Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern
Stellungnahme des Magistrats
Die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts betrachtet der Magistrat der Stadt Frankfurt, als eine seiner Kernaufgaben. Viele Aktivitäten der Stadt, gerade im Bereich Soziales, weisen die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts nicht explizit als Ziel von Maßnahmen und Projekten aus. Vielmehr tragen diese in ihrer Wirkung zur Stärkung des Zusammenhalts bei. Die Sozialrathäuser des Jugend- und Sozialamts sowie das Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft unterstützen zahlreiche Maßnahmen im direkten Wohnumfeld von Frankfurter Bürger:innen. Um einen besseren Eindruck von ihren Rollen in den Stadtteilen zu bekommen werden im Folgenden die Arbeit der Sozialrathäuser und der Aktiven Nachbarschaft kurz vorgestellt, bevor eine Übersicht einzelner Projekte in den Stadtteilen des Ortsbeirats 1 erfolgt.
- Sozialrathäuser als Koordinatoren und Netzwerkpartner in den Stadtteilen Die insgesamt sieben Sozialrathäuser bieten in erster Linie Hilfen und Beratung für Kinder und Jugendliche, Familien und Alleinstehende, Senior:innen und Menschen mit Behinderungen. Die Häuser sind über das Stadtgebiet verteilt und sie sind niedrigschwellige Anlaufstellen für die Menschen in den Stadtteilen. Frankfurter Bürger:innen wenden sich an Sozialrathäuser, wenn sie z.B. den Frankfurt Pass, Eingliederungshilfen und Unterhaltsvorschuss beantragen wollen oder sonstige Hilfen benötigen. Die Sozialrathäuser pflegen darüber hinaus Kontakte zu unterschiedlichen Akteur:innen vor Ort. Dies verhilft ihnen dabei frühzeitig Bedarfe und Anregungen in den Stadtteilen aufzugreifen. Die Mitarbeitenden arbeiten vernetzt, sind an Gremien und Arbeitskreisen beteiligt und setzen sich fachlich mit den vielfältigen Themen des Zusammenlebens, der Prävention und der Zusammenarbeit im Stadtteil auseinander. Auch stehen sie in regelmäßigem Austausch mit dem Ehrenamtlichen Dienst der Stadt Frankfurt am Main (den Sozialbezirksvorsteher:innen und Sozialpfleger:innen), der durch seine Arbeit ebenfalls das Miteinander der Menschen in Frankfurt fördert. Für die Stadtteile des Ortsbezirks 1 sind das Sozialrathaus Gallus (Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) und das Sozialrathaus Ost (Altstadt, Innenstadt) zuständig. Die Maßnahmen und Projekt, die die beiden Sozialrathäuser zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts fördern, sind unten in der Übersicht der Projekte aufgelistet.
- Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft / Quartiersmanagement Das "Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft" besteht seit dem Jahr 2000 und ist in aktuell 16 Quartieren der Stadt mit einem Quartiersmanagement bzw. Nachbarschaftsbüro vertreten. Träger der freien Wohlfahrtspflege betreiben die Quartiersmanagements. "Ziel ist es, vor allem den Zusammenhalt in Wohnquartieren zu verbessern und zu ermöglichen. Dies unterstützt ein friedliches und tolerantes Zusammenleben. Damit wird auch der soziale Zusammenhalt gestärkt. Wenn Bewohner:innen ihre Sozialräume annehmen und als lebenswert empfinden sollen, brauchen sie Möglichkeiten der Aneignung und Mitgestaltung dieser Räume, sowie Angebote, die deren Nutzung attraktiv machen und mit denen sich die Bewohner:innen identifizieren können. Das Konzept der Aktiven Nachbarschaft trägt dazu bei, dass alle Akteur:innen und Ressourcen im Quartier gebündelt werden und ermöglicht Teilhabe. Die Beteiligung der Menschen in Frankfurt am Main bringt neue Ideen, bessere Ergebnisse und erhöht die Akzeptanz von politischem Handeln. Die Beteiligung findet auf sozialräumlicher Ebene statt und soll den Bewohner:innen ermöglichen, auf die soziale Infrastruktur und Lebensraumgestaltung Einfluss zu nehmen" (Sozialkonzeption des Jugend- und Sozialamtes, Seite 27). Die Quartiersmanager:innen aktivieren interessierte Bewohner:innen, vernetzen Initiativen miteinander und führen lokale Projekte in den Programmgebieten durch, die je nach Quartier sehr unterschiedlich sein können. Im Bezirk des Ortsbeirats 1 wurde für den Stadtteil Gutleut im Jahr 2016 und für Gallus im Jahr 2015 ein Quartiersmanagement eingerichtet. Beispielprojekte, die durch die Quartiersmanagements unterstützt werden, sind in der folgenden Aufstellung genannt.
