Schäme dich, Deutschland: Gewalt gegen Frauen – Besondere Herausforderungen für Migrantinnen
Vorlagentyp: KA
Inhalt
Anfrage der KAV vom 19.05.2025, KA 57
Betreff: Schäme dich, Deutschland: Gewalt gegen Frauen - Besondere Herausforderungen für Migrantinnen Gemäß dem Beschluss der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der 39. öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung vom 19.05.2025 wird der Magistrat gebeten folgende Fragen zu beantworten:
- Wann wird die Stadt Frankfurt institutionelle Diskriminierung gegen geflüchtete Frauen mit Migrationshintergrund offiziell anerkennen?
- Welche konkreten Maßnahmen plant der Magistrat, um die Gleichbehandlung von Frauen aus nicht-europäischen Ländern, die als Flüchtlinge bei uns Schutz suchen, zu gewährleisten?
- Werden spezifische kultursensible Unterstützungsangebote entwickelt, wie etwa mobile Deutschkurse oder rechtliche Beratungsstellen, die speziell auf die Bedürfnisse dieser Frauen zugeschnitten sind?
- Plant die Stadt, die personelle und strukturelle Ausstattung des Ausländeramts zu verbessern, um sicherzustellen, dass dringende Anliegen gewaltbetroffener Frauen zügig bearbeitet werden können?
- Welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass gewaltbetroffene Frauen mit Migrationshintergrund Zugang zu sicherem Wohnraum erhalten?
- im Hinblick auf den aktuellen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und angesichts der alarmierenden Situation geflüchteter Frauen aus nicht-europäischen Ländern, die in Frankfurt Schutz suchen, möchten wir auf eine oft übersehene, aber äußerst dringliche Problematik hinweisen. Begründung: Die Frauen, die mit großem Mut und enormer Integrationsbereitschaft in unsere Stadt gekommen sind, erleben weiterhin Gewalt - sei es durch häusliche Misshandlung oder durch die strukturellen Defizite in den Unterstützungsangeboten. Die fehlende Gleichbehandlung dieser Frauen im Vergleich zu ihren europäischen Mitstreiterinnen ist ein klarer Ausdruck institutioneller Diskriminierung, der dringend angegangen werden muss. Studien zeigen, dass Frauen mit Migrationshintergrund besonders gefährdet sind, Opfer häuslicher Gewalt zu werden, da sie häufig mit zusätzlichen Herausforderungen wie sozialer Isolation, wirtschaftlicher Abhängigkeit und sprachlichen Barrieren kämpfen. Diese Faktoren verschärfen nicht nur ihre prekäre Lage, sondern hindern sie auch daran, die notwendige Unterstützung zu erhalten. Besonders erschreckend ist, dass viele dieser Frauen aufgrund fehlender Ressourcen im Ausländeramt und mangelhafter kultursensibler Unterstützungsangebote noch länger in unsicheren und belastenden Situationen verharren müssen. Wir wissen zudem, dass Gewalt in Paarbeziehungen, insbesondere bei Frauen aus jüngeren und mittleren Altersgruppen, eine Vielzahl von Ursachen hat, darunter ungleiche Machtverhältnisse, Traumata aus der Vergangenheit und wirtschaftliche Abhängigkeit. Doch für Flüchtlingsfrauen mit Migrationshintergrund fehlen in Frankfurt nahezu vollständig spezifische, an ihre besonderen Bedürfnisse angepasste Unterstützungsangebote. Diese strukturellen Mängel führen dazu, dass die Betroffenen nicht nur die Gewalt durch ihre Partner, sondern auch die Gleichgültigkeit eines Systems ertragen müssen, das sie nicht ausreichend schützt. Es ist längst an der Zeit, dass Frankfurt seiner Verantwortung gerecht wird und diese Frauen nicht länger im Stich lässt. Die ungleiche Behandlung geflüchteter Frauen aus nicht-europäischen Ländern im Vergleich zu europäischen Geflüchteten ist nicht nur eine Schande für unsere Stadt, sondern auch ein Verstoß gegen die Werte von Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, die wir als Gesellschaft vertreten sollten.