Geothermie in Bockenheim
Bericht
Nach dem Hessischen Energiegesetz (§ 13) und dem im November 2023 im Bundestag verabschiedeten und am 01.01.2024 in Kraft getretenen Wärmeplanungsgesetz (WPG) muss der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main einen unverbindlichen Wärmeplan bis zum 30.06.2026 verabschieden. Die kommunale Wärmeplanung (KWP) ist ein fortlaufender Prozess und gibt eine grobe Orientierung, wie und wo der Ausbau der Wärmenetze erfolgen kann (Wärmeausbaupotentialgebiete). Im Ergebnis erhält man erstmalig einen Überblick über die derzeitige Wärmeversorgung und die Potenziale für eine dekarbonisierte Wärmeversorgung. Die KWP zeigt Zielszenarien auf, wie die Wärmeversorgung der Stadt Frankfurt am Main zukünftig aussehen könnte. Somit handelt es sich bei der kommunalen Wärmeplanung um ein strategisches Planungsinstrument. Der daraus hervorgehende Wärmeplan ist zunächst nicht festgeschrieben und kann entsprechend geändert werden. Erst wenn es, basierend auf der kommunalen Wärmeplanung, später in die konkrete Umsetzung von Maßnahmen geht, können hierzu entsprechende Beschlüsse folgen. Geothermie wird als ein Baustein der Versorgung mit erneuerbaren Wärme in der Potenzialanalyse der KWP aufgeführt und das Thema wird sich auch in der Liste zu Maßnahmenvorschlägen der KWP wiederfinden. Allerdings werden detaillierte Konzepte für die Nutzung bestimmter Energieträger (z. B. Geothermie) in der KWP nicht beschrieben. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat ehrgeizige Klimaschutzziele. Um diese zu erreichen, müssen auch die Strom- und Wärmeversorgung unabhängig von fossiler Energie sein. Aufgrund dieses umfassenden Transformationsprozesses werden über das Klimareferat, parallel zur Erstellung der KWP, Konzepte und Machbarkeitsstudien begleitet, die Möglichkeiten aufzeigen, wie erneuerbare Energien sowie Abwärme genutzt und ausgebaut werden können und welchen Beitrag diese bei der Transformation der zukünftigen Wärmeversorgung leisten können. So wird z. B. gemeinsam mit der SEF im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht, wie die Abwärme des geklärten Abwassers an der Abwasseraufbereitungsanlage in Niederrad erschlossen werden kann. Darüber hinaus könnte auch Geothermie eine wichtige Rolle spielen. Mit der Forschungsbohrung am Rebstockbad wurden erste Erkenntnisse hinsichtlich des geothermischen Potenzials in Frankfurt gewonnen. Leider gibt es derzeit neben dieser Bohrung, sowie daraus berechneten Schlussfolgerungen durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), keine weiteren detaillierten geothermischen Untersuchungen für das Stadtgebiet Frankfurts. Daher beteiligt sich der Magistrat der Stadt Frankfurt an dem Forschungsvorhaben zur geologischen Erkundung des hessischen Teils des Oberrheingrabens im Rahmen einer großflächige Flugvermessung. Die Maßnahme dient der Schaffung einer belastbaren Datengrundlage, um die Nutzung geothermischer Wärmequellen technisch und wirtschaftlich bewerten und priorisieren zu können. Im Rahmen der sogenannten "Überfliegung" werden bestehende geologische, hydrogeologische und seismische Daten systematisch zusammengeführt, analysiert und kartiert. Die Ergebnisse, in Form eines hochaufgelösten, geophysikalisch fundierten 3D-Untergrundmodels, ermöglichen eine erste Abschätzung der potenziellen Nutzungsmöglichkeiten tiefengeothermischer Ressourcen im Stadtgebiet und Umland. Auf diesen Daten aufbauend, können anschließend vertiefte Machbarkeitsstudien in ausgewählten Gebieten durch die jeweiligen Projektentwickler:innen durchgeführt werden.