Flora und Fauna auf dem Frankfurter Flughafen
Bericht
Dem Magistrat sind keine regelmäßigen oder systematischen Kartierungen von Pflanzen auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens bekannt. Aus Erhebungen des Jahres 2004, die auch für die Erstellung des Arten- und Biotopschutzkonzepts der Stadt Frankfurt am Main (2021) verwendet wurden, ergibt sich, dass die Freiflächen überwiegend von Pflanzen der einjährigen Ruderalgesellschaften, Sandmagerrasen, Borstgrasrasen und Heiden sowie Ansaaten geprägt sind. Allgemein und weit verbreitete Arten nährstoffarmer, saurer Standorte kommen vor. Darüber hinaus sind einige Neophyten (gebietsfremde Pflanzen) sowie verwilderte Gartenpflanzen zu finden. Nach der genannten Erhebung aus dem Jahr 2004 ist ein kleiner Anteil auch gefährdeter, im Rückgang befindlicher und geschützter Arten vorzufinden. Die wertvollsten Pflanzengesellschaften sind Gesellschaften der Sandtrockenrasen, die einen großen Anteil an gefährdeten, rückläufigen und bemerkenswerten Pflanzenarten aufweisen. Pflanzenarten wie Frühe Haferschmiele oder Frühlings-Spergel, die im Erhebungsjahr häufiger vorkamen, sind im restlichen Stadtgebiet extrem selten geworden. Da die Bestände gerade durch die Pflege der Flächen entsprechend gewachsen sind, ist die Beibehaltung entsprechender Pflegemaßnahmen sinnvoll. Spezielle Schutzmaßnahmen sind daher nicht erforderlich. Trockenrasen sind zudem pauschal nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz gesetzlich geschützte Biotope und dürfen demensprechend weder zerstört noch erheblich beeinträchtigt werden. Die auf den mageren und trockenen Sandböden lückigen, blütenreichen, oft sandmager-rasenähnlichen Vegetationsgesellschaften (Komplexe aus Magerrasen, Borstgrasrasen, Sandtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, Rohbodenflächen, extensiv genutztes, artenreiches Grünland), die zwischen den Rollbahnen wachsen, sind von besonderer Bedeutung für Flora und Fauna und bilden wichtige Rückzugsräume für entsprechend spezialisierte Arten. Aktuelle Daten zum Artbestand liegen dem Magistrat nicht vor. Aus den früheren Untersuchungen gibt es jedoch Hinweise auf knapp 50 Brutvogel-Arten sowie weitere 30 Gastvogel-Arten auf dem Flughafengelände. Der zentrale Bereich des Geländes ist jedoch bezüglich der Vogelarten als artenarm zu bezeichnen. Aufgrund der deutlich höheren Strukturvielfalt konnten im Bereich der CargoCity Süd und der Airbase wesentlich mehr Vogel-Arten festgestellt werden. Durch die ständigen Bautätigkeiten auf dem Flughafengelände entstehen immer wieder nicht oder wenig bewachsene Rohbodenflächen, die von "Pionierarten" besiedelt werden können. So stellten z.B. beim Bau des Terminals 3 die sandigen Flächen mit zahlreichen größeren Pfützen einen idealen Lebensraum für die Kreuzkröte dar, und auch der Flussregenpfeifer als weiterer Besiedler von Rohbodenflächen mit Kleingewässern fand hier geeignete Brutplätze. Im Süden und Nord-Westen gehören waldreiche FFH-Gebiete zum Flughafengelände. Hier lassen sich insbesondere Fledermäuse und verschiedene Käferarten finden. In großen Teilen des Geländes wurden zudem Reptilienarten festgestellt. Es ist zum Beispiel davon auszugehen, dass mehrere tausende Individuen der Zauneidechse auf dem Flughafengelände, schwerpunktmäßig in lichten Waldbereichen sowie auf dem CargoCity Süd/Air-Base-Gelände, vorkommen. Auch Heuschrecken, Tag- sowie Nachfalter und Laufkäfer sind auf dem Flughafengelände zu finden. Es gibt einzelfallbezogene biologische Erhebungen. Beispielsweise erfolgt wöchentlich eine Zählung der Tiere im Rollfeld im Zuge der biologischen Flugsicherheit. Eine Anzahl an Arten lässt sich für die Feldlerche angeben: im Frühjahr 2016 wurden im Parallelbahnsystem 229 Brutpaaren erfasst. Dies ist die größte Dichte an Feldlerchen im Frankfurter Stadtgebiet. Dieser Brutbestand wird jährlich als Bioindikator erhoben. Im Rahmen des Monitorings zum Flughafenausbau wurden einzelne Referenz-Vegetationskartierungen und eine Biotopkartierung erstellt. Alle diese Daten sind in das Arten- und Biotopschutzkonzept der Stadt Frankfurt eingeflossen (ZR 63 Flughafen). Einige der nachgewiesenen Arten sind auf der Hessischen oder Deutschen Roten Liste zu finden und sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders oder streng geschützt. (Stark) gefährdete Arten sind hierbei beispielsweise die Fledermausarten Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr, welche jedoch im nördlichen Bereich des FFH-Gebiets "Mark- und Gundwald zwischen Rüsselsheim und Mörfelden" nachgewiesen wurden. Unter den Brut-Vogelarten sind als streng geschützte Arten u. a. der Flussregenpfeifer, Steinschmätzer und die Heidelerche zu nennen. Im Rahmen von Bauanträgen fordert die Untere Naturschutzbehörde (UNB) regelmäßig Gutachten von Zoologen, um Aussagen bezüglich des betroffenen Artbestandes, potenziellen arten-schutzrechtlichen Konflikten und Vorschlägen zu möglichen Vermeidungs- oder Ausgleichs-maßnahmen zu erhalten. Bei unvermeidbaren Eingriffen wurden in der Vergangenheit zum Schutz der Tiere bereits Umsiedlungen streng geschützter Arten, wie der Zauneidechse oder der Kreuzkröte, durchgeführt. Auch werden Maßnahmen ausgeführt, um bereits im Vorfeld das Einwandern und die Ansiedlung von einzelnen gesetzlich geschützten Arten zu verhindern. So wird beispielsweise der Entwicklung von temporären Tümpeln, als ein Habitat der Kreuzkröte, durch Drainagen entgegengewirkt. Zudem nimmt die UNB regelmäßig an den Treffen des Wildlife Committees statt. Hier wird gemeinsam mit Vertretern des Fraports (u. a. Feuerwehr, Flugbetrieb, Gärtnerei), aber auch der Deutschen Flugsicherung und dem Deutschen Ausschuss, zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr über aktuelle Fragen zu Wildtieren auf dem Flughafengelände diskutiert und entsprechende Maßnahmen geplant. Nach dem Arten- und Biotopschutzkonzept der Stadt Frankfurt am Main (2021) sind die Grünländer des Parallelbahnsystems von sehr hoher Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz in Frankfurt am Main. Sowohl von sehr hoher Bedeutung hinsichtlich der Qualität des Lebensraumes, der Artausstattung, als auch der Flächengröße. Mit der Beibehaltung der extensiven Nutzung, d.h. mit der Erhaltung, Förderung und Optimierung der Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Rohbodenflächen und artenreicher Grünländer, leistet der Frankfurter Flughafen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt der städtischen Offenlandlebensräumen trockener Standorte.