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Digitalisierung Zeitzeug*innengespräche - Frankfurter Erzählcafé

Vorlagentyp: B

Bericht

Durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11.07.2024, § 4994 wurden 17.000 Euro zur Digitalisierung des Bestandes ISG FFM S12VEC "Zeitzeug*innengespräche - Frankfurter Erzählcafe" bereitgestellt. Die 193 Aufnahmen auf 213 Kassetten mit einer Spieldauer von insgesamt 349 Stunden dokumentieren die seit 1990 im Institut für Stadtgeschichte geführten Zeitzeugen- und Zeitzeuginnengespräche. Dazu gehören die Lebenserinnerungen von im Nationalsozialismus verfolgten Frankfurtern und Frankfurterinnen (u. a. Trude Simonsohn, Mile Braach, Peter Cahn, Ricky Adler, Email Carlebach), Berichte von Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen der ersten und zweiten Generation (u. a. aus der Türkei, Griechenland, Italien, aber auch aus Chile, Guinea und Russland) und Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie Ignatz Bubis, Rudi Arndt, Jean Claude Diallo, lring Fetscher, Walther Leisler Kiep, Emil Mangelsdorff, Lore Kramer und Frolinde Balser. Die Erzählcafés befassten sich aber auch mit aussterbenden Berufen (wie den Mainschiffern), boten Raum für Kindheitserinnerungen von Frankfurter Originalen und ließen Menschen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern wie sozialen Einrichtungen (pro familia), Kunst und Kultur (Künstler wie Ferry Ahrle und Institutionen wie der HR und die großen Frankfurter Verlage), Sport (Heinz Ulzheimer, Bronzemedaillist der Olympischen Spiele 1952) oder dem religiösen städtischen Leben zu Wort kommen. Aber auch Menschen am Rande der Gesellschaft wie Obdachlose oder Prostituierte wurden eingeladen und ihre Berichte dokumentiert. Die Erzählcafé-Aufzeichnungen bieten damit ein breites Spektrum an lebensnahen Berichten, die für unterschiedliche Fragestellungen und Zielgruppen herangezogen werden können - genannt seien nur stellvertretend die Bereiche Erinnerungskultur (Gedenkstätten, Zeitzeugen- und Zeitzeuginnenbefragungen) sowie Pädagogik. Für die Digitalisierung der 193 Filme aus dem Zeitraum 1990 bis 2004 auf 213 Kassetten erhielt die Firma AvantMedia im März 2025 den Zuschlag. Die Bänder wurden zunächst mittels RTI Tapecheck gereinigt und geglättet. Die Digitalisierung erfolgte in Full-HD-Auflösung und entspricht damit den Anforderungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und nestor-AG für die langzeitsichere Archivierung audiovisueller Medien. Nach Übermittlung der Daten an das ISG wurden die Files qualitätskontrolliert und auf den von Amt 16 betreuten Digitalisateserver umkopiert. Die Masterfiles werden langfristig im Digitalen Magazin (DiMag) des ISG archiviert, Nutzungsdigitalisate werden weiterhin auf dem Digitalisateserver vorgehalten und können jederzeit bereitgestellt werden. Die durch AvantMedia zurückgelieferten Videobänder werden im Sinne des Originalerhalts weiterhin im Kühlmagazin des Karmeliterklosters archiviert, sie werden aber keine weitere Nutzung erfahren. Eine detaillierte Erschließung mit Zeitcodes der digitalisierten Aufnahmen wird im Archivinformationssystem Arcinsys erfolgen; eine Nutzung wird dann ab Januar 2026 noch einfacher und nutzerfreundlicher. Durch dieses wichtige Digitalisierungsprojekt ist die dauerhafte Erhaltung und Nutzung eines für Frankfurt kulturhistorisch bedeutenden Bestandes sichergestellt.