- Projekte nach Stadtteilen Die folgende Auflistung bietet einen Einblick in zahlreiche Projekte, die zur Stärkung des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit): Europaviertel / Gallus - Beispielprojekte des Quartiersmanagements Gallus: Entwicklung des Gustavsburgplatzes und der Gustavsburgstraße zu einem Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität für die Nachbarschaft (Gustav's Lounge). Die durch einen Anwohner gemeinsam mit Nachbar:innen gebaute 20 m lange Nachbarschaftsbank hat 2024 den Nachbarschaftspreis in der Kategorie "Schöner bunter, nachhaltiger" erhalten; diverse Stadtteilfeste; ab 2025 kommt als für die Nachbarschaft nutzbarer Raum auch ein ehemaliger Kiosk in der Idsteiner Straße hinzu. - Verschiedene Projekte des Mehrgenerationenhauses (Träger: KIZ Gallus e.V.), z.B. Gallus-Garten. - Angelehnt an den durch KIZ Gallus e.V. betriebenen Gallus-Garten wurde auf dem Grünstreifen der Frankenallee zwischen Günderrode- und Hellerhofstraße durch private Initiative (mit Unterstützung von KIZ Gallus e.V.) ein "Gallus-Garten II" gegründet, der mittlerweile von einem, zu diesem Zweck gegründeten eingetragenen, Verein getragen wird. - Das Projekt "Stadtteilwerkstatt Gallus: Nachhaltig Wirtschaften, Arbeiten, Leben und Lernen" trägt dazu bei, neben einer individuellen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit von Projektteilnehmenden, auch die Entstehung einer Verantwortungsgemeinschaft, durch Kontakte zu kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Gebietskulisse, zu fördern. (Das Arbeitsmarktprojekt wird über das ESF Plus Förderprogramm des Bundes "Bildung-Wirtschaft, Arbeit im Quartier - BIWAQ V" gefördert; Vorhabenträger: Stadt Frankfurt am Main, Teilvorhabenpartner: KIZ Gallus e.V. und verschiedene Kooperationspartner:innen.) - Das Projekt VERBUND ist ein Projekt zur Umsetzung kommunaler Bewegungsförderung nach dem "KOMBINE-Ansatz" in den Stadtteilen Gallus und Gutleut und wird durch die Mitarbeit des Sozialrathauses Gallus und durch die Förderung einzelner Angebote unterstützt. KOMBINE verfolgt einen Aktivierungs- und Beteiligungsansatz bei dem Bürgerinnen und Bürger sowie Akteur:innen aus Politik, Wissenschaft und kommunaler Praxis eingebunden sind. Die Projektträger in Frankfurt sind das Gesundheitsamt, Sportamt und Jugend- und Sozialamt. - Weitere beispielhafte Projekte, die durch das Sozialrathaus Gallus im Rahmen der Mittel für Stadtteilprojekte finanziell unterstützt werden: - Projekt des Trägers Kinder im Zentrum Gallus e.V., welches seit Ende 2019 die Beratung von Eltern im Umfeld der Ackermannschule fördert, wird mit einem Förderbetrag von 16.745,00 € jährlich bezuschusst. - Projekt des Familienzentrums Monikahaus, welches die Hausaufgabenbetreuung im Bereich Galluspark fördert, begann im Januar 2021 und wird mit 5.300,00 € jährlich unterstützt. Das Projekt führt außerdem, neben anderen Initiativen, wie dem AK Galluspark, zu einer Befriedung und einer Hinführung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in dem Bereich des Quartiers Galluspark. Wie auch die Polizei feststellt und im Regionalrat Gallus mitteilt, hat sich die Situation im Bereich Galluspark mittlerweile sehr entspannt. In der Folge konnte vereinbart werden, dass der AK Galluspark sich zukünftig nur noch bei Bedarf trifft. - Weiterhin wurde z.B. auf Anregung des Schutzmannes vor Ort zweimal das Gefängnisballturnier der Grundschulen im Stadtteil Gallus mit einem finanziellen Beitrag von jeweils 600,00 € unterstützt. Gutleut - Beispielprojekte des Quartiersmanagements Gutleut: Foodsharing, Musikkaravane, Feste, Urban Gardening Projekte. - Projekt VERBUND siehe Europaviertel/ Gallus. - Arbeitskreis Stadtteilinfo - Vernetzung der sozialen Gemeinwesen-Einrichtungen aus dem Gutleut und dem Bahnhofsviertel; regelmäßige