Belastung des Urselbachs mit multiresistenten Keimen
Stellungnahme des Magistrats
Zu Frage 1: Der Urselbach wurde im September 2017 erstmalig im Rahmen einer einmaligen Untersuchung auf antibiotikaresistente Keime untersucht, die Ergebnisse sind im neuen Bericht des Gesundheitsamtes "Oberflächengewässer in Frankfurt am Main 1996-2017" zusammengefasst. Ob und ggf. seit wann multiresistente Keime schon länger im Urselbach - oder auch in anderen Oberflächengewässern - zu finden sind, lässt sich deswegen nicht beantworten. Zu Frage 2: Für die Bewässerung in Kleingärten mit Urselbachwasser weist der neue Bericht des Gesundheitsamtes (2018) folgendes aus: Im Bereich Hundertwasser-Kita/Sebastian-Kneipp und Olof-Palme-Straße, also im Ablauf der Kläranlage liegt Eignungsklasse 4, im Zulauf zur Kläranlage liegt Eignungsklasse 3 gemäß DIN 19650 "Hygienisch-mikrobiologische Klassifizierung von Bewässerungswasser" vor. Hygienisch-mikrobiologische Klassifizierung von Bewässerungswasser nach DIN 19650 Eignungsklasse 1 - alle Gewächshaus- und Freilandkulturen ohne Einschränkung Eignungslasse 2 - Schulsportplätze, öffentliche Parkanlagen - Freiland- und Gewächshauskulturen für den Rohverzehr Eignungsklasse 3 Gewässerabschnitt vor der Kläranlage - sonstige Sportplätze: bei der Beregnung muss durch Schutzmaßnahmen sichergestellt werden, dass Personal und Öffentlichkeit keinen Schaden nehmen. - nicht zum Verzehr bestimmte Gewächshauskulturen - Freilandkulturen für den Rohverzehr bis Fruchtansatz bzw. Gemüse bis 2 Wochen vor der Ernte - Obst und Gemüse zur Konservierung - Grünland bzw. Grünfutterpflanzen bis 2 Wochen vor dem Schnitt oder der Beweidung - alle anderen Freilandkulturen ohne Einschränkung Eignungsklasse 4 Gewässerabschnitt nach der Kläranlage - Wein- und Obstkulturen zum Frostschutz - Forstkulturen, Polterplätze und Feuchtbiotope - Zuckerrüben, Stärkekartoffeln, Ölfrüchte und Nichtnahrungspflanzen zur industriellen Verarbeitung und Saatgut bis 2 Wochen vor der Ernte - Getreide bis zur Milchreife (nicht zum Rohverzehr) - Futter zur Konservierung bis 2 Wochen vor der Ernte Es sollte also, wenn Gemüse, Kräuter und Salat für den Rohverzehr bewässert werden, darauf geachtet werden, dass durch das Bewässerungsverfahren eine Benetzung der zum Verzehr geeigneten Teile der Ernteprodukte ausgeschlossen ist (DIN 19650 Hygienisch-mikrobiologische Klassifizierung von Bewässerungswasser). Für am Urselbach spielende Kinder gelten die bisherigen Empfehlungen des Gesundheitsamtes weiter: - vom Schwimmen im Gewässer wird abgeraten - nach direktem Kontakt mit dem Wasser oder dem Schlamm des Urselbachs sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Zu Frage 3: Für planschende Hunde geht keine Gefahr von den Gewässern aus. Eine passagere Besiedelung mit Multiresistenten Erregern (MRE), also ein vorübergehendes Vorhandensein des Keims ohne Krankheitswert, kann nicht ausgeschlossen werden. Zu Frage 4: Ratten tragen - ebenso wie Menschen und andere Tiere - Darmkeime in sich. Falls sie multiresistente Erreger in sich tragen, können diese auch von Ratten in die Umwelt und in Oberflächengewässer abgegeben werden. Dies ist beispielsweise in der Fachliteratur über Wildvögel, z.B. Möwen, beschrieben. Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Menschen geht von Ratten oder Wildvögeln bei fehlendem direktem Kontakt nicht aus. Zu Frage 5: Derzeit besteht für Kläranlagen keine gesetzliche Anforderung, Maßnahmen gegen die Keimbelastung vorzunehmen. Inwieweit weitergehende Maßnahmen wie z.B. die Desinfektion von Kläranlagenabläufen in Oberflächengewässer sinnvoll und erforderlich sind, wurde und wird aktuell in verschiedenen nationalen Projekten untersucht (z.B. HyReKa). Anmerkung zur Begründung: Carbapenemresistente Erreger mit einer Carbapenemase (KPC3 und OXA 51) wurden bei der Untersuchung im September 2017 im Urselbach nach der Kläranlage und in der Nidda gefunden. Erreger mit Carbapenem- und/oder Colistin-Resistenz wurden auch in nicht Kläranlagen-beeinflussten Gewässern bzw. Gewässerabschnitten gefunden, nämlich im Erlenbach und im Urselbach vor der Kläranlage sowie im Königsbach und im Rebstockweiher.