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Neue Konzepte der Erinnerungskultur im Ortsbezirk 5

Vorlagentyp: ST Magistrat

Stellungnahme des Magistrats

Die Erinnerungskultur bezeichnet den Umgang unserer Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte. Hierin ist insbesondere das geistige Erbe in Form eines kollektiven Gedächtnisses zu verstehen, das seinen Ausdruck in vielfältigen Ausprägungen finden kann, so z.B. in Form von Gedenkstätten, Denkmälern oder Gedenktafeln. Dazu gehören selbstverständlich auch Veranstaltungen und digitale Angebote mit weiterführenden Angaben. Insbesondere in den letzten Jahren wurden auch Wege gesucht, die vom statischen Denkmal wegführen. Als Beispiel kann das dreijährige Kunstprojekt zum Gedenken an die Opfer des KZ in den ehemaligen Adlerwerken genannt werden. Das sogenannte KZ-'Katzbach' war ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof in Elsass, errichtet im Jahr 1944 mitten in Frankfurt im Gallus. Es war eines der grausamsten Konzentrationsaußenlager in Hessen. An dem Projekt, das von 2014 bis 2017 lief, nahmen die Künstler*innen Margarete Rabow, Stefanie Grohs und Naneci Yurdagül teil. Wobei die Kunstprojekte von Margarete Rabow und von Stefanie Grohs bezirksübergreifend konzipiert waren. Die Stadt Frankfurt betrachtet die Erinnerungskultur grundsätzlich ganzheitlich, sie besteht immer aus zahlreichen Projekten, Perspektiven und Blickwinkeln. Und mit dem aufgeführten Beispiel möchte der Magistrat den grenz- respektive ortsbezirksübergreifenden Charakter des Gedenkens veranschaulichen. Die Erfahrung aus der nahen Vergangenheit hat die produktive Zusammenarbeit zwischen Bürgerinitiativen, Ortsbeiräten und der Stadt Frankfurt am Main bestätigt. Ein reger Austausch zwischen Initiativen und der Stadt Frankfurt am Main hat bei vielen Gedenkprojekten stattgefunden. Oft sprang der Anfangsfunke eines Gedenkprojekts von engagierten Bürgern aus. Jedes dieser Projekte hat eine spezifische Entstehungsgeschichte. Oft setzen sich Bürger in Verbindung mit dem Kulturamt. Der Ideenaustausch bündelt Synergien und führt zu optimalen Ergebnissen. Erwähnt seien hier das Denkmal für die Kindertransporte in der Kaiserstraße und das Denkmal für das Jüdische Kinderheim in der Ebersheimstraße 5, denen ein langjähriger intensiver Austausch zwischen Bürgern, Initiativen, Ortsbeiräten und Ämtern voranging. Auch die künstlerische Realisierung und Umbenennung des kleinen Platzes in der Hans-Thoma-Straße in 'Platz der vergessenen Kinder', kann als eine gelungene Zusammenarbeit zwischen einer privaten Initiative, der evangelischen Kirche, dem Ortsbeirat sowie städtischen Ämtern - dem Stadtvermessungsamt, dem Grünflächenamt, dem Stadtplanungsamt, dem Kulturamt und dem Amt für Straßenbau und Erschließung - erwähnt werden. Der 'Platz der vergessenen Kinder' ist virtuell auf verschiedenen Homepages und interaktiven Karten aufzufinden. Auf der Homepage der Stadt Frankfurt existieren 'digitale Stolpersteine' zu allen Bezirken Frankfurts. Darunter sind die Bezirke Sachsenhausen, Niederrad und Oberrad gelistet. Die 'digitalen Stolpersteine' sind thematisch nach Standorten und nach Biographien unterteilt. Ergänzt werden die Angaben mit einer geographischen Ansicht des genauen Standortes. So werden beispielsweise in Niederrad 23 Orte gelistet, die nach Standorten und nach Biographien unterteilt sind. Verlinkt ist die städtische Seite mit der Homepage der Stolperstein Initiative. Beide Seiten - die städtische und die Homepage der Stolperstein Initiative e. V. liefern fundierte weiterführende Ergänzungen zu jedem in Frankfurt verlegten Stolperstein. Die Seiten können zu pädagogischen Zwecken benutzt werden. Der Magistrat möchte gerne den Ortsbeirat einladen, sich mit dem Konzept des Künstlers Gunter Demnig, dem Erfinder der Stolpersteine, genauer zu befassen. Die Stolpersteine haben sich als eine sehr gelungene Art des Gedenkens erwiesen: kleine stille Mahnwachen, die in minimalistischer Manier auf die Geschehnisse von damals verweisen und den Vorbeigehenden einladen, davor zu verweilen. Seit dem Jahr 1997 verlegt Gunter Demnig in Deutschland Stolpersteine, der Verlegungen in weiteren europäischen Ländern folgten. In Frankfurt am Main wurden die ersten Stolpersteine 2003 verlegt. Dies ist auch das Gründungsjahr der Initiative Stolpersteine in Frankfurt am Main. Die Initiative recherchiert die Schicksale der Opfer, koordiniert die Verlegungen und informiert die Öffentlichkeit darüber. Die Stadt Frankfurt unterstützt die Initiative im Rahmen der Projektförderung. Zu den Punkten 1-5: Wie bereits ausgeführt, wird Gedenken nicht in Grenzen von Ortsbezirken gesehen und definiert und daher auch nicht ortsbezirksspezifisch erfasst. Eine Vielzahl von Projekten, Maßnahmen und Förderungen finden, wie auch in den Vorbemerkungen ausgeführt, bereits statt. Allerdings bestehen für das Themenfeld Erinnerungskultur im Kontext digitaler Medien insgesamt nur sehr eingeschränkte Ressourcen zur Verfügung. Im Kulturamt Frankfurt am Main steht aktuell lediglich eine Stelle zur Verfügung, um sämtliche stadtweit anfallenden Gedenkvorhaben, auch diejenigen außerhalb des Themenfeldes der Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger, inklusive der regelmäßig anspruchsvollen Recherchen, Abstimmungen und prozessbegleitenden Umsetzungsmaßnahmen durchzuführen. Der Magistrat wird die Anregung des Ortsbeirates in der nächsten Sitzung der im Jahr 2020 konstituierten Kommission für Erinnerungskultur thematisieren. Grundsätzlich soll an dem gelingenden Zusammenwirken bürgerschaftlicher Initiativen im Bereich der Erinnerungskultur und den beteiligten städtischen Ämtern und Institutionen festgehalten werden. Das Kulturamt Frankfurt am Main wird im Rahmen der vorhandenen Fördermittel gerne wohlwollend prüfen, ob erinnerungskulturelle Initiativen bzw. Vereine für eine verbesserte digitale Sichtbarkeit ihrer Arbeitsergebnisse Projektzuwendungen erhalten können.

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