Netzwerktreffen. Bahnhofsviertel Die Angebote im Bahnhofsviertel, die zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts beitragen, umfassen eine Vielzahl von Aktivitäten, Projekten und Einrichtungen für unterschiedliche Zielgruppen. - Die Anwohnenden-Initiative Bahnhofsviertel ist ein selbstorganisiertes Nachbarschaftsnetzwerk, das den Austausch fördert, als Interessenvertretung der Bewohner:innenschaft fungiert und Gemeinschaftsaktionen durchführt. Sie trifft sich seit Juni 2023 monatlich zu einem Nachbarschaftstreff. - Beratungs- und Unterstützungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen (Familien, Jugendliche, Senior:innen, Geflüchtete, Menschen in schwierigen Lebenslagen außerhalb der Obdachlosen- und Suchthilfe), z.B. HIWA Beratungsstelle für ältere Migrant:innen. - Sozialräumliche Familienbildung im Bahnhofsviertel und Gutleut. - Der Arbeitskreis Stadtteilinfo vernetzt soziale Gemeinwesen-Einrichtungen aus dem Gutleut und dem Bahnhofsviertel. Die Netzwerktreffen finden ca. alle 6 Wochen an unterschiedlichen Orten statt. - Die Werkstatt Bahnhofsviertel ist ein monatliches Vernetzungstreffen und besteht aus Akteur:innen, Einrichtungen, Initiativen und Bewohner:innen, die im und für das Bahnhofsviertel tätig und engagiert sind. - Beim Hausprojekt Nika e.V. handelt es sich um ein Wohnprojekt, das Ausstellungen und verschiedene soziale und kulturelle Angebote im Erdgeschoss durchführt. Hier finden z.B. Beratungen für afghanische Menschen des Migrant Support Network e.V. und des Fördervereins Roma statt. - Die Stadt fördert außerdem verschiedene Bildungs- und Freizeitangebote, wie Workshops, Bewegungsangebote, Ausflüge, Musik-, Kreativ- und Theaterprojekte, Ferienangebote, Teilnahme an Stadtteilfesten für Kinder und Jugendliche in außerschulischen Nachmittagsbetreuungen und weitere soziale und kulturelle Angebote, die die Stärkung von Vielfalt und Zusammenhalt zum Ziel haben. - Die Stadtteilentwicklung und Beteiligung von Bewohner:innen und Akteur:innen wird durch das Koordinierungsbüro Bahnhofsviertel gefördert. Dieses plant und initiiert Projekte zur Verbesserung der Lebenslagen im Stadtteil und verantwortet die Geschäftsstelle für den Verfügungsfonds des Bahnhofsviertels, durch den beispielsweise Kultur- und Kleinprojekte gefördert werden. Altstadt und Innenstadt Die Innenstadt ist das wirtschaftliche Zentrum von Frankfurt am Main und geprägt von Einkaufs- und Konsummöglichkeiten, sowie kulturellen Angeboten. Die Altstadt ist v.a. wegen ihres vielfältigen historischen Angebots insbesondere für Tourist:innen ein wichtiger Anziehungspunkt. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften der beiden Stadtteile, vernimmt das zuständige Sozialrathaus sozialräumlich wenig besondere Bedarfe aus der Bewohner:innenschaft. In diesen zentralen Stadtteilen befinden sich allerdings mehrere städtisch geförderte Einrichtungen, deren Angebote ebenfalls auf das Ziel der Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einzahlen. Dazu gehören Angebote, wie die des LIBS - Lesben Informations- und Beratungsstelle oder des Begegnungs- und Servicezentrum Melange am Römer des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe. Im Kern der Innenstadt liegt zudem die Zentralbibliothek der Stadtbücherei. Diese ist unter anderem Begegnungsstätte für alle Menschen in Frankfurt und kooperiert mit dem Jugend- und Sozialamt z.B. bei der Durchführung der Kinder- und Jugendbuchausstellung Frankfurter LeseEule. Diese findet jährlich in den Römerhallen statt und behandelt gesellschaftlich relevante Themen. Unter dem diesjährigen Titel "Streiten kann man nicht alleine: miteinander - gegeneinander - füreinander" regt das Programm dazu an sich mit sozialem Zusammenhalt und seiner Bedeutung in einer demokratischen Gesellschaft auseinanderzusetzen.