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Was ist eigentlich mit der „Klima-Stele“ von Hermann Goepfert?

Vorlagentyp: B

Inhalt

Bericht des Magistrats vom 10.11.2017, B 362

Betreff: Was ist eigentlich mit der "Klima-Stele" von Hermann Goepfert? Vorgang: A 235/17 BFF Vorausgeschickt stellt der Magistrat allgemeine Informationen zur Verfügung und beantwortet in diesem Zusammenhang die offenen Fragen zur Bedeutung der Brunnenskulptur und ihrem heutigen Zustand: Objekt: Künstler: Klimaturm Goepfert, Hermann Hölzinger, Johannes Peter Ehemaliger Standort: Ehemaliger Eigentümer: Aktueller Eigentümer: NWZ: Walter-Möller-Platz Baugesellschaft Nordtrakt KG Stadt Frankfurt am Main Material: Polierter Edelstahl, Wassertechnik, Entstehung: 1968 Maße: Gewicht: Höhe 14 m Breite 2 m 2 Tonnen Der "Klimaturm" wurde 1968 entworfen und stand bis 1987 in der Nordweststadt, im Nordwest-Zentrum auf dem Walter-Möller-Platz. Diese komplexe Brunnenanlage gehörte der Baugesellschaft Nordtrakt KG, die das Nordwestzentrum plante und baute. Im Zuge größerer Umbaumaßnahmen wurde der Klimaturm abgebaut. Auf Grund der daraus resultierenden Veränderungen sah sich die Nordtrakt KG nicht mehr in der Lage den "Klimaturm" weiter zu unterhalten und der "Klimaturm" wurde eingelagert. Auf intensive Anregung der Stadt Frankfurt gelang es zwanzig Jahre später, im Mai 2008, einen Schenkungsvertrag zwischen der Betreibergesellschaft des Nordwest-Zentrum und dem Kulturamt abzuschließen, der eine sonstige Verwertung der Skulptur durch den ehemaligen Eigentümer verhinderte. Die Brunnenplastik gehört seitdem offiziell der Stadt Frankfurt am Main und lagert im städtischen Depot in der Borsigallee. Der "Klimaturm" gehört zu einer Serie ähnlicher Objekte von Hermann Goepfert. Er ist eine insgesamt 14 Meter hohe und zwei Meter breite Brunnenplastik aus poliertem Edelstahl. Diese besteht aus einem Leitungssystem von insgesamt 136 Röhren, welche regelmäßig übereinander angeordnet sind. Über ein inneres Steigrohr gelangt das Wasser in das nächste, höher gelegene System. Durch eine Überlauffunktion, die durch die konisch zugespitzten Röhren entsteht, entwickelt sich eine laut Prof. Hölzinger "[...] rieselnde, einer Saline ähnlichen Wasserstruktur, die im Licht fluktuiert[...]". Das Ziel ist es hierbei die Luft mit Wasser anzureichern um über ihre skulpturale, ästhetische Funktion hinaus zu wirken und so, wie Prof. Hölzinger im April 2017 schriftlich festhielt, "[...] ein angenehmes Verweilklima zu erzeugen [...]". Der 1926 in Bad Nauheim geborene Hermann Goepfert war ein Künstler von internationaler Bekanntheit. Er gehörte der ZERO-Bewegung an. ZERO war eine Düsseldorfer Künstlergruppe, die 1958 von Heinz Mack und Otto Piene gegründet wurde. Goepfert war einer der wichtigsten Vertreter moderner Objektkunst im Deutschland der 60- und 70er Jahre und beschäftigte sich vor allem mit der Integration von Kunst und Architektur. Zu seinen Künstlerfreunden und Kooperationspartnern zählten neben Otto Piene und Heinz Mack unter anderem Günther Uecker und Lucio Fontana. Von 1951 bis 1958 studierte Goepfert an der Städelschule in Frankfurt am Main. Sein erstes Atelier richtete er 1957 nahe der Hochschule ein. Auf der documenta III in Kassel war er 1964 neben seinen Aluminiumreflektoren und dem Optophonium vertreten. 1968 nahm Goepfert an der Triennale in Mailand teil. Ein Jahr später folgte die Teilnahme an der Biennale in Paris. Darüber hinaus wurde er nicht nur auf der Biennale in Venedig von 1964, sondern auch auf der Weltausstellung 1967 mit seinen Werken präsentiert. 1965 gründete Hermann Goepfert mit dem Architekten Johannes Peter Hölzinger die Planungsgemeinschaft für neue Formen der Umwelt. Bis zu seinem Tod 1982 in Antwerpen, arbeiteten beide Künstler zusammen. In seinen Werken spielen Wasser, Luft, Klang und Bewegung eine bedeutende Rolle. Bei seinen kinetischen Werken steht des Weiteren das technische und mechanische Moment im Fokus. Außerdem soll seine Kunst nicht nur die Umwelt mitgestalten, sondern ebenso soziale Prozesse anstoßen und gesellschaftlichen Einfluss nehmen. Den Großteil seines Lebens verbrachte Hermann Goepfert in Frankfurt am Main. Ab 1971 lebte er vorwiegend in Antwerpen. In Frankfurt ist er mit Objekten im öffentlichen Raum und Kunst-am-Bau-Projekten vertreten, wie zum Beispiel: "Lichtturm Heinrich-von-Gagern-Gymnasium" (1962/63), "Lichtwand Adolf-Reichwein-Schule" (1960-61), "Optophonium in der Alten Oper" (1981), "Brunnenanlage am Eschenheimer Turm" (1968) und "Klimaturm" (1968 bis Anfang 90er Jahre). Seine Arbeiten befinden sich u.a. in folgenden Sammlungen: Deutsche Bank, Museum für Moderne Kunst, Städel Museum. Hermann Goepfert und Prof. Hölzinger haben insbesondere bei dem Entwurf und dem Bau des "Klimaturms" eng zusammen gearbeitet. Prof. Hölzinger besitzt am Turm das Urheberrecht und ist somit bei den Fragen der Wiederaufstellung einzubeziehen. Bei der Aufstellung sind sowohl städtebaulich-architektonische Aspekte als auch soziale Bezüge in die Planung miteinzubeziehen. Einer der Pläne von Goepfert und Hölzinger war es, das Brunnenbecken der Anlage so zu bauen, dass Kinder dort spielen können, durch das Wasser laufen oder mit dem Fahrrad hindurchfahren, um dann auf dem trockenen Betonboden Fußspuren und die Kreise der Reifenspuren zu hinterlassen. Dahinter steckte die Intention, das Werk über seine physischen Grenzen hinaus wirken zu lassen. Im Rahmen einiger Projekte zur "Sanierung, Wiedererrichtung und Translozierung von Brunnen, Denkmälern und Kunstwerken" befasst sich das Kulturamt auch mit der Sanierung und Wiedererrichtung des Klimaturms. Mit der Intention einer Wiederaufstellung, vereinbarten das Kulturamt (Abteilung Kunst im öffentlichen Raum) und Professor Johannes Peter Hölzinger 2017 einen Ortstermin zur Begutachtung. Gemeinsam wurden Maßnahmen, Kriterien und Bedingungen für eine Neuaufstellung besprochen. Für eine Wiedererrichtung bedarf es einer kompletten Neukonstruktion der Brunnenanlage (Decke, Kammer, Wassertechnik), da lediglich die Brunnenstele erhalten ist. Leider wurde die Skulptur von ihrem ehemaligen Eigentümer nicht fachgerecht demontiert. Es entstanden dabei erhebliche Schäden. Bei der Gestaltung der Brunnendecke sind verschiedenen Versionen möglich. Die Kosten für die Wiedererrichtung der Stele würden sich, nach einer Schätzung des Hochbauamtes aus dem Jahr 2010, auf 250.000 Euro belaufen. Hierfür sind im Etat des Kulturdezernates keine Mittel vorhanden. Ein Verkauf der Brunnenstele wird nicht in Erwägung gezogen und wäre auch mit Blick auf den Kunstmarkt und potentielle Käufer unrealistisch; es sei denn die Stadt Viersen müsste zum Beispiel ihre Brunnensäule aus dem Jahr 1970 abbauen und würde dafür dann einen Ersatz suchen. Das Kulturamt und das Stadtplanungsamt erwogen 2010 eine mögliche Wiederaufstellung am Standort der sanierten Zeil und auf einer Freifläche an der Konstablerwache, um eine Aufwertung der Plätze zu erzielen. Prof. Hölzinger stimmte dem Standort grundsätzlich zu. Bisher scheiterte eine Wiedererrichtung an den Kosten. Die Stele kann nur im Verbund mit einer neuen Brunnentechnik errichtet werden. Der Wasserfluss ist originärer Teil des Kunstwerks. Für einen zukünftigen Aufstellungsort ist die Einbettung der Brunnenplastik in eine städtebauliche Umgebung wichtig. Zu den Kriterien ist aus Gesprächen mit Prof. Hölzinger festzuhalten, dass versiegelte Innenstadtplätze bevorzugt werden und das Objekt räumlich im Zentrum stehen soll. Prof. Hölzinger sprach davon, dass es wichtig sei, die Aufenthaltsqualität zu sichern, zum Beispiel durch Sitzmöglichkeiten, die entweder fest oder variable angeordnet sein sollen. Das Kulturamt hat das Stadtplanungsamt über den Wunsch einer Wiedererrichtung des Klimaturms informiert und gebeten, den Brunnen unter den genannten Maßgaben in zukünftigen Bebauungsprojekten und deren Gestaltung öffentlicher Plätze zu berücksichtigen. Zur Veranschaulichung liegt dem Bericht Bildmaterial bei, das die eingelagerte Skulptur und Prof. Peter Hölzinger während des Ortstermins 2017 zeigt. Goepfert/Hölzinger, Klimaturm Foto: Kulturamt Frankfurt am Main

Beratungsverlauf 3 Sitzungen

Sitzung 17
OBR 1
TO I, TOP 39
Angenommen
Die Vorlage B 362 dient zur Kenntnis.
Zustimmung:
SPD CDU Grüne Linke Fdp Und Fraktionslos
Ablehnung:
ÖkoLinX-ARL
Sitzung 17
Kultur- und Freizeitausschusses
TO I, TOP 19
Angenommen
nicht auf TO Die Vorlage B 362 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)
Zustimmung:
CDU SPD Grüne AFD Linke FDP BFF FRAKTION Frankfurter
Sitzung 17
Ausschusses für Planung, Bau und Wohnungsbau
TO I, TOP 33
Angenommen
nicht auf TO Die Vorlage B 362 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS)
Zustimmung:
CDU SPD Grüne Linke FDP BFF FRAKTION Frankfurter
Ablehnung:
AFD