Männerschuppen - Handwerk verbindet Generationen
Bericht
Die formulierte Grundidee des sogenannten Männerschuppens soll insbesondere älteren Männern die Möglichkeit geben in einem kreativen, handwerklichen Umfeld soziale Kontakte zu knüpfen. Das Konzept "Männerschuppen" wurde in Australien unter dem Namen "Man's Sheds" entwickelt. In einer quartiersnahen Werkstatt soll, durch das regelmäßige Zusammentreffen von Männern, die handwerklich arbeiten, sozialer Isolation entgegengewirkt werden. Die Umsetzung des Projekts "Männerschuppen" in Frankfurt ist kritisch zu sehen. Die Notwendigkeit der Männerschuppen wird darin begründet, dass Männer seltener ärztlichen Rat einholen, risikoreicheres Verhalten zeigen und ein erhöhtes Suizidrisiko aufweisen. So werden "Männerschuppen" als Maßnahme gegen geschlechtsspezifische Gesundheitsungleichheiten gesehen. Geschlecht wird dabei als wichtige soziale Determinante für Gesundheit ins Feld geführt. Die unterschiedliche Lebenserwartung von Frauen und Männern wird mit biologischem Geschlecht und geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen begründet. Umweltfaktoren werden in dieser Argumentation ausgeblendet: Epidemiologische Studien zeigen, dass, neben zwei Weltkriegen, Einkommen, Ernährung, Arbeitsbedingungen sowie medizinische Versorgung die unterschiedliche Lebenserwartung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des frühen 21. Jahrhunderts stärker bedingen. Soziale Ungleichheiten interagieren entlang unterschiedlicher Differenzkategorien mit Umweltfaktoren und haben mehr Aussagekraft bezüglich Lebenserwartung und Gesundheit als Geschlecht. Die Altenplanung und Altenarbeit in Frankfurt am Main ist grundsätzlich inklusiv, partizipativ und präventiv ausgerichtet. Die Angebote orientieren sich nicht an Geschlechterstereotypen und sollen allen Menschen, unabhängig von Geschlecht und kultureller Herkunft offenstehen. Ziel der Angebote für Senior:innen ist es, geschlechterübergreifend u.a. Teilhabe zu ermöglichen, Einsamkeit entgegenzuwirken und sozialen Austausch zu stärken. Unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen wird durch eine Vielzahl von Angeboten Rechnung getragen. Die viermal im Jahr erscheinende Zeitschrift "Stadt Frankfurt im Blick" informiert über die vielen Angebote in Frankfurt. Darunter sind Gruppen und Veranstaltungen, die zielgruppenspezifisch sind sowie quartiersnahe und zugehende Projekte, die Personengruppen erreichen, die auf Grund multipler Herausforderungen von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sein könnten. So werden auch regelmäßig Aktivitäten für spezifische Zielgruppen initiiert. Die Idee des Männerschuppens wurde in diesem Zusammenhang bereits aufgegriffen. Im Rahmen der Aktionswochen Älterwerden 2023 in Frankfurt am Main hatte das Gesundheitsamt Frankfurt bereits einen Männerschuppen zum Ausprobieren angeboten. Das Angebot fand keine Nachfrage. Auch verschiedene andere Ansätze, mit dem Ziel vor allem alleinlebende Männer zu vernetzen und ein geselliges Miteinander zu ermöglichen, konnten sich aufgrund der schwachen Nachfrage und der Heterogenität der Teilnehmenden nicht etablieren. Es wird deutlich, dass Alter und Geschlecht alleine keinen Bedarf an männerspezifischen Angeboten ausmachen. Interessierte, die sich gerne kreativ und handwerklich betätigen, finden in vielen Stadtteilen Angebote zum gemeinsamen (generationenübergreifenden) Werken. In zahlreiche Repair Cafés bieten Ehrenamtliche Unterstützung zum Beispiel bei der Reparatur von Kleingeräten, Kleidung oder Fahrrädern. Diese Gruppen sind oft selbstorganisiert, haben vermehrt ältere Männer an der Werkbank, sind aber in ihrer Arbeit offen für alle. Eine Übersicht über die Standorte von Repair-Cafés ist auf der Homepage der Stadt Frankfurt unter dem Stichwort "Repair" zu finden. Der Frankfurter Verband bietet beispielsweise Repair-Cafés in Heddernheim, Rödelheim, Gallus, Goldstein und Dornbusch an. Auch Kirchengemeinden und Vereine machen entsprechende Angebote. Darüber hinaus ermöglicht die Kreativwerkstatt des Frankfurter Verbandes unterschiedlichen Generationen und Kulturen, sich künstlerisch und sozial zu entfalten.