwar für die acht Länder, in denen Deutschland Arbeitskräfte angeworben hat: Italien, Spanien, Portugal, Marokko, Tunesien, Griechenland, Jugoslawien und Türkei. Lehrte, 2022 Anlässlich des 60. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens vom 31.10.1961 wurde am 13.05.2022 in Lehrte ein Denkmal für "Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter" eingeweiht. Es handelt sich um eine lebensgroße Bronzefigur: Ein Mann mit Hut, Anzug, Krawatte und Koffer sitzt auf einer Bank, den Blick in die Ferne gerichtet. Fürth, 2021 "Das Denkmal zum Dank an die Fürther ‚Gastarbeiterinnen' und ‚Gastarbeiter' wurde am 12. Juli 2021 im Rahmen einer kleinen Feierstunde enthüllt. Es befindet sich in der Ludwig-Erhard-Straße und besteht aus einer Stele aus Stein sowie einem Kastanienbaum. In Planung Dortmund, 2026 Der Rat der Stadt Dortmund hat am 16.12.2021 die Maßnahme "Schaffung eines Denkmals für Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in Dortmund" (Drucksache Nr. 22780-21) im Rahmen eines Kunstwettbewerbs beschlossen. Damit sollen die kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Leistungen der Menschen gewürdigt werden, die Mitte des 20. Jahrhunderts im Rahmen von Anwerbeabkommen nach Deutschland kamen, um hier zu leben und zu arbeiten. Viele von ihnen fanden im Ruhrgebiet eine neue Heimat. Das Denkmal soll an diese Menschen erinnern und eine Vielzahl ganz persönlicher Erfahrungen des Ankommens und Bleibens in Dortmund repräsentieren. Der Wettbewerbsprozess läuft noch. Zu Frage 2 Die Anerkennung der ehemaligen "Gastarbeiterinnen" und "Gastarbeiter" ist der Stadt Frankfurt ein wichtiges Anliegen, das sie bereits mehrfach in viel beachteten Ausstellungen, Publikationen, Filmbeiträgen und partizipativen Projekten zum Ausdruck gebracht hat. Erweitert wird dieses Engagement um den Bau einer urbanen Intervention in der U-Bahnstation Hauptbahnhof. Zu Frage 3 Was die U-Bahnstation angeht, so liegt hier die Federführung der Ertüchtigung bei der VGF. Die Ergebnisse der Ausschreibung werden aktuell ausgewertet. Geplant ist ein Baubeginn in 2026 in den die Installation integriert ist. Über die Dauer der gesamten Umbauphase kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage gemacht werden. Es handelt sich um ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Bauprojekte, die zum Teil auch von der Deutschen Bahn verantwortet werden. Zu Frage 4 Der Begriff Gastarbeiter*innen ist ein Konstrukt aus den 70er Jahren. Heute wird der Begriff "Gastarbeiter" - insbesondere in der Fachliteratur - häufig in Anführungsstriche gesetzt. Das Grundproblem besteht darin, dass der Begriff durch seinen Gebrauch und die Art der Berichterstattung ab der 1970er Jahre negativ belastet ist. Der Begriff ist keine Wortschöpfung der politischen Amtssprache der Arbeitsmigration und lässt keine statistischen Rückschlüsse zu. Zu Frage 5 Seit Ende der 1990er Jahre ist das Thema Migration in verschiedenen Projekten des Historischen Museums präsent und stellt einen Schwerpunkt in der Vermittlungsarbeit dar. Zwischen 2004 und 2011 trug die Dauerausstellung "von Fremden zu Frankfurtern" mit der Geschichte der Migration in Frankfurt dazu bei, ein Signal an die gegenwärtige und weitverzweigte Migrationsgesellschaft zu geben und Migration als Teil der Stadtgeschichte zu verstehen. "Von Fremden zu Frankfurtern. Zuwanderung und Zusammenleben" wollte die Zuwanderung nach Frankfurt und das Zusammenleben von Frankfurter/innen und Zugewanderten sowie ihre Integration in die städtische Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart bewusst machen. Zur Ausstellung gehörte ein umfangreiches Begleitprogramm. 2018 fand im Rahmen des Stadtlabors der Sammlungs-Check des Historischen Museums Frankfurt "Migration partizipativ sammeln" statt. Im ersten Stadtlabor-Projekt, bei dem mit der Sammlung gearbeitet wurde, wurden Objekte aus der Museumssammlung sowie Objekte von Stadtlaborant*innen unter den Fragestellungen betrachtet: Welche Gegenstände spiegeln die kulturelle Diversität und die Migrationsgeschichte unserer Stadt wider? Was macht einen gewöhnlichen Gegenstand zu einem Migrationsobjekt? Jeden Dienstag war die Kuratorin Aikaterini Dori in der Ausstellung anwesend, diskutierte die oben genannten Fragen mit Besucher*innen oder nahm Objekte entgegen, die als Leihgaben in das Projekt eingingen. Im Verlauf des Projekts fanden fünf Workshops statt, bei denen gemeinsam diskutiert wurde, wie das Museum Migrationsgeschichte partizipativ sammeln kann. Aktuell entsteht im Zuge der Sanierung der U-Bahnstation Hauptbahnhof eine urbane Intervention unter dem Titel: "‚Gastarbeiter'-Denkmal: Denkanstöße für eine gemeinsame Geschichte". Die umfassende Neugestaltung und Aufwertung der U-Bahn-Station in einen dynamischen Erlebnis- und Kulturraum als Symbol und Anerkennung für die gesellschaftliche Transformationsleistung der Einwander*innen. Die Anerkennung der ehemaligen "Gastarbeiterinnen" und "Gastarbeiter" ist der Stadt Frankfurt ein wichtiges Anliegen, das sie bereits mehrfach in viel beachteten Ausstellungen, Publikationen, Filmbeiträgen und partizipativen Projekten zum Ausdruck gebracht hat. Erweitert wird dieses Engagement um den Bau einer urbanen Intervention in der U-Bahnstation Hauptbahnhof. Der Magistrat der Stadt Frankfurt möchte die Lebensleistungen der ehemaligen, in Frankfurt tätigen, Gastarbeiter*innen ins öffentliche Bewusstsein rücken und würdigen. Im Zentrum stehen die ab 1955 aus Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal, Jugoslawien - Marokko, Tunesien und Südkorea als Arbeitskräfte angeworbenen Männer und Frauen der ersten Gastarbeitergeneration. Ihre Leistungen betreffen bis heute sichtbar und erlebbar u.a. den Bau der Frankfurter U-Bahn. Darüber hinaus spiegelt sich ihr Einfluss auf das heutige internationale Frankfurt mit seiner transnational vernetzten Einwohnerschaft und der wachsenden kulturellen Vielfalt wider. Die Bauarbeiten für die urbane Intervention finden im Zuge der Ertüchtigung der U-Bahn-Station Hauptbahnhof statt. Entscheidung hierfür war unter anderem die Tatsache, dass der gesamte Umbau des Hauptbahnhofvorplatzes ein Großprojekt darstellt, das voraussichtlich erst im Laufe den 30er Jahren vollendet sein wird.