Klimagutachten für den ehemaligen Campus Bockenheim und das Westend
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Bericht des Magistrats vom 19.05.2008, B 260
Betreff: Klimagutachten für den ehemaligen Campus Bockenheim und das Westend Vorgang: Beschl. d. Stv.-V. vom 31.01.2008, § 3212 - NR 691 SPD - Die Berücksichtigung klimatischer Belange zählt bereits seit langem zum klassischen Untersuchungsrepertoire bei der Aufstellung von Bebauungsplänen. Der Magistrat verfügt deshalb heute über einen Untersuchungs- und Gutachtenbestand zu lokal- bzw. stadtklimatologischen Fragestellungen, der in dieser Qualität und Quantität auch bundesweit wohl einmalig ist. In diesem Zusammenhang sei auch auf die umfangreichen lokalklimatischen Bestandserhebungen des Deutschen Wetterdienstes für bestimmte Teile des Stadtgebiets sowie auf den seit 1995 vorliegenden Klimaplanatlas des Umweltamtes verwiesen, der eine flächendeckende Analyse und Bewertung der lokalen Klimaverhältnisse liefert. Dieser außerordentliche Untersuchungsbestand wurde über die Jahre ganz besonders von den verschiedenen Hochhausplanungen befördert. Im Vordergrund des Interesses stand dabei zumeist die Frage, wie sich einzelne Hochhäuser oder Hochhausgruppen auf die windklimatischen und thermischen Verhältnisse des Stadtgebiets auswirken werden. Mit der Aufstellung des Bebauungsplans für das Riedberggebiet wurden dann erstmals auch Bebauungsgebiete expliziert auf ihre klimaökologische Relevanz hin überprüft, die nicht großvolumige Einzelgebäude sondern großflächige Neubebauung auf klimaaktiven Freiflächen beinhalteten. Die angesprochenen Plangebiete und Hochhausbebauungen in Bockenheim, im Westend bzw. entlang der Mainzer Landstraße setzen diese Tradition nahtlos fort, da den planerischen Entwürfen und Entscheidungen jeweils detaillierte und aufwändige Klimauntersuchungen zugrunde liegen, die sowohl numerische Windfeld- und Temperatursimulationen als auch Windkanaluntersuchungen umfassen. In diesem Sinne werden auch die aus der 2006 durchgeführten windklimatischen Untersuchung zum ehemaligen Campus Bockenheim gewonnenen Erkenntnisse bei der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 569 berücksichtigt und im Umweltbericht detailliert dargestellt. Mit der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 702 - Bankenviertel - liegen erstmals auch wissenschaftlich eruierte Erkenntnisse zum Einfluss von modernen, überwiegend gläsernen Hochhausfassaden auf die Entwicklung der Umgebungstemperaturen vor. Dabei zeigte sich, dass eine Erhöhung der Lufttemperaturen nur dort zu erwarten ist, wo zukünftig neue Hochhäuser unmittelbar an bestehende Grünflächen grenzen werden. Allerdings waren die prognostizierten Temperaturanstiege sehr gering, so dass von ihnen keine nennenswerte räumliche Wirkung ausgehen kann. Wesentlich deutlicher waren dagegen die Temperaturveränderungen in der Umgebung von neuen Hochhausstandorten ausgeprägt, die bereits bebaute Grundstücke beanspruchten. Infolge der durch das neue Hochhaus bewirkten großflächigen Zusatzverschattung konnten für die nähere Umgebung durchweg Temperaturabnahmen berechnet werden. Als Fazit dieser Untersuchungen kann somit folgendes festgestellt werden: - Von einem generell negativen Einfluss von Hochhäusern auf den innerstädtischen Wärmehaushalt kann nicht ausgegangen werden, da die festgestellten Temperaturverminderungen die nur bei bestimmten Standortbedingungen auftretenden, sehr geringfügigen Erwärmungen bei weitem überwiegen. - Die überwiegend nur sehr schwach ausgeprägten Einflüsse von Hochhäusern und Hochhausgruppen auf den innerstädtischen Wärmeinseleffekt rechtfertigen nicht in allen Fällen derart aufwändige Untersuchungen.Nebenvorlage: Anregung vom 01.12.2008, OA 774 Antrag vom 08.08.2008, OF 283/2 Antrag vom 11.08.2008, OF 284/2