Klimaangepasste Neugestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes hier: Bau- und Finanzierungsvorlage
Beschlussvorschlag
I. Der vorgelegten Entwurfsplanung zur klimaangepassten Neugestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes wird zugestimmt. II. Es dient zur Kenntnis, dass für die Maßnahme Gesamtkosten in Höhe von rund 1.390 T€ anfallen werden. III. Es dient weiterhin zur Kenntnis, dass für die Maßnahme "Klimaangepasste Neugestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes" unter der Produktgruppe 22.09 Grün- und Freiflächen, Produktdefinition 5.009367 "Begrünung von Straßen und Straßenbahntrassen" Haushaltsmittel in Höhe von 500 T€ jährlich für die Jahre 2020 bis 2022 zur Verfügung stehen. IV. Die erforderlichen Mittel für die Gesamtmaßnahme mit einem Gesamtinvestitionsbedarf in Höhe von 1.390 T€ werden freigegeben. V. Es dient zur Kenntnis, dass es zur Umsetzung der Planung erforderlich ist, 16 Bäume zu fällen, die mit den klimatischen Bedingungen am Standort nicht zurechtkommen. Der Baumfällung von 16 Bäumen wird zugestimmt. Eine Verpflanzung der Bäume ist angesichts der geringen Vitalität nicht sinnvoll. Die Baumfällung wird durch die Neupflanzung von 30 standortgerechten Bäumen ausgeglichen. VI. Es wird weiterhin zur Kenntnis genommen, dass mit der Umsetzung der Maßnahme jährliche Folgekosten in Höhe von 174 T € entstehen werden.
Begründung
A. Allgemeines
Der Klimawandel und die hieraus resultierenden Herausforderungen an die Planung beschäftigen den Magistrat in den letzten Jahren durch die stärker werdenden Trocken- und Hitzeperioden sowie zunehmende Starkregenereignisse immer intensiver. Der Fokus richtet sich auf nachhaltige und zukunftsfähige Baumstandorte sowie Grünflächen, welche auch den wachsenden Anforderungen der Bürger*innen gerecht werden. Der 2005 gestaltete Paul-Arnsberg-Platz stellt als stark versiegelter Stadtplatz eine Wärmeinsel im innerstädtischen Ballungsraum dar, welcher den heutigen klimatischen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Der Platz liegt im dicht bebauten Ostend, seine Gestaltung war Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs. Der Platz charakterisiert sich durch seine dreieckige Form und die umlaufenden Stufenreihen. Am östlichen Rand entlang der Rückertstraße sind Parkplätze angeordnet. Die Volkshochschule sowie die Bethmannschule befinden sich in direkter Platznähe. Der Platz wird für das jährlich stattfindende Frühlingsfest der Bürgerinitiative und für kleinere Veranstaltungen genutzt. Der ca. 3000 m2 große Paul-Arnsberg-Platz war ursprünglich als Stadtplatz gestaltet worden, auf welchem zweimal in der Woche ein Markt stattfinden sollte. Dafür wurde eine passende Zufahrt auf den Platz gebaut, ebenso wurden die Baumstandorte entsprechend für die Marktfunktion angeordnet. Eine strenge, architektonische Formensprache stand damals im Vordergrund. Der Wochenmarkt hat sich nicht etabliert und wurde nach mehreren Versuchen wieder eingestellt. Als Baumart wurde der Trompetenbaum ausgewählt, der nach den heutigen Erkenntnissen im Hinblick auf Klima, Artenvielfalt und Trockentoleranz für die Standortbedingungen ungeeignet ist. 2008 wurden 5 Baumstandorte ergänzt. Eine weitere Ergänzung erfolgte auf Bestreben des Ortsbeirates durch den Bau eines Brunnens an der südlichen Platzspitze Richtung Sonnemannstraße. Aufgrund der engagierten Bürgerinitiative erhielt der Platz Blumenkübel und temporär aufgestellte "Grüne Zimmer". Seit 2017 bemüht sich die Bürgerinitiative "PAPI" des Vereins "Lebenswertes Ostend" um eine anwohnergerechtere Gestaltung des Platzes. Über die Mitglieder der Initiative wurde der VHS-Kurs "Planungswerkstatt für Bürgerinnen und Bürger zur Neugestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes im Ostend" geschaffen, bei dem die Teilnehmer*innen Planungsideen für den Paul-Arnsberg-Platz unter fachlicher Begleitung erarbeiteten. Durch diesen neuen Partizipationsprozess wurde die Neuplanung des Platzes initiiert. Der Paul-Arnsberg-Platz soll als erstes Projekt in Bezug auf eine "klimaangepasste Stadtplatzgestaltung" neugestaltet werden, um die Aufenthaltsqualität in den immer heißer werdenden Sommern nachhaltig zu verbessern. Ziel der vorliegenden Planung ist es den stark versiegelten Platz um ca. 50 % zu entsiegeln und zukunftsfähige Baumstandorte zu schaffen. Der Platz soll sich im Sommer deutlich weniger aufheizen und ein attraktiver Aufenthaltsort im Quartier werden. Grundlage bildet der Antrag vom 28.08.2018, OF 273/4 des Ortsbeirates 4, der die Weiterentwicklung des Paul-Arnsberg-Platzes unter Einbeziehung der Bürgerschaft vorsieht.
B. Finanzielle Auswirkungen
a) Der stark versiegelte, sich stark aufheizende Stadtplatz bleibt unverändert in seiner streng architektonischen Formensprache erhalten. Die 16 vorhandenen Trompetenbäume werden unter Mitwirkung der engagierten Bürgerinitiative weiter gewässert, damit diese die langen Trockenperioden überstehen. Der Platz wird wenig Aufenthaltsqualität in heißen Sommern bieten, da die Rahmenbedingungen für große, vitale Bäume, welche im Sommer Schatten spenden, nicht vorhanden sind. Eine zukünftige Marktnutzung wird sich wegen der mehrfach gescheiterten Versuche mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr etablieren. b) Bei der Platzneugestaltung wird die längere Pergola-Variante, welche die gesamte, nördliche Platzkante einrahmt, favorisiert. Dadurch würde die Aufenthaltsqualität durch weitere, schattige Sitzbereiche zusätzlich gesteigert werden. Aus Kostengründen wurde die Pergola jedoch in der aktuellen Planung eingekürzt.
C. Personalwirtschaftliche Auswirkungen
Der Stadtplatz erhält eine klimaangepasste Gestaltung. Dabei bleibt die Grundstruktur des Platzes mit der vorhandenen, einrahmenden Treppenstruktur erhalten. Knapp die Hälfte der Belagsflächen wird entsiegelt. Durch die Neuanlage von Grünflächen, zahlreichen Bäumen und einer berankten schattenspendenden Pergola wird durch die Verdunstungskälte der Pflanzen das Mikroklima und somit die Aufenthaltsqualität verbessert. Anfallendes Regenwasser verbleibt größtenteils vor Ort und kommt den Vegetationsflächen zu Gute. Konkret sieht das Planungskonzept vor, den Plattenbelag im nördlichen Platzbereich schollenartig ‚aufzubrechen'. Diese Pflanzschollen werden mit lichten, mehrstämmigen Baumarten sowie Hochstämmen als Schattenspender akzentuiert. Das sich ergebende Baumdach beschattet die Platzfläche wirksam und trägt somit wesentlich zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität und zur Klimaverbesserung vor Ort bei, insbesondere in der wärmeren Jahreszeit. Die Unterpflanzung des Baumdaches erfolgt mit einer abwechslungsreichen Mischung aus robusten, trockenheitstoleranten Stauden, Gräsern und Bodendeckern. Die Pflanzschollen sind so angeordnet, dass sich immer wieder gegenüberliegende Sitzmöglichkeiten ergeben und dadurch Kommunikationsräume geschaffen werden. Innerhalb des Schollenbereiches ist eine leichte Aufweitung des Platzes vorgesehen, um Raum für eventuelle, kleinere Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Die nördliche Fassung des Platzes wird mit einer begrünten Pergola geschaffen, unter der weitere Sitzbänke angeboten sowie die bereits vorhandenen Schachtische wiederverwendet werden. Der nördliche Zufahrtsbereich für Pflegefahrzeuge bleibt an dieser Stelle erhalten. Am Wassertisch auf Höhe des angrenzenden Cafés bleibt eine kleine Teilfläche des alten Platzbelages als potentielle Außengastronomiefläche für die Bestuhlung erhalten. Der südliche Platzteil wird komplett entsiegelt und als insektenfreundliche Blumenwiese mit regionalen Arten sowie einzelnen Bäumen neu angelegt. Die zukünftige, diagonale Ost-West-Wegeverbindung erfüllt neben der zügigen Querung gleichzeitig die barrierefreie Erschließung des Platzes. Der vorhandene Bücherschrank wird an optimierter Stelle platziert. Die Kunststele des Namensgebers Paul Arnsberg sowie der vom Ortsbeirat initiierte Wassertisch bleiben erhalten.
D. Klimaschutz
Die Stadt Frankfurt veranlasste am Grundstück des heutigen Paul-Arnsberg-Platzes zwischen 1992 und 1997 Boden-, Bodenluft- und Grundwasseruntersuchungen, da die Fläche zuvor von diversen Betrieben der KFZ-Branche genutzt wurde. Auf Grundlage des vom Umweltamtes aufgestellten Rahmensanierungskonzeptes erfolgte eine Sanierung der festgestellten Bodenkontamination bis zu einer Tiefe von 3 m. Die Rückverfüllung der Aushubmassen erfolgte unter den damals geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. 2004 wurde die Altlastenfeststellung von 1995 durch das Regierungspräsidium Darmstadt aufgehoben. Der vorhandene Boden kann bei der geplanten Entsiegelung des Platzes nicht wiederverwendet werden, da dieser nicht die geforderte Qualität für die neuen Baumstandorte und Grünflächen erfüllt. Der Schotterunterbau unter den zu entsiegelnden Plattenbelägen wird zur Verhinderung von Staunässe in den Baumgruben wiederverwendet werden.