Gedenktafel Hermine Speier am Archäologischen Museum
Antrag
Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Der Magistrat wird aufgefordert, 1. eine Bronzetafel am Archäologischen Museum Frankfurt (AMF) an gut sichtbarer Stelle mit folgender Inschrift Hermine Speier (1898-1989) war eine der bedeutendsten Archäologinnen Frankfurts. Sie hat in Rom Archäologiegeschichte geschrieben und war die erste Jüdin, die im Vatikan angestellt war. Als Mitarbeiterin der Vatikanischen Museen hat sie die Deportation der römischen Juden und den Holocaust überlebt. 1939 konvertierte sie aus freien Stücken zum Katholizismus und ruht auf dem Campo Santo Teutonico. Ihrer Heimatstadt Frankfurt blieb sie stets eng verbunden. anzubringen und 2. einen Vorschlag zu machen, wie die mit der Bronzetafel verbundene Ehrung für die bedeutende Archäologin Hermine Speier im Museum angemessen durch kuratierte Formate und Medien (zum Beispiel Installation, Vitrine, thematischer Sonderraum) kontextualisiert werden kann.
Begründung
Hermine Speier (1898-1989) hat als Frankfurterin in Rom Archäologiegeschichte geschrieben. Sie stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, deren Wurzeln mütterlicherseits in Frankfurt 400 Jahre zurückreichen. Nach dem Studium der Germanikstik und Archäologie in Frankfurt und Heidelberg wurde sie 1925 bei dem berühmten klassischen Archäologen Ludwig Curtius promoviert. Als sie 1934 als Folge der Nazigesetze zum Berufsbeamtentum ihre Stelle am Deutschen Archäologischen Institut in Rom verlor, trat sie noch im selben Jahr als Fotothekarin in den Dienst der Vatikanischen Museen. Deren Direktor, Batolomeo Nogara, ein persönlicher Freund von Papst Pius XI., ließ sich auf Fürsprache von Curtius überzeugen, Speier zu helfen. Sie war damit vermutlich die erste akademisch gebildete Frau und sicherlich die erste Jüdin, die im Vatikan angestellt wurde. Hermine Speier konvertierte im Mai 1939 aus freien Stücken zum katholischen Glauben. Doch nicht einmal dies schützte sie vor Verfolgung. Mindestens zweimal ist sie in Rom unter den Vorzeichen der faschistischen Rassenpolitik Mussolinis verhaftet worden. Der Vatikan aber hielt eine schützende Hand über die gelehrte Frau, und sie überlebte auch die deutsche Besetzung der Ewigen Stadt und die Deportation der römischen Juden. Bis zu ihrer Pensionierung 1966 blieb sie Angestellte der "Musei Vaticani". Hermine Speier hat ihre Bindung zur Frankfurter Heimat niemals verloren. Bis zuletzt hing ein Aquarell "Frankfurt zur Goethezeit" in ihrem römischen Wohnzimmer. Fachlich besonders ausgewiesen auf dem Gebiet der modernen Fototheken, gelangen ihr in einem von Männern geprägten akademischen Umfeld Pionierleistungen der klassischen Archäologie, die allein eine Würdigung im AMF rechtfertigen. Die Auseinandersetzung mit ihrer Biographie ist nicht nur zeit- und wissenschaftsgeschichtlich spannend, sondern auch eine weitere wichtige Erinnerung an das durch die NS-Verbrechen nahezu ausgerottete Frankfurter Judentum, das Kultur und Wissenschaft so nachhaltig geprägt hat.